jokersDie fleißigen Bienchen vom „Jokers“ in Erfurt haben was vorbereitet. Olaf und ich übrigens auch. Zusammen freuen wir uns auf einen unterhaltsamen Abend am 29.11. in der Erfurter Filiale von „Jokers“ (Schlösserstraße 25). Ab 19.15 Uhr öffnen sich die Türen. Und p.s.: Das „Provinzgeschnatter“ können Sie natürlich schon jetzt im „Jokers“ erwerben.

 

Wir sehen uns am 29. bei „Jokers“

Bis dahin, herzlichst Pauline

 

 

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„Musikalisches Provinzgeschnatter“ in Erfurt


novemberlesungWir freuen uns schon sehr auf einen unterhaltsamen Abend. Herzlichst Olaf und Pauline

Vierundfünfzig


18341736 - cargo train platform at sunset with containerEs gibt Momente im Leben, da werde ich das Gefühl nicht los, dieselbe Situation schon einmal durchlebt zu haben. Damals. In einem anderen Leben. In den Hauptrollen: Ich. Und noch jemand. Das Skript war dasselbe. Dèjà vu nennt man das…

In einer solchen Situation fand ich mich neulich wieder, als MC und ich den goldenen Oktoberabend bei einem Glas Federweiser auf der Terrasse ausklingen lassen wollten:

Ganz entspannt erzählte er mir von dem Traum, den er jahrelang geträumt hat: Einfach alles hinter sich zu lassen, um die Welt zu sehen. Wobei in seinem Fall nicht die Welt, sondern der Weg das Ziel war. Ein schöner Traum. Vor meiner Zeit, versteht sich. Als ich in sein Leben kam, verlor der Traum von dem Mann, der auszog, um die Welt zu sehen zunehmend an Bedeutung. Ausgeträumt ist er sicherlich nicht. Doch MC zögerte nicht mir zu versichern, dass er gerade ein viel größeres Abenteuer erlebt. Eines, dass aufzugeben er nicht bereit ist. Schon gar nicht für den Traum von der ganz großen Freiheit.

Mein romantisches Herzchen hüpfte glücklich und das Engelchen auf meiner Schulter seufzte selig, während das kleine Teufelchen auf meiner anderen Schulter sich lachend aufs Knie klatschte und rief: „Ha! Alles schon mal dagewesen. Am Ende siegt die Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer! Wetten?“

Mhm… Mag sein, dass MC sich eines Tages entschließt, seinen Traum doch noch zu leben. Träume sind schließlich da, um gelebt zu werden. Aber ist Liebe nicht auch loslassen, damit der andere seine Flügel benutzen und sich weiterentwickeln kann? Und schenkt Liebe nicht Wurzeln, die der andere braucht um zu wissen, wo Zuhause ist, wenn sich der Traum erfüllt hat?

Mir gefällt die Vorstellung, das Leben als eine Zugfahrt zu sehen. Eine Reise. Abenteuer sowieso. Wie lange diese Zugfahrt dauert, habe ich nicht in der Hand. Wer in meinen Zug ein- und wann wieder aussteigt, entscheidet vielleicht das Universum. Oder der Zufall? Selbst wer gerade neben mir sitzt, darf ich nur bedingt entscheiden. Aber ich sehe mich als eine Art Schaffner, der die Fahrscheine derer kontrolliert, die mich auf meiner Reise begleiten wollen.  Besitzern ungültiger Fahrkarten darf ich den Zutritt zu meinem Zug verwehren. Wenn ich mutig genug bin.

Jedes Lebensjahr als eine Haltestelle anzusehen, an der ich dankbar und liebevoll auf den Weg und meine Begleiter zurückblicke, hat sich inzwischen zu einem Ritual entwickelt, auf das ich nicht mehr verzichten möchte.

Es ist schon vorgekommen, dass jemand sich kurzfristig entschieden hat, aus meinem Zug auszusteigen, weil seine Ziele dann doch andere gewesen sind. Mmh… blöd für den Falschfahrer, denn ich finde meine Reise ziemlich aufregend, abenteuerlich und voller Licht und Leichtigkeit.

Ein anderer musste meinen Zug des Lebens verlassen, weil nach vierundfünfzig Jahren seine Reise zu Ende gewesen ist. Es gibt auch Schmerz und Traurigkeit in meinem Zug des Lebens. Vierundfünfzig hat mir mitgegeben, dass jeder Tag im Zug des Lebens ein Geschenk sein kann, dass ich keinesfalls ungenutzt lassen möchte. Der grenzgeniale Stefan Stoppok hat es mal so schön auf den Punkt gebracht: „Wie schnell ist nix passiert.“

Manche von denen, die ausgestiegen sind, vermisse ich schmerzlich, denn unser Weg war voller Lachen und Leichtigkeit. Die gemeinsame Fahrt fühlte sich in ihrer Kürze an, wie in Lichtgeschwindigkeit zurückgelegt. Vielleicht ist ihr Geschenk an mich die Erkenntnis, dass jeder seinen eigenen Weg gehen muss, wenn er bei sich selber bleiben will. Akzeptanz und das Wissen, dass alles möglich ist, Wege sich erneut kreuzen können, wenn der Zeitpunkt richtig ist, machen Loslassen möglich.

Natürlich gibt es auch Begleiter auf meiner Reise, denen ich gerne beim Ausstieg behilflich wäre. Es ist diese spezielle Art von Gutmenschen, die fehlerfrei durchs Leben zu wandeln meinen, aber ihr Abteil in meinem Zug auf unerklärliche Weise mit ihrem Mief verpesten. Aber sie sitzen nun mal im Zug meines Lebens und der Umgang mit ihnen ist Herausforderung und bringt mich weiter.

Falls MC sich jemals entschließt, seinen Traum zu verwirklichen, weiß er sehr genau, dass ich ihm eine abenteuerliche Reise wünsche, bei der er seine Flügel ausprobieren kann, während ich den Platz neben mir im Zug des Lebens für meine große Liebe freihalte.

Alles Liebe, Pauline

 

 

 

 

C`era una volta


cuv3Der britische Autor F.H. Burnett begann die zauberhafte Geschichte um den kleinen Lord mit den Worten: „Jede Reise ins Ungewisse ist ein Abenteuer…“ Auch mich packt die Abenteuerlust, wann immer ich unterwegs bin. Eine Reise, fern von pauschalisierten AI Angeboten Marke „Friss dich dumm!“ ist ein bisschen wie Weihnachten: Vorfreude. Aufregung. Neugier. Jeder Punkt auf der Landkarte, den frau für sich entdecken kann, gleicht einem Geschenk. Jede Erinnerung an einen beliebigen Ort auf der Welt kann voller Kostbarkeit sein.

Reisen ist, genau wie die Liebe ein Abenteuer, dass Neugier voraussetzt, die größer ist als die Angst, was passieren könnte, sollte frau mal vom Weg abkommen.

Neulich lud mich „mio Caro“ ein, gemeinsam mit ihm ein Stückchen von der Welt zu erkunden. Entsetzt lehnte ich ab, denn MC ist berüchtigt für so grenzgeniale wie kreuzgefährliche Motorradreisen bis weit in die Kavirwüste und ähnliche Orte, von denen Frauen wie ich höchstens in ihren Alpträumen je gehört haben. Exotische Städte wie Bandar Abas und Schiraz, Jasd oder Isfahan kannte er vielleicht nicht wie seine Westentasche. Aber er hatte sie zusammen mit seiner „Boxer Adventure“ genauso bereist wie Pakistan und Indien. Er kannte sich aus in exotischen Gebirgen wie Zägros und träumte von Touren weit hinter selbiges…

So sehr ich MC liebe, so kontrovers ist mein Verhältnis zu „Jack Tigertatzen Gedenkbekleidung“ aller Art, wie man sie für derlei Reisen unbedingt braucht. Selbstverständlich befinden sich auch in meinem Schuhschrank tiefprofilierte Quadratlatschen der Marke Großtierjäger, schließlich muss frau ab und an steinige Wege gehen. Dennoch fühlte ich mich keineswegs bereit für die Rolle seiner Soziusbraut jenseits des Äquators.

Doch MC hatte andere Pläne. Und denen konnte ich nicht widerstehen: Das Ziel unserer Reise war die Heimat Pinocchios.

Wir beluden MCs großen Grauen mit besagtem Schuhwerk, atmungsaktiver Tigertatzengedenkkleidung, diversem Kartenmaterial und dem einen oder anderen Fläschchen Wein und brachen ins Gebirge auf.

MC schaltet vermutlich automatisch in den „Adventuremodus“, sobald er in die Nähe der Baumgrenze kommt. Die Schweizer mögen ein Patent auf die Neutralität, den Teilchenbeschleuniger in Genf und die beste Schokolade der Welt haben. Aber ihre Passstraßenbegrenzungen sind aus meiner Sicht unterirdisch. Die halbrunden Granitpfeilerchen, welche die kompromisslose Grenze zwischen Straße und freiem Fall ins Bodenlose markieren, wirkten auf mich wie die fauligen Zahnstummel eines kariösen Kiefers. Meine Reaktion bei der Passage des ersten Alpenpasses war erwartungsgemäß grünliche Übelkeit. Diese legte sich aber in Windeseile, als ich, festgehalten von MC den ersten atemberaubenden Blick ins Land weit unter uns riskierte.

Wer jemals ganz oben auf einem Gebirgspass gestanden und auf die Welt unter sich hinab geschaut hat, versteht vielleicht das Gefühl sprachloser Ehrfurcht, das mich ergriffen hat, als ich vom Rheinursprung die felsige Landschaft hinunter schauen durfte.

Weiter ging es zum mehr als 2400 m hoch liegenden Furkapass. Von dort hat man Zugang zu einem der letzten Gletscher der Region, bzw. zu den Resten, die noch übrig sind. Die unaufhörlichen Rinnsale, die vom Ende des Eises in den Alpen zeugen, wirkten sehr bedrückend auf mich. Ich kam angesichts des riesigen Sees zu Füßen des grauen Gletschers nicht um die Überzeugung herum, dass nichts und niemand dieses Naturereignis wird aufhalten können.

Erderwärmung ist ein heißes Thema, doch manchmal frage ich mich, ob klimatische Veränderungen nicht immer ein Teil erdgeschichtlicher Entwicklung gewesen sind? Naturschützer mögen mir meine ketzerischen Gedanken verzeihen, aber liebe Freunde von Ice Age und Co.: Was wäre wohl aus Manfred dem Mammut und meinem Freund Sid geworden, wenn die Erde zu allen Zeiten wohl temperiert geblieben wäre? Noch heute würden Saurier unser Land bevölkern und ich wage zu bezweifeln, dass diese friedlich zugesehen hätten, wie Zweibeiner ihren Lebensraum abholzen.

Egal, weiter ging es zum Grimselpass, über den ich nicht viel zu sagen habe, denn seine Serpentinen und Abgründe waren dankenswerterweise in Nebel gebettet.

Beim Gotthardpass fehlen mir gänzlich die Worte, denn ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich ihn verschlafen und erst auf einem kleinen italienischen Campingplatz direkt am Lago Maggiore vom Duft knuspriger Pizza wieder aufgewacht bin. Die Pizza war ein Genuss, was anderes habe ich von den Italienern auch nicht erwartet. Der Lago Maggiore hat mich enttäuscht, denn mir als bekennende Wasserliebhaberin wurde sowohl die Sicht, als auch der Zugang zu Selbigem verwehrt. Der bei Urlaubern so beliebte See ist nämlich rundherum mit Restaurants, Geländern und sonstigen Hindernissen zugebaut.

Kein Problem, dachte ich: Ligurien, ich bin unterwegs!

Auf den schlechtesten Straßen, die der große Graue jemals unter seinen Reifen hatte, tuckerten wir im dritten Gang der ligurischen Küste entgegen. Und die ist in der Tat atemberaubend und wunderschön. Malerische Orte aller Größen schmiegen sich eng zwischen schroffe Felswände und die Riviera. Mittelalter trifft auf Moderne. Berge fallen direkt ins Meer. So weit die Poskartenromantik.

Ich persönlich schwankte angesichts dieser Fülle zwischen Überwältigung und dem hilflosen Gefühl des „erschlagen seins“: Farben, Geräusche, Menschen, Berge und Meer. Von allem sehr viel und alles gleichzeitig. Ich habe noch nie so viele Mopeds auf einem Haufen gesehen. Wobei der „Haufen“ wieder Ergebnis meiner Phantasie ist, denn wann immer ich die akkurat geparkten Rollermassen am Straßenrand sah, konnte ich nur noch „Dominoeffekt“ denken.

Städtchen wie Noli, Albenga und Imperia sind vor allem in den Abendstunden voll von romantischem Zauber und durchaus einen Besuch wert. Ein Glas Wein vor dem malerischen Hintergrund mittelalterlich anmutender Stadtmauern und der Abendsonne, die sich in der Riviera spiegelt vor den Augen zu genießen, gehört zu unseren schönsten Momenten in Ligurien.

Um Metropolen wie San Remo würde ich bei künftigen Ligurienreisen einen Bogen machen. Hier prägen neben den Menschenmassen, summenden Apes und Rollern noch Yachten in sämtlichen Größen das Bild. Irgendwie wollten die Reichen und Schönen von San Remo nicht zu meinem atmungsaktiven Multifunktionsoutfit passen. Auch MC fühlte sich in seinen Chucks angesichts der hochgestellten Polohemdkragen der flanierenden XY Spezies von San Remo ein wenig underdressed.

Überhaupt: Das Rumlungern an ligurischen Stränden muss frau sich erst mal leisten können. Strand ist schon auf Grund der geografischen Lage Mangelware und die Zentimeterchen, die man zwischen Bergen und Küstenrand nicht zugebaut hat, lässt man sich teuer bezahlen. Jeder Zentimeter Strandzugang ist in so genannte „Badeanstalten“ unterteilt. Alle ganz akkurat mit Label und in der Farbe des Hotels, zu dem das begehrte Strandabschnittchen gehört. Ein einziger fauler Strandtag kostete uns pro Nase, ähm aufgezwungener Sonnenliege, 9 Euro. Parkgebühren von 2€ pro Stunde nicht mitgerechnet. Die erste Reihe der Liegestühle verwehrte der Vermieter uns mit den Worten: „More expensive!“ und verbannte uns in die low budget Abteilung in Reihe Zwei. Da lagen wir also brutzelnderweise in der zweiten Reihe eng an eng mit anderem touristischem Bratgut und schielten zwischen den Liegestühlen zum Meer.

Die schönsten Eindrücke haben wir abseits der Touristentummelplätze gesammelt, für die es ein wenig Abenteuerlust braucht. MC war wieder ganz der Alte, so bald die Straßen schmaler und das Gefälle größer wurde. Wanderbeschuht erreichten wir so u.a. das verschlafene Bergdorf Civezza, in dem die Zeit scheinbar stehen geblieben ist. Schmale Gassen säumten einen mittelalterlichen kleinen Marktplatz. Aus offenen Fenstern drangen die köstlichen Düfte von frisch zubereitetem Essen. Wir lauschten dem Schnattern der Frauen, die durch die offenen Fenster mit der Nachbarin gegenüber schwatzten und hörten das Klappern von Töpfen. Was für eine friedliche Welt! Zufrieden saßen wir am Marktplatz und verspeisten Käse und Oliven zu frischem Brot. In diesen Minuten bekam ich eine Ahnung von der wörtlichen Bedeutung der Redewendung „Arc vivendi“.

Diese Reise war voller kleiner „Weihnachtsmomente“, aber ich bin mir nicht sicher, wie weit man reisen muss, um diese zu erleben. Konfuzius soll mal gesagt haben: „Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.“ Manche müssen jenseits von Hongkong nach einem Platz in der Welt suchen, an dem sie das kindliche Gefühl weihnachtlicher Vorfreude zu entdecken hoffen. Andere empfinden vielleicht das Cafè um die Ecke als abenteuerliches Reiseziel. Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, an exotische Orte zu reisen, wenn nur das Herz dabei ist.

Bis die Tage, Pauline

 

Neulich im „Stadtgespräch“ bei Radio F.R.E.I.


stadtgesprächIch glaube, dass ich ganz gut schreiben kann, sonst gäbe es das „Provinzgeschnatter“nicht. Und Lesungen sind genau mein Ding, denn nirgends sonst ist die Resonanz auf meine Arbeit so fühlbar wie bei den Menschen, die sich live anhören wollen, was ich so zu sagen habe. Aber es ist eine ganz andere Baustelle, die eigene Stimme im Ohr zu haben. Und dann auch noch via Internetradio. ( Meine Oma Stock würde erschüttert das weise Haupt schütteln und mir zum x-ten Mal erläutern, dass im Internet die schlimmsten Gefahren lauern… ) Ich jedenfalls war ziemlich nervös, als ich in das Interview hineinhören durfte, dass mir Herr Schaefer von Radio F.R.E.I. netterweise schon mal zugesendet hat.  Neugierig geworden?

https://www.verlag-tasten-und-typen.de/Aktuelles/

Das ganze Interview gibt es unter http://www.radio-frei.de am 16.9. ab 18 Uhr in der „Bücherbar“.

 

 

Vergangenheit war. Zukunft kommt. Nur in der Gegenwart sind beide verbunden. oder… Für Dich.


text1

Jaja, die Brüder Grimm wussten genau, welche Knöpfe sie drücken mussten, um Generationen von Kindern Seufzer der Spannung zu entlocken, wenn Frau Prinzessin einen Frosch geküsst hat, oder Herr Prinz seiner Herzensdame auf weißem Rosse nachstellte. Am Ende siegte die Liebe über jede noch so böse Macht. Kein Wunder also, dass das Kind, dass auch in der stärksten aller Frauen von heute lebt, an die Macht der Liebe und die Güte des Universums glaubt. Komme, was wolle.

Moderne Märchen unterscheiden sich inhaltlich mitnichten von anno dazumal. Na gut, weiße Pferde mussten heißen Maschinen und robusten Vans weichen. Möglicherweise schaut die Prinzessin von heute glückstaumelig in den Rückspiegel ihres schnittigen Flitzers: Denn dicht hinter ihr rast – sexy anzuschauen mit Helm, Lederkluft und diesem orangeleuchtenden Glückshalstuch – auf seiner blaugoldenen Maschine der Typ, den sie zum Traumprinzen geküsst hat. Ihr glückliches Herzchen jubelt angesichts des übermütigen Verfolgers „Meiner!“ und sie schickt Dankesgrüße ans Universum, weil es ihren größten Wunsch erfüllt hat.

Während die natürlichen Feinde der Liebe zu Grimms Zeiten vergiftete Äpfel, böse Stiefmütter und andere Kleinigkeiten gewesen sind, sind die Gefahren für glückliches Dauergrinsen in der Welt wirklicher Gefühle weniger greifbar, aber umso wirkungsvoller. Dass schon bei Königs mit harten Bandagen gekämpft worden ist, weiß jeder, der mit Grimms Märchen aufgewachsen ist. Doch wie Frau Prinzessin mit der Bewältigung adeliger Altlasten umgegangen ist, ist leider nicht überliefert. Wie auch? Prinz besiegt Bösewicht. Basta. Und wenn sie nicht gestorben sind…

keiner weiß, was dann passiert, denn Oma klappte nach diesem Satz zuverlässig das Märchenbuch zu.

In der Realityschnulze der wirklichen Welt wringt die Protagonistin wahrscheinlich verzweifelt das nass geschluchzte Taschentuch und hat keine Ahnung, woran ihr Märchen von der ganz großen Liebe zerbrochen ist. Die Erinnerung an den Traummann, der sich auf heißen Reifen aus dem Staub machte und die quälende Frage nach dem „Warum?“ ist alles, was ihr von der großen Liebe bleibt. Antworten sind Fehlanzeige und Seelenfrieden für lange Zeit nichts als Illusion.

Auch der Glaube an die gütige Macht des Universums droht in Situationen wie dieser verloren zu gehen. Was haben die da oben sich bloß gedacht, sie von der großen Liebe kosten zu lassen, um sie ihr gleich wieder wegzunehmen? Hauen die sich angesichts ihrer Verzweiflung vielleicht gerade lachend auf die Schenkel und machen sich ein Bier auf? Die einst starke Frau von heute kommt nicht um die bange Frage herum, ob das mit dem Universum nicht Erfindung moderner Märchenerzähler ist. Märchen! Wer glaubt denn an so was, der halbwegs bei Verstand ist?

Den Prinzessinnen von heute ist es nicht erlaubt, das königliche Köpfchen in den sprichwörtlichen Sand zu stecken. Was sollen denn bloß die Leute denken? Also richtet Frau Prinzessin verschnupft das zerkratzte Krönchen, verschließt den Bauch vor den albernen Sehnsüchten ihres inneren Kindes und wenn sie schon mal dabei ist, verschließt sie ihr geschundenes Herzchen gleich mit. Nach außen ist die Welt damit wieder in Ordnung, Frau Prinzessin geht den üblichen königlichen Pflichten nach und die Umwelt ist zufrieden.

Es dauert ein Weilchen bis sie merkt dass ihr Leben traurig geworden ist. Leer.

Ihm fehlt das warme Gefühl der Hand, die ihre hält und ein Lächeln, dass sie tief im Inneren wärmt. Doch um ihr Herz wärmen zu können, müsste sie wirkliche Nähe erlauben. Sich der Angst stellen, dass Liebe auch Schmerz sein kann. Mit der Erinnerung an die flüchtige Liebe ihres Lebens im Gepäck erscheint es leichter, wenn Frau Prinzessin jedem noch so qualifizierten Bewerber auf den Platz in ihrem Herzen eine Ablehnung erteilt. Denn wenn sie ehrlich zu sich selber ist, kommt sie nicht umhin zuzugeben, dass in besagtem Herzchen noch immer die Vergangenheit hockt.

Bis ihr eines Tages auf geht, dass ihr Leben ein Buch ist. Und dass sie allein dieses Buch schreibt. Sie hat es in der Hand, ihrem Bauch zu vertrauen und auf ihr Herz zu hören. Trotz allem. Und gerade weil! Sie darf im Film ihres Lebens die Hauptrolle spielen und in ihrer Hand liegt es, mit wem die großen Rollen in ihrem Drehbuch besetzt werden!

Weil sie einmal dabei war, ihre Einstellung zu sich selber zu überdenken, überlegte Frau Prinzessin, dass es gar nicht so doof sein konnte, dem Universum mal wieder einen Wunsch zu schicken. Vielleicht hatten die da oben ja gar keinen Fehler gemacht! Woher sollten die vom Universum denn wissen, wie der perfekte Mann für sie sein sollte? Sie hatte sich die große Liebe zu ihrem Traummann gewünscht. Ein Gefühl voller Magie. Mehr nicht.

Zack. Wunsch erfüllt.

Aber sie musste schmerzhaft lernen, dass keine noch so magische Anziehung aus zwei Menschen Partner, Freunde und Vertraute macht, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Sie begann darüber nachzudenken, wie er denn sein sollte, der Richtige… Sie nahm sich viel Zeit und formulierte ihre Bestellung ans Universum so präzise wie möglich. Und war wegen der Länge des Wunschzettels kurz ein bisschen beschämt. War sie zu anspruchsvoll? Diesen Gedanken schob Frau Prinzessin gar königlich zur Seite. Schließlich kann frau nicht anspruchsvoll genug sein, wenn es um die Neubesetzung der männlichen Hauptrolle im Buch ihres Lebens geht! Sie lächelte spitzbübisch, als sie ihren Wunschzettel um ein weiteres „must have“ verlängerte: Sie würde ihn an seinen blitzend blauen Augen erkennen. „Mal sehen, ob die vom Universum das hinkriegen.“, dachte sie und schickte ihren Wunsch höflich mit „Bitte!“ und „Danke!“ ab.

Lange Zeit passierte: Nichts. Also gar nichts. Die Prinzessin sah einige moderige Lurche, die den Kuss nicht wert waren und schmiss alle samt zurück in den Tümpel, aus dem sie

 

gekrochen waren. Früher hätte sie das Universum vermutlich ungeduldig gemahnt, dass sie nicht ewig Zeit habe und die mögen doch endlich mal ihren Wunsch erhören…

Die Hauptdarstellerin ihres eigenen Buches jedoch liebte und lebte jeden einzelnen Tag, als wäre er er letzte. Sie fand Kontakt zu dem Kind in ihr und lernte, ihm zu vertrauen. Und begriff ganz allmählich, dass niemand einfach so weiterlebt, ohne ab und zu zurückzuschauen. Vielleicht bedeutet Loslassen nicht vergessen. Sondern vergeben. Auch sich selber.

An einem grauen Frühlingstag packte sie die greifbaren Reste ihrer Vergangenheit zusammen mit den ausgeträumten Träumen in eine Kiste und brachte sie an einen besonderen Ort. Sie stand im plötzlichen Sonnenschein auf dem Mauerrand und fühlte in Sekundenbruchteilen ein letztes Mal all die Gefühle, die ein anderer Mensch in ihr zu wecken in der Lage gewesen war. Dann ließ sie los. text2

Die Kiste glitt aus ihren Händen, schaukelte kurz an der Oberfläche, bevor sie vom Wasser umschlossen wurde.

Sie war frei. Endlich. Die Sonne spiegelte sich auf der Wasseroberfläche und wärmte das Herz der Prinzessin.

Und dann saß sie ihm gegenüber. Ausgerechnet bei einem Vorstellungsgespräch sah sie in die blitzenden blauen Augen eines Mannes, der das was er tat, mit Leidenschaft machte. Noch während er sie durch den Betrieb führte, wusste sie, dass sie diesen Job niemals annehmen konnte. Sie bewarb sich umgehend um den Platz in seinem Leben, denn ihr Herz war weit offen. Sie bekam den Job. Das Gehalt überstieg ihre Träume. Sie bekam so viel mehr, als sie forderte von einem Mann, der den Unterschied zwischen wollen und machen sehr genau kannte. Jeden Tag schenkte er ihr das Gefühl, sie dort abzuholen, wo ein anderer sie stehen gelassen hatte.

Die Erinnerung an damals ist noch da. Das darf sie auch, denn sie hat die Frau geformt, die die Prinzessin heute ist. Aber die Zukunft gehört dem einen Menschen, der ihre Hand auch dann nicht loslässt, wenn der Alltag mal die Leichtigkeit bedrängt. Dem Mann, der ihr Herz erobert hat, als er ihr von dem Jungen erzählt hat, der auf einer Eisenbahnbrücke stand und den Dampf der Lokomotive unter ihm einfangen wollte. Diesen Jungen kann sie sehen, wann immer sie in sein lachendes Gesicht schaut. Und wenn sie heute im Rückspiegel ihres Flitzers den Motorradfahrer auf seiner vollgepackten Boxer sieht, denkt sie glücklich: „Meiner!“ und weiß, dass sie zusammen nach Hause fahren.

In Liebe Pauline

UKW 96.2., ein Date am Brunnen und ich…


radio1Als ich mich das letzte Mal mit einem Kerl an einem Brunnen verabredet habe, endete dies in einem emotionalen Waterloo.

Ich war also nur mäßig begeistert, als ich mich neulich erneut an einem Brunnen einfand, um…

… lassen wir das. Das Ding mit dem Frosch und dem Brunnen ist Geschichte. Ich schluckte die moderige Erinnerung hinunter, schließlich will ich ein Profi sein und hockte mich ergeben an den Brunnenrand.

Wie damals beobachtete ich vorbeieilende Menschen. Manche schleckten genüsslich ein Eis, um der Julihitze zu begegnen. Andere schlichen eher bedrückt durch die Schwüle. Und ich war aufgeregt. Nervös. Ängstlich. Unsicher. Was hatte ich mir bloß gedacht, als ich diesem mystischen Treffpunkt zugestimmt hatte? Solche Gedanken geisterten durch mein Hirn, während ich auf dem Brunnensockel kauerte und auf den Mann wartete, der mich via. www zu diesem Treffen eingeladen hatte.

Dann war er da: Herr Schaefer von Radio F.R.E.I. befreite mich gut gelaunt von all meinen verwirrenden Gedanken und lud mich auf ein Interview in den Sender ein.

Über Radio F.R.E.I. hatte mir wikipedia im Vorfeld verraten, dass es ein Freies Radio im Raum Erfurt ist, welches 1990 im Umfeld der Erfurter Bürgerbewegung auf Sendung ging. Was damals als Piratensender bezeichnet wurde, ist heute ein unabhängiger Sender, den die Erfurter und einige ausgewählte Gegenden auf der angegebenen Frequenz von UKW 96,2 empfangen können. Der Rest von uns hört Radio F.R.E.I. übers www. Ein echter Geheimtipp für alle, die gern mal Unterhaltung abseits vom Mainstream genießen. Unter der Leitung von Herrn Schaefer wird jedenfalls u.a. die monatliche Sendung „Bücherbar“ produziert und ich durfte Gast in seiner Sendung sein. Wenn mich die Einladung schon beeindruckt hatte, so war ich angesichts der gepolsterten Wände im Studio, der Kopfhörer, Mikrofone, allerlei Schieberchen und anderen nach Tontechnik aussehenden Gerätschaften regelrecht eingeschüchtert. Ein Gefühl, dass ich aber in dem Moment vergessen habe, als Richard Schaefer und ich bei einem kühlen Glas Wasser zu plaudern begannen. Wir schwatzten entspannt über Gott, die Welt und über „Provinzgeschnatter“.

Brunnen hin oder her: Wäre dieses Treffen ein Date gewesen, wäre ich mit einem Gefühl nach Hause gefahren, dass frau als „extrem vielversprechend“ eingestuft hätte.

Zu hören gibt es das Ganze übrigens am dritten Sonntag im September ab 18 Uhr bei Radio F.R.E.I.

Bis die Tage, Pauline