Diktatur und Demokratie


Letzte Woche lud der Bundespräsident zu einer Diskussionsrunde zum Thema Impfpflicht ins Schloss Bellevue. Virtuell waren einige Gäste geladen und einige andere saßen tatsächlich bei ihm im Schloss. Und ich lauschte interessiert…

Schon die Eingangsrede unseres Bundespräsidenten verursachte bei mir den berühmten Kloß im Hals. Als ernämlich sagte: „Es gibt Menschen, die sagen: `Wir haben in Deutschland eine Coronadiktatur`. Das ist bösartiger Unfug! Denn darin steckt nicht nur Verachtung für unsere demokratischen, rechtsstaatlichen Institutionen…“, kam ich nicht drum herum, mich zu fragen, ob ich tatsächlich in einer Parallelwelt lebe. In meiner Wahrnehmung besteht das Leben aus unendlich vielen Geboten, Verboten und Maßregelungen, die alle mit dem bösen C zu tun haben. Natürlich kann man jetzt sagen, dass all diese Verordnungen dem Zwecke der Eindämmung von Covid 19 dienen. Wie gut das (nicht) funktioniert, erleben wir alle inzwischen bald im dritten Jahr mit einem Virus, dass sich an keinen dieser Erlässe hält. Dem gegenüber stehen Menschen, die seit Monaten keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen dürfen und Leute, denen man die Teilname am öffentlichen Leben verbietet, weil sie aus welchen Gründen auch immer nicht dem Herdenzwang folgen wollen, der nur einen Weg kennt, nämlich den zur Impfstelle.

Überall weisen mehr oder weniger freundlich formulierte Hinweisschilder darauf hin, dass nur vollständig Geimpfte sich da und dort hinsetzen dürfen. Und von Mitte März an dürfen Ungeimpfte in Pflegeberufen nicht mehr arbeiten.

Geht mehr Diktatur überhaupt?

Fürs Protokoll: Als Kind der DDR bin ich mit der Diktatur des Proletariats groß geworden. Es gab viel, was uns diktiert worden ist, aber ich kann mich nicht daran erinnern, beim Zahnarzt nach meinem FDJ- Ausweis gefragt worden zu sein, während die Tresendame bei meinem Zahnarzt neulich ungeniert und ohne einen Gedanken an den Datenschutz für alle vernehmlich durch die Praxis nach meinem Impfstatus geplärrt hat.

Ich weiß, wie schwer es Gastronomen und Einzelhändler in dieser demokratischen Ausnahmesituation haben. 2G Regeln erschweren ihren Überlebenskampf, während Amazon & Co. KG sich vermutlich in Kürze die Nasen vergolden lassen. So kam es, dass MC und ich gestern ganz solidarisch zu einer Shoppingtour in die Landeshauptstadt aufgebrochen sind. Es war eine Erfahrung, die keiner von uns in absehbarer Zeit zu wiederholen gedenkt: Wie in den Zeiten der Diktatur des Proletariats standen vor jeder Ladentür Schlangen von Menschen. Nur dass man nicht wie damals nach Bananen oder anderen Luxusgütern angestanden hat, sondern Impfzertifikat und Personalausweis akribisch kontrolliert worden sind. Ich will gar nicht wissen, was mit den abgescannten Daten passiert, die in jedem Geschäft gesammelt werden. Ist das aus Sicht des Datenschutzes überhaupt zulässig? Bei Laden Nummer Drei war es mit meiner Contenance vorbei, was MC angesichts meiner dauerhaft beschlagenen Brille über der lebensrettenden FFP2- Hülle dazu veranlasst hat, das Unternehmen Shopping ergebnislos abzubrechen und bei der Chinafrau unseres Vertrauens Kraft zu tanken. Doch bevor es uns gestattet wurde, bei Pekingente zu entspannen, mussten wir ertragen, dass auch Frau aus China durch den Laden quieckte: „Oh, Impfstatus 38 Tage. Dann du boostern und dann kommen wieder her!“

Was mich nebenbei zu der Frage bringt, wie lange denn 2G und anderer mentaler Dauerstress an der Tagesordnung bleiben werden? Denn im Gegensatz zu vorangegangenen Coronawellen gibt es keine Zeitangabe, keine Zahl, auf die wir hoffen dürfen, damit es zu Lockerungen kommt. Ist der einzige Weg aus der Krise das endlose Update des Impfzertifikates in immer kürzeren Abständen?

Die Gründe für die Coronadiktatur mögen streitbar sein, aber zu behaupten, dass es sie nicht gibt, halte ich für ebenso schlimm, wie die Leugnung des bösen C an sich.

Zu den virtuellen Gästen im Schloss Bellevue jedenfalls gehörte eine Dame aus einem Kaff irgendwo im Baden- Würtembergischen, dessen Namen mir beim besten Willen nicht mehr einfällt. Aber den Namen jener pensionierten Lehrerin werde ich so schnell nicht vergessen. Denn Frau Gessert brachte ihre Sicht auf die coronale Impflage so wohl überlegt und messerscharf recherchiert an, dass der Herr Bundespräsident zunehmend aus der Fassung zu geraten schien. Ich empfand seine Frage nach ihrem Impfstatus ziemlich unangebracht. Frau Gessert jedoch griff die Frage auf, um den Bundespräsidenten ihrerseits auf die Polarisierung aufmerksam zu machen, die von solchen Fragen weiter vorangetrieben wird. Sie sprach auch die Langzeitfolgen an, die es laut der meinungsgebenden Experten gar nicht gibt. Auch ich habe diese Frage mehrfach und im Hinblick auf meine eigene Krankenakte gestellt und wurde zuverlässig damit abgefertigt, dass es keine Langzeitfolgen gibt. Woher weiß man das? Man impft erst seit einem Jahr. Aber Langzeit bedeutet in meiner Welt definitiv einen Zeitraum, der länger ist. Frau Gessert sprach bestimmte Lipide im Impfstoff an, die mich nach ihrer (durch Quellen belegte) Recherche erschauern lassen. Sie wies auf eine mögliche Schieflage zwischen Impfquote und Inzidenzen hin und belegte die auch gleich mit Zahlen des RKI. Eine andere Teilnehmerin der Diskussionsrunde forderte mehr als einmal einen Faktencheck von Frau Gessert und die hatte kein einziges Problem mit der Angabe ihrer Quellen.

Hach, ich hätte ihr stehend applaudiert, hätte ich im Publikum bei dieser Diskussionsrunde sein dürfen.

Ich habe ein bisschen Hoffnung mit ins Wochenende genommen. Aber die hat nicht lange gehalten, denn der erste Bericht, der mir in den sozialen Netzwerken ins Auge fiel, ging um Spaziergänger. Die Kommentare dazu fand ich erschreckend und verstörend. Da war nichts von Demokratie zu lesen. Viel eher folgten die Meinungen auf aggressiv- beleidigende Art dem Mainstream. Von rechtsextremen querdenkenden Aluhutträgern las ich. Und nicht nur einmal das Wort „Faschismus“.

Ich hätte dem Bundespräsidenten „kurz widersprochen“, als er in seiner Eingangsrede die Diktatur so vehement bestritten hat: Vielleicht muss man sich unters Volk begeben, um die Menschen wahrzunehmen. Die Stimmung der Menschen und das, was sie bewegt, kann man nur einfangen, wenn man Teil davon ist. Als Menschin aus dem Volk bin auch ich der Meinung, dass wir in einer Coronadiktatur leben. In einer Demokratie ginge es auch zum Thema Corona um Augenmaß und Ehrlichkeit. Die Schriftstellerin Juli Zeh schreibt in ihrem Roman „Über Menschen“ dazu: „Voraussetzung von Ehrlichkeit ist das Bekenntnis von `Nicht genau wissen`. Sträuben richtet sich gegen Denkimperative und nicht gegen Regeln.“ Damit spricht sie mir aus dem Herzen.

Bis die Tage, Pauline

Neujahrsblues, der innere Spiegel und eine Erkenntnis


Foto: Igel (Stadtbibliothek Gotha, April 2018)

Ich komme in diesen Tagen nicht drum herum, mich zu spiegeln. Zu hinterfragen, wer ich eigentlich bin. Und wenn ja, will ich die sein, die ich bin?

Ja. Ich will.

Während ich nämlich im grauen Düster feuchtkalter Januarabende auf dem heimischen Sofa über diesen Fragen grübelte, den inneren Spiegel immer vor der Nase und mein inneres Kind fest im Arm, da fiel mir staunend ein, dass mein Provinzgeschnatter seinen zehnten Geburtstag feiert!

Kinner nee…


Es war beim Neujahrsempfang in einem feinen Küchenstudio, wo man meinen ersten Roman sozusagen als „Special Guest“ auf die Bühne holte und sich im Anschluss ein nettes Gespräch mit der Prokuristin vom Oscar am Freitag entspann. Und die machte Nägel mit Köpfen und für mich einen Termin beim Chef des Magazins.
Ich war fürchterlich nervös, als ich im Vorzimmer der Redaktion auf der Stuhlkante hockte und wurde nur wenig selbstsicherer, als ich dann zum mir ziemlich furchteinflößend erscheinenden Chef hinter seinem Schreibtisch vorgelassen wurde. Aber meine Furcht war unbegründet, denn der oberste Oscar machte mir ein sagenhaftes Angebot: Eine eigene Kolumne in seinem Magazin! Titel und Themen waren frei wählbar. Einzige Bedingung: Die Kolumne sollte aus der Sicht einer Singlefrau mit Bezug auf unsere schöne Residenzstadt geschrieben werden. Ich hatte keine Ahnung davon, wie frau eine Kolumne schreibt. Alles was ich hatte, waren meine Begeisterung, meine Mädels und unsere Geschichten. Ich spitzte hoch motiviert meine Bleistifte und textete los. Ich war schockverliebt und bin es bis heute geblieben. Die Beziehung zwischen mir und dem Oscar am Freitag war leider nicht für die Ewigkeit, aber in den Jahren dort habe ich unbezahlbare Erfahrungen gemacht und wertvolle Menschen kennen gelernt. Der Umgang in der Redaktion war ruppig und mitunter so laut, dass die Glaswände zwischen den Büros gewackelt haben. Aber trotz meiner Unfähigkeit, mich an Zeichenvorgaben zu halten, den Redaktionsschluss nicht zu verpennen, oder die Grundsätze der Datenverarbeitung auch nur halbwegs drauf zu haben, habe ich persönlich nie ein böses Wort gehört. Umso härter traf mich Jahre später das plötzliche „Aus!“ für die Kolumne und damals überlegte ich ziemlich geknickt, wie es weitergehen sollte.
Meine Begeisterung, meine Mädels und unsere Geschichten waren immer noch da. Und die Idee, das provinzielle Geschnatter einfach ins www. umziehen zu lassen. Wobei einfach ganz sicher der Begriff ist, der diesem Umzug am wenigsten gerecht geworden ist. Denn obwohl Zeilenzahlen auf einer eigenen Webseite eher eine zu vernachlässigende Größe darstellen, hatte ich noch immer keinen Plan, wenn es um Internetauftritt, diverse Rechtslagen, Finanzämter oder gar das schnöde Einstellen provinzieller Texte auf eben jene Seite ging. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie segensreich es ist, Freunde zu haben. Ich diesen Tagen war das allen voran der wunderbare Charly aus unserer Bürogemeinschaft von damals, die wir Curcuma Medien nannten. Charly jedenfalls rettete jeden meiner Texte und schob ihn höchstpersönlich in sein neues Zuhause auf Paulines Schreibstube. Es gab Gegenspieler auf meinem Weg, der gefährlichste war in meinen Augen mein renitenter Klapprechner namens Jean Lùc, der mir immer wieder gerne fiese Fallen stellte. Ohne die fachkundige Hilfe der Mannsbilder Charly und Jan von Curcuma Medien hätte ich ziemlich oft ziemlich alt ausgesehen.

Ich gehöre bis heute zu den Leuten, für die es ein himmelweiter Unterschied ist, ob ein Text online oder in einem Buch zu lesen ist. Deshalb sitzen meine Freunde Jan und Edith und ich immer mal wieder gerne zusammen, um die Texte eines Jahres aus dem www. zu befreien und ihnen zwischen zwei Buchdeckeln ein Zuhause zu geben. Nur für mich und fern von Messen und ISBN-Nummern, aber für jeden zu erwerben, der sie haben möchte…

Nichts ist für die Ewigkeit gemacht und so fragte ich mich in den letzten Monaten immer öfter, ob Paulines Schreibstube noch das ist, was ich bin. Meine Gedanken gehen vielfach nicht mehr die leichten Wege, die die Mädels vom Provinzgeschnatter normalerweise gehen. Die Zeit, in der wir leben, ist leider geprägt von Verboten, Maßnahmen, Diffamierung, Ausgrenzung und Spaltung und lässt gerade wenig Spielraum für Leichtigkeit und Lebensfreude. Aber sie ist unsere (Lebens) Zeit und ich schreibe weiter auf, was mich bewegt. Allerdings musste ich mir wegen dieses Blogs viel anhören in den letzten Monaten. Wegen der vielen Fragen, die ich mir stelle und mit den Mädels auf dieser Seite diskutiere, wurde ich in letzter Zeit vielfach angegriffen, als querdenkende Aluhutträgerin nach rechts sortiert und habe mich von Menschen verabschiedet, die mir wichtig waren. Auf der anderen Seite habe ich viel mehr gute Kritiken bekommen als früher. Allerdings immer auf nicht öffentlichen Kanälen. Meine kritischen Beiträge werden im Gegensatz zu den leichten Texten nur ganz selten geteilt. Woran kann das liegen? Da es in diesem Land hochoffiziell noch nicht verboten wurde, eine eigene Meinung zu vertreten, müsste ich davon ausgehen, dass ich allein eine Meinung habe, die von der medial verkündeten abweicht. Dem widersprechen die zahlreichen privaten Nachrichten, die Mut machen. Ich bin also zerrissen…


Und habe beschlossen, mich wieder öfter den Geschichten der Mädels zu widmen, in denen es um Herzensangelegenheiten geht. Trotz allem, oder gerade weil? Egal, es gibt sie noch immer: Die Begegnungen, die zu Herzen gehen und viel zu oft vor den Baum. Und prompt kassierte ich kürzlich auch in diesem Zusammenhang massenhaft böse Kritik. Und stand erneut vor der Frage, ob Weitermachen eine Option geworden ist …
Ich bin in mich gegangen und habe erkannt, dass Weitermachen für mich keine Option ist.

Weitermachen ist Priorität.

Schreiben war schon immer das, was ich gut konnte. Der Oscar am Freitag, meine Bücher beim Roder- Verlag und bei Tasten & Typen sind Zeichen dafür, dass es sich lohnt, weiterzumachen. Gerade jetzt. Es wird immer jemanden geben, dem nicht gefällt, was ich schreibe.
Nun, mir gefällt es. Und euch Schätzen auch. Danke. Deshalb mache ich weiter.
Bleibt mir gewogen.

Herzlichst eure
Pauline


Foto: Igel (Eröffnung Bibliothek Bad Tabarz, Juli 2021)

Eine Frage der Wahrnehmung


Ich habe das neue Jahr auf einer Dachterrasse irgendwo in der Provinz des Büchellandes willkommen geheißen. Wenn frau so von oben auf die Welt hinunter schaut, dann erscheinen die Dinge weit weg und die Konzentration auf das Hier und Jetzt fällt ein bisschen leichter. So gesehen fiel es mir nicht schwer, das alte Jahr loszulassen und zuversichtlich auf das leere Blatt zu schauen, auf dass ich mein Jahr 2022 in meinen eigenen Farben, Überlegungen und Worten gestalten werde.

Doch kaum wurde es zum ersten Mal in diesem Jahr hell, da war ich so unvorsichtig, mir die Neujahrsansprache von Olaf dem Kanzler reinzuziehen. Schriftlich zum Glück, ich bin sicher, dass ich die monotone Stimme nicht ausgehalten hätte, mit der dieser Mann sprach. Ich kam nicht um die Frage herum, wer von uns in einer Parallelwelt lebt, als er die Spaltung der Gesellschaft wegen der Coronapolitik verneinte! Oli fand es an dieser Stelle passend, den Untertanen „…mit aller Deutlichkeit …“ zu sagen, dass „… das Gegenteil der Fall ist! …“ „Was ich wahrnehme, ist eine riesige Solidarität, das ist überwältigende Hilfsbereitschaft, neues Zusammenrücken und Unterhaken.“

Mal abgesehen davon, dass nach der auch von ihm für gut befundenen neuesten Coronaschutzverordnung „Zusammenrücken“ und „Unterhaken“ fast schon strafbare Handlungen sind, nehme ich persönlich die aktuelle zwischenmenschliche Situation ganz anders wahr:

Erst neulich erzählte meine kleine Freundin Kiki vom allerneuesten Trend beim Onlinedating: Da gibt es doch tatsächlich Menschen, die schon im persönlichen Statement darauf hinweisen, dass sie ausschließlich vollständig Geimpfte als Kontaktpersonen zu akzeptieren gedenken. Angesichts der Tatsache, dass die Suche nach dem richtigen Partner auch unter weniger anspruchsvollen Mitmenschen eine kaum zu bewältigende Angelegenheit ist, mischte ich Kiki kurzerhand ein Chardonnayschörlchen und empfahl ihr, diesen lebenden Impfstatus mit allerbesten Wünschen im www verschwinden zu lassen. Unbeachtet versteht sich. Mit derlei Schnödeldrö befasst frau sich doch nicht!

Weniger komisch war mir jedoch zumute, als mir am selben Tag meine Mama Mausi gestand, dass ihre zweitbeste Freundin den Kontakt zu ihr abgebrochen hat, weil ich – also Mausis erwachsene Tochter – nach Meinung der zweitbesten Freundin nicht geimpft bin. Ich habe keine Ahnung, woher die Dame diese Information bezogen hat, aber ich bin ehrlich entsetzt. Mal abgesehen davon, dass sich früher kein Mensch für meinen Impfausweis interessiert hat, hätte der gesund denkende Mensch in diesem Zusammenhang unweigerlich an Sippenhaft gedacht, denn wie kann man einen Menschen für die Entscheidung eines anderen büßen lassen?

Heute jedoch, im Jahr 2022 ist der gute Deutsche dazu angehalten, es genauso zu machen, wie Mausis Zweitfreundin oder der erwähnte Vakzinanbeter auf Kikis Onlineplattform: 2G bis in den sehr privaten Bereich, denn laut Olaf dem Kanzler gibt es „keine rote Linie mehr.“ Er meint, das Land stand nie näher zusammen.

Na dann…

Angewidert schloss ich die „Spiegel“– App. Ich kam nicht drum herum, schon am ersten Tag des neuen Jahres meine Zuversicht darauf, dass im neuen Jahr alles besser wird, schwinden zu sehen. Wir haben kürzlich eine Regierung gewählt, die drei Monate brauchte, um sämtliche Wahlversprechen soweit zurechtzustutzen, dass eigentlich nicht viel davon geblieben ist, um überhaupt als Regierung arbeiten zu können. Und der Chef jener Regierung lobt „… den reibungslosen, fast freundschaftlichen Übergang von der alten zur neuen Regierung….“ und freut sich, „…dafür in der Welt viel Anklang gefunden zu haben.“ Kinner nee, was war mir schlecht. Ich will gar nicht wissen, was die Welt wirklich von diesem buntplüschigen gendersterndelnden Land hält, dass alle Werte, die unser Land wirklich bunt und schön gemacht haben, alternativlos abzuschaffen bereit ist und größenwahnsinnige Projekte im Alleingang plant, die natürlich der brave Bürger zahlen wird. Heiz- und Kraftstoffe sind seit gestern nochmals um ein paar lächerliche Cent teurer geworden? Macht doch nichts, Deutschland macht die Welt grün. Da zieht der Steuerzahler doch gern sein letztes Hemd über die dicke Strickjacke, denn Heizen wird in Kürze nur noch für die Elite bezahlbar sein. Bezahlbare Alternativen sucht der fröstelnde Normalverbraucher nämlich vergebens.

Strohhalme haben wir schon verboten und Plastiktüten folgen in Kürze? Gut so, wir brauchen unbedingt Platz für ungezählte Covidschnelltests und Millionen von Masken in den Mülltonnen.

Die neue Regierung möchte, dass tierische Lebensmittel teurer werden, um die Umwelt zu schützen? Klar doch, so ein Rinderfurz verpestet die Luft ganz schön. Mir persönlich stoßen all die trendigen Nahrungsmittel vegetarischen Urspungs wie Soja aus Brasilien oder die gemeine Avocado aus Mexiko viel übler auf, wenn ich darüber nachdenke, wie

viel CO2 allein durch ihren Transport um die halbe Welt auf die Teller all unserer Friday for Future Weltverbesserer ausstößt.

Und wenn wir schon dabei sind: Könnten wir Frau Kuh und Miss Ziege nicht einfach aus heimischer Aufzucht genießen? Waren es nicht unsere Politiker, die alles taten, damit auch Tierzucht eine globale Angelegenheit wurde? Waren es nicht die heute Regierenden, die dem hiesigen Bauern Billigpreise aufgezwungen haben, um gegen die weltgereiste furzende Konkurrenz irgendwie anstinken zu können?

Und während ich bei einem Neujahrsspaziergang am Stausee um die Ecke den Müll zu verdrängen versuche, der nicht nur dort herumliegt, sondern von den Medien in unsere Köpfe gekippt wird, gelingt es mir fast, die Zuversicht zurückzuerlangen. Wenn alle anderen die Augen zufitzen können, schaffe ich das auch.

Das gelang mir aber nur so lange, bis ich die nächste Schlagzeile gelesen habe: Die sprach- und medienkritische Initiative „Floskenwolke“ hat ausgerechnet das Wort „Eigenverantwortung“ zur „Floskel des Jahres 2021“ erklärt. Na klar, der gute Bürger hat die Verantwortung für sich selber zusammen mit dem Blick über den Tellerrand an andere

abgegeben. Nur Aluhutträger, Querdenker und braune Mülltonnen gehen deshalb im Dunkeln auf winterlichen Straßen spazieren.

Kinner nee, meine Wahrnehmung…

Die Farben des Jahres


Für mich ist jedes neue Jahr wie ein unbeschriebenes Blatt Papier, dass mit dem Leben des Jahres beschrieben wird. Viele von uns seufzen in diesen Tagen: „Ein Glück, dass dieses Jahr endlich vorbei ist.“ Eine Ansicht, die ich nicht teilen möchte. Auch ich fand das vergangenen Jahr alles andere als leicht. Aber wo steht geschrieben, dass immer alles leicht ist? Wenn ich überlege, welche Farbe das vergangenen Jahr in meinen Augen am besten beschreibt, dann würde ich ohne zu zögern „Grau!“ sagen. Und mich im zweiten Impuls erschrocken fragen, warum mir die unschönen Ereignisse des Jahres zuerst einfallen, die dieses Jahr geprägt haben? Ich lenke meine Gedanken bewusst auf die wundervollen Momente zurück, von denen es im letzten Jahr auch jede Menge gab. Da sind die unvergesslichen Augenblicke mit meinen Liebsten. Die fröhlichen Wanderungen durch endlose Schneemassen. Die Tage in der Hütte im Nirgendwo der Schorfheide. Ich durfte ein paar unvergessliche Tage lang am Ärmelkanal entlang stomern. Das waren die besten Momente überhaupt, denn wenn frau neugierig und bereit ist, die Welt wie ein Kind zu sehen, dann ist hinter jeder Kurve ein neues Geschenk zu entdecken.

Ich bin durchs Brandenburger Tor gebummelt und die Goldelse hinaufgeklettert, habe an meiner Talsperre die Akkus aufgeladen und festgestellt, dass ich Potsdam piefig finde. Es gab auch Erlebnisse der skurilen Art, die mich nur im ersten Moment traurig gemacht haben. Da war ein Moment, als mir die Ohrgehänge schwingende Gutmenschin mit Grabesstimme die Sanktionen aufgelistet hat, die sie wegen der Themen auf meinem Blog über mich zu verhängen gedachte, als sie verkündete: „Dich kann ich nicht mehr auf einen Wein zu mir einladen.“ Ein Teil von mir war augenblicklich wieder fünf Jahre alt und schämte sich für die Ungezogenheit, mit der ich die Frau verärgerte. Die Frau war noch nicht fertig, denn sie warf sich in die Brust und legte voller Tadel nach: „Ich verkaufe an meinem Marktstand so viel Regionales. Aber dein Bücher werde ich nun nicht hier anbieten.“


Ähm…


Ich kämpfte mühevoll um Contenance und unterdrückte den Impuls, die Dame zu fragen, wie nötig ich ihrer Meinung nach wohl ihre Einladung zum Wein habe? Auch konnte ich mich nicht erinnern, wann ich denn darum gebeten hatte, meine Bücher in ihrem…
Ich entschied, zu schweigen. Ich war schon an der Tür, als die Grabesstimme fragte: „Was ist denn falsch daran, ein guter Mensch zu sein?“ An dieser Stelle war es mit meiner Fassung vorbei und ich empfahl ihr mit letzter Kraft, doch mal die Bedeutung der von mir verwendeten Vokabel Gutmensch zu googeln, dann flog die Tür hinter mir zu und die Gutmenschin aus meinem Leben.

[Gutmensch: Substantiv, Bezeichnung für Menschen, die sich nach Außen besonders gut und moralisch darstellen. Charakteristisch sind dogmatische Ansichten und Ausschluss anderer Vorstellungen.]

Es brauchte ein Weilchen, bis die Traurigkeit über meinen Mangel an Menschenkenntnis der Erkenntnis Platz machte, dass nicht jeder Mensch die Meinung eines anderen teilen muss. Aber die Menschen, die ich in meinem Leben bevorzuge, sind jene, die bereit sind, die Meinung anderer ohne Bedingungen zu akzeptieren.

In diesem Jahr habe ich Leichtigkeit vermisst. Und manchmal das Lachen. Leider habe ich es zugelassen, dass das Außen größer geworden ist, als ich es mir je vorstellen konnte. Nie hat etwas, was ich nicht beeinflussen kann, mein Leben so sehr beeinflusst. Ich gebe zu, dass ich Angst habe…

Das große C beherrscht unser Leben und unsere Gedanken nach zwei Jahren Pandemie mehr denn je. Misstrauen, Anfeindung und das oben angesprochene Gutmenschentum sind an der Tagesordnung. Kekulè flog von der Uni und Reitschuster aus der Bundespressekonferenz. Unerhört, was Formfehler anrichten können…

Da erscheint es fast wie ein Wunder, dass unser neuer Gesundheitsminister diese sagenhafte Glaskugel mit ins Amt eingeführt haben muss, die ihm neulich erst verklickert hat, dass die sinkenden Inzidenzen falsch niedrig und die wahren Zahlen mindestens… ach was weiß ich… jedenfalls viel viel höher sind und wir alle nur durch Boosterung gerettet werden können.
Spätestens als Bayerns kleiner König einen FDP- Mann öffentlich nach rechts in die Ecke stellte, weil der die Impfpflicht hinterfragte, wurde mir klar, wie unbedeutend Einzelschicksale in diesen Tagen doch sind. Jedenfalls dann, wenn sie nicht mindestens zweimal geimpft sind.

Das vergangene Jahr war wohl für niemanden einfach. Aber es gehört zum Leben dazu und ich bin dankbar, dass ich das Jahr 2021 in meinen eigenen Farben malen durfte. Menschen sind aus meinem Zug des Lebens ausgestiegen, denen ich dankbar für die Erfahrung bin, die ich mit ihnen machen durfte. Das vergangene Jahr war für mich eines von denen, wo ich nicht drumherum gekommen bin, meine Einstellung und meine Werte zu überdenken, weil ich nicht riskieren will, Glauben, Liebe und Hoffnung zu verlieren. Ich arbeite daran, im Wirrwarr des Lebens den Unterschied zwischen Lust und Last zu erkennen und die Farben wiederzufinden, die das Leben bunt machen.
h sehe zuversichtlich dem neuen Jahr entgegen, dass als weißes Blatt vor mir liegt.
Ihr Schätze, in diesem Sinne wünsche ich Euch ein farbenfrohes neues Jahr!

Herzlichst Eure
Pauline






Diese Nachricht wurde von meinem Android Mobiltel

Ode an Gaby


Bild: Saskia Jarosch

Liebe Nancy, Sandy, Ivy und Gaby… manchmal komme ich nicht drum herum, extra zu betonen, dass keiner meiner Texte Anspruch auf Wirklichkeit hat, aber ich mein Ziel erreicht habe, wenn sich irgendwo jemand darin wiederfindet.
Kaum ein Text, den ich jemals geschrieben habe, bewegte die Gemüter so sehr, wie „Wir sind alle ein bisschen Gaby.“ Zum Verständnis: Es geht um Mitgefühl. Um Akzeptanz. Um Solidarität unter Frauen. Denn die meisten Mädels, die ich kenne, sind irgendwann mal eine Gaby gewesen. Wir alle haben irgendwann mal einen Frosch geküsst, der von Liebe quakte und in einem andern Teich heimisch wurde. Warum wir Gabys dennoch dem Lurch das Froschkonzert abgenommen haben? Nun, dass weiß keine von uns so genau. Aber jede hat dem miesen Typen dieselbe Nummer abgekauft. Dass er nur sie liebt. Eigentlich. Kluge Frauen würden fragen: „Warum seid ihr dann nicht zusammen?“ Aber das fragt die Gaby in uns natürlich nicht. Denn wenn es um Liebe geht, sind wir alle ein bisschen gaga. Die Gaby in jeder von uns wartet… Und wenn sie ihm dann endlich wieder begegnet, dann ist der Triumph nur von kurzer Dauer, denn Froschi denkt nicht daran, bei Gaby zu bleiben. Hätte er das jemals gewollt, nichts hätte ihn davon abgehalten. Also quakt er ein bisschen herum, was Gaby hören will und Gaby wird ihm bereitwillig die Kammertüre öffnen. Ohne einen einzigen Gedanken an die Froschkönigin daheim im Schloss zu verschwenden, wärmt der Lurch seine froschigen Schenkel bis zum Sanktnimmerleinstag an jeder Gaby, die blöd genug ist, dies zuzulassen. Dankenswerterweise kommt auch die blondeste Blondine irgendwann dahinter, wie frau Froschschenkel tatsächlich genießen kann: In leichter Weißweinsoße nämlich und mit einem eisgekühlten Glas Chardonnay.

Liebe Gaby, so sehen sie aus. Die nackten Tatsachen. Und ja, du darfst diesen Blog doof finden. Niemand ist verpflichtet, auf meiner Seite herumzulungern und manche können mit der „Bild der Frau“ nun mal mehr anfangen.

Herzlicht Pauline

Leben ist das, was passiert …


während wir andere Pläne machen. Wer das gesagt hat, weiß ich nicht, aber derjenige wusste, wovon er sprach.

Egal wo wir Mädels zusammenkommen, ist der Impfstatus dankenswerterweise nie ein Thema. Denn was uns ausmacht, ist ungefährdet von dem halboffiziellen Aufruf zu Hetzte und Diskriminierung. Wenn wir uns treffen, dann geht es um Themen, die nicht die Welt, aber uns bewegen. Es sind unsere Herzensangelegenheiten, die immer wieder unsere Gemüter bewegen und unsere Mädelstreffen mit Leben erfüllen. Neulich machte eine von uns Treue zum Thema.

Uff…


Das ist ein gefährliches und unendlich weites Minenfeld, wie ich finde. Natürlich gibt es so manche brave Ehefrau, die empört für ihren Goldschatz die Hand ins Feuer legen würde. Und für sich selber sowieso! Doch wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir zugeben, dass keine von uns genau wissen kann, was in dem Prinzenfrosch an ihrer Seite vor geht. Welche Bedürfnisse, Sehnsüchte, Ängste und Träume hat er, die sie nicht kennt? Nur wenn eine Beziehung wirklich, wirklich gut ist, hat eine dritte Person darin keinen Platz. Und an dieser Stelle beginnt das Dilemma. Denn während Einer von Zweien die gelebte Partnerschaft wohlig seufzend für perfekt befindet, oder wenigstens die Augen vor Liebe zufitzt, kann es durchaus sein, dass Teilnehmer Nummer Zwei dieselbe Lage ganz anders einstufen würde.
Und dann?
… Ist guter Rat auf jeden Fall teuer und es ist ein Segen, in diesem Fall Freunde zu haben, die vielleicht keinen Rat, dafür aber offene Ohren, breite Schultern und unbegrenzte Mengen an Chardonnay haben.


Im klassischen Fall hat ein Beziehungsteilnehmer eine Affäre. Der Schuft. Der andere Teilnehmer jener Beziehung bekommt Wind davon. Und nun? Abschießen den gemeinen Schuft, den untreuen Verräter, der unser Vertrauen missbraucht und unsere Liebe verraten hat! Dies ist die konsequenteste und möglicherweise ehrlichste Maßnahme. Vorausgesetzt, unsere Wertvorstellungen gehen in die Richtung, dass wir für alle Zeit dem Anderen gehören. Und dann sind da ja noch die vielen unbestreitbaren Eigenschaften, die ihn für uns so einzigartig und liebenswert machen…
Auch die weniger Besitzergreifenden unter uns werden an dieser Stelle hörbar Luft holen, denn Untreue an sich mag ein Ding sein, mit dem wir durchaus fertig werden. Vielleicht. Schließlich ist der Andere ja nicht unser Eigentum. Aber was ist mit dem Gefühl, hintergangen worden zu sein? Wie kommt Teilnehmer Nummer Eins mit dem Vertrauensbruch klar? Oder mit der Frage, wie es dazu kam? Gibt es einen Unterschied zwischen einmal und mehrmals? Und was erzählt Teilnehmer Nummer Zwei eigentlich der Zweitbesetzung, wieso er bei ihr und nicht bei seiner Nummer Eins ist?

Manchmal findet sich Eine von uns auch selber in der Rolle der Zweitbesetzung wieder. Sind wir deshalb schlechtere Menschen? Verachtenswert? Möglicherweise sind wir in einer Liebe gefangen, in der uns scheinbar glaubhaft versichert wird, dass wir die Beste sind, während unsere Liebe entgegen dieser Beteuerung zuverlässig zu der Anderen zurück geht? Manchmal sind wir nun mal blauäugig. Oder blond. Oder beides?

Möglicherweise sind wir selber der Teil einer Beziehung, der den anderen hintergeht. Warum machen wir das? Was bringt uns dazu, den Anderen zu betrügen? Lieben wir den anderen nicht mehr? Wollen wir verletzen? Macht demonstrieren? Unseren eigenen Wert erhöhen?

Egal wer nun mit wem und wieso. Solche Ereignisse sind immer persönlich und hinterlassen große Wunden und viel Schmerz bei den Beteiligten. Da teilen wir auch gerne mal aus. Schlagen zurück. Wollen, dass der Betrogene auch erfährt, dass sein Liebster eigentlich nicht ihn, sondern uns liebt. Und Hand aufs Herz: Welche von uns Mädels hat nicht schon mal irgendwann einen anderen Menschen wegen genau eines solchen Dramas mit einem fetten Fluch belegt? Dieses Vorgehen erscheint legitim, weil der Gedanke an Rache Macht verleiht und heilsam ist.

Doch Vorsicht Leute: Alles was wir aussenden, kommt zu uns zurück. Immer. Und einen Fluch, der einmal ausgesprochen wurde, kann man nicht zurücknehmen. Frau übrigens auch nicht. Im Gegenteil, auch hier scheint Karma zu wirken. Vielleicht kann hier wie so oft im Leben schlichte Kommunikation von Nutzen sein. Und zwar vor allem mit uns selber. Manchmal kommt man nämlich nicht drum herum, sich selber zu fragen: „Wer bin ich eigentlich?“ Oder: „Was will ich eigentlich?“ Und: „Will ich das eigentlich? “ Wir sollten uns Zeit nehmen und uns selber gut zuhören. Denn die schlichte Wahrheit ist, dass nichts ohne Grund passiert…

Antworten auf derlei Fragen zu finden, sind übrigens in jeder Lebenslage wichtig, um die Richtung zu überprüfen. Denn nichts läuft weniger wie geplant, als das Leben.

Bis die Tage,

Pauline

Die Festtagstafel


Es war einmal ein Mann, der hatte zwei Töchter. An jedem Weihnachtsfest deckte er eine Tafel mit feinstem Porzellan, dass er über die Jahre liebevoll zusammengetragen hatte. Es war sein Wunsch, die Familie zusammenzuhalten. Er nahm seinen Töchtern das Versprechen ab, diese Tradition fortzuführen, sollte er einmal nicht mehr da sein. Sie sollten abwechselnd Weihnachten ausrichten und der Tradition entsprechend den Festtagstisch decken. Er wollte, dass sie achtsam miteinander umgehen und füreinander da sind…

Ein wunderschönes Ritual, wie ich finde. Eines, dass im tatsächlichen, wie im übertragenen Sinn beispielhaft ist.

Versuchen wir, achtsam miteinander umzugehen und füreinander da sein. Lasst uns dankbar sein für Jene, die an unserem Festtagstisch und damit in unserem Leben sind. Sie sind genau da, wo sie sein und dort, wo wir sie haben wollen. Versuchen wie endlich, Jene in Liebe loszulassen, die in unserem Leben nicht sein wollen und verzeihen wir denen, die aus unserem Zug des Lebens ausgestiegen sind. Üben wir uns darin, denen zu vergeben, die uns Schmerz zugefügt haben, denn möglicherweise leiden sie mehr als wir.

Möge die gemeine Gutmenschin, während sie im Handyspiegel den grellen Lippenstift nachzieht, erleuchtet werden von der Erkenntnis, dass es viele Wahrheiten gibt und kaum eine davon falsch ist.

Versuchen wir, der Gaby, die in jeder von uns ein bisschen wohnt, mit Mitgefühl zu begegnen und wünschen wir den Kikis, Blondis und Lottas, die unser Leben bereichern, dass sie gesund, glücklich und unsere Mädels bleiben. Hoffen wir darauf, dass der Frosch in unserem Leben mehr vom Prinzen als vom Lurch in sich hat und dass es sich lohnt, an die Liebe zu glauben. Trotz allem. Oder gerade weil…

Ihr Schätze, in diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein frohes gesegnetes Fest. Bleibt ganz bei Euch und den Lieben an Eurem Festtagstisch.

Alles Liebe, Pauline

Der Nächste (Lockdown) bitte…


Ich liebe Weihnachten und freue mich all die Jahre wieder auf die stille Zeit. Es ist die Zeit, wo das Leben irgendwie friedlicher verläuft. Langsamer. Eben besinnlich.

Aber wenn ich ehrlich bin, komme ich nicht umhin zuzugeben, dass in diesem Jahr alles anders ist. Keine Spur von besinnlichem Frieden. Obwohl ich alles getan habe, um mich von dem Irrsinn fernzuhalten, der unser aller Alltag geworden ist, muss ich zugeben, dass mein kleiner innerer Frieden dahin ist, seit ich am Samstag Abend in der Zeitung lesen musste, dass das Land Thüringen die Coronaschutzverordnung nochmals verschärft. Demnach dürfen sich nur noch zwei Geimpfte treffen, sobald eine dritte Person keinen Impfstatus nachweisen kann. Auch wenn das absolut gegen meinen gewöhnlichen Umgangston verstößt, komme ich nicht umhin zuzugeben, dass ich mich verscheißert fühle. Und zwar gewaltig!

Mag sein, dass alles, was um uns herum passiert, einen bestimmten Sinn verfolgt, mir jedoch erschließt er sich nicht.
Wenn ich an die Adventszeit vor einem Jahr zurückdenke, dann erscheint mir der Irrsinn von damals gar flauschig verglichen mit dem Wahnsinn, der heute als politisch korrekt und überlebensnotwendig gilt.
Ich erinnere mich mit Druckgefühl im Magen an den Advent im letzten Jahr:

Weihnachtsmarkt: Fehlanzeige. Dafür Lockdown Nummer Zwei. Und je nach Einstellung zitterte man vor Angst vor dem bösen C oder aus Ärger über die aktuellste Coronaschutzverordnung, die über die Feiertage Begegnungen von fünf Personen so eben noch duldete. All das wegen der vulnerablen Bevölkerungsschichten, die besonders zu schützen waren. Und mit Blick auf volle Krankenhäuser. Wenn der Impfstoff erst da sei, wird alles besser, versprach man uns vollmundig.


Heute, ein Jahr später haben wir einen Impfstoff, 2G Zwang, Boosterwahnsinn, Impfdurchbrüche, und ganz frisch die Omikronvariante. Und immer noch volle Krankenhäuser. Und Diskriminierung, Maßregelungen, Ausgrenzung, Denunziation gegenüber Andersdenkenden noch obendrein. Weihnachtsmarkt? Wieder Fehlanzeige. Dafür kommt nach Weihnachten sozusagen Lockdown Nummer Drei.

Und an all dem sollen die Ungeimpften schuld sein. So verkündet es die Regierung immer wieder. Erst die alte und nun lernen wir, dass die neugewählten Besen auch nicht besser kehren, als ihre ollen Vorgänger. Gute Bürger sind in diesen Tagen mindestens zweimal geimpft und stehen geduldig nach der Boosterimpfung an, damit Regierungs die 30 Millionen schaffen, auch wenn es Impfstoffengpässe gibt. Trotzdem geht unter Vielen die Angst um, sich dennoch anzustecken.

Der Einzelhandel weint in diesen Tagen um das verlorene Weihnachtsgeschäft, während bei Zalando vermutlich derzeit nicht die Kundinnen, sondern die Buchhalter vor Glück schreien dürften. Vor diesem Hintergrund raffte ich mich gestern aus meinem persönlichen Lockdown auf und marschierte mit jungfräulichem Reinlichkeitszertifikat in Richtung Kaufhaus. Weihnachtsshopping geht für mich nicht online und Streicheleinheiten fürs geknickte Seelchen finden, schon gar nicht. Eine Stunde später und mehrere hundert Euro später war ich mir sicher, dass Shopping unter 2G Bedingungen eine Sportart ist, die ich ganz bestimmt nicht wiederholen werde. Im Ernst, es grenzt an alpinen Hochleistungssport, im Winteroutfit, mit Schal und diesem lebensnotwendigen Schnabeltier im Gesicht durch gut geheizte Geschäfte zu düsen. Die Brillengläser sind beschlagen und die Luft wird knapp. Haben Sie auch schon davon gehört, dass das Tragen von FFP2- Masken ursprünglich nur für zwei Stunden erlaubt war? Wegen der Schädlichkeit. Aber bestimmt ist das nur ein Gerücht…


Ich verstehe die Angst der Menschen, sich anzustecken und die Medien tun ja auch vorbildlich alles dafür, dass vor allem die Angst geboostert wird. Omikron wurde heute als „die vielleicht ansteckendste Virusvariante“ gehandelt, „die die Menschheit jemals gesehen hat“. Mal abgesehen davon, dass auch bei hohen Infektionszahlen in Südafrika (wo Omikron bekanntlich herkommt) fast ausschließlich leichte Verläufe verzeichnet werden. Aber ich frage mich mit inzwischen immer größeren Zweifeln, ob es jemals einen Impfstoff gab, der so wenig geleistet hat. Selbst die Flatterohrgehänge schwingende Gutmenschin, die gerade vor meinem inneren Auge mit erhobenem grellrotem Fingernagel auf mich Abtrünnige zeigt, müsste – sofern sie in der Lage ist, vor der eigenen Ladentür zu kehren – inzwischen merken, dass selbst geboosterte Menschen andere anstecken können. Inzwischen hat sich bestimmt bis zu ihr herumgesprochen, dass eine Vielzahl der viel beschworenen Beatmungsbetten mit Geimpften belegt sind. Kann es sein, dass auch die trölfte Boosterung nicht wirkt? Gegen Omikron übrigens schon gar nicht, denn am Impfstoff gegen diese Variante tüfteln die fleißigen Geldscheffler unter den Arzneimittelherstellern nämlich noch. Der steht dann bereit, wenn die nächste Boosterung ansteht, aber Omikron vermutlich über alle Berge ist.

Naja, das griechische Alphabet hat noch eine Menge Buchstaben.

Ich übertreibe? Vielleicht. Aber wenn ich mich richtig an ein gewisses Fachschulfach erinnere, war das mit den Viren so eine Sache: Je mehr man dagegen impft, umso mehr mutieren die scheußlichen kleinen Dinger. Das machen Viren nun mal so, um zu überleben. Aber was weiß ich schon. Der Expertenrat von Regierungs ruft inzwischen zum Bosstern nach drei Monaten auf und Neukanzler Scholz betet im Tonfall eines Anrufbeantworters die eben beschlossenen Maßnahmen herunter.

Für mich sieht es so aus, dass uns mit schöner Regelmäßigkeit die nächste Mutation als noch ansteckender und noch gefährlicher verkauft wird. Mit dem Ergebnis, zu erreichen, was Regierungs uns verkaufen wollen. Nämlich Impfstoff. Und bitte den aus Mainz. Der schützt zwar augenscheinlich eher wenig, aber wenn wir uns ganz fleißig boostern lassen, dann schützt er ein bisschen mehr. Vielleicht…

Wenn es wirklich um unsere Gesundheit geht, warum lässt man dann nicht sämtliche weltweit zur Verfügung stehenden Impfstoffe zu? Ich könnte mir vorstellen, dass viele der von Medien und Menschen verunglimpften Impfgegner freiwillig zur Nadel kommen würden. Wenn es wirklich ums Gemeinwohl ginge, warum weiß man auch nach zwei Jahren unter der Knute des bösen C nichts darüber, wie hoch ein Antikörperspiegels sein muss, um zuverlässig zu schützen?

Sei es drum. Lauterbachs Karlchen gaumste Samstag noch, dass trotz der bedrohlichen Lage vor Weihnachten kein Lockdown zu erwarten sei. Ich bin keineswegs eine von denen, die hinter jedem Busch einen Indianer vermuten, doch ich kam nicht umhin, spontan zu vermuten, dass Lockdown Nr. 3 spätestens Neujahr winkt. Und bingo!

Doch bei der Schlagzeile, dass Klopapier erheblich teurer werden soll, hab ich mich fast schon wieder in Sicherheit gefühlt. Klopapier hamstern. Haben wir doch letztes Jahr schon geübt. Können wir.

Schöne Sch… Ähm Fröhliche Weihnachten.


Nur ein Traum


Kein Thema bewegt unsere Gemüter so sehr wie die Liebe. Das war immer so und wird wohl immer so sein. Unabhängig vom Alter übrigens, denn…

… neulich wurde ich unfreiwillig Zeugin eines Gesprächs zwischen zwei Mädels, die deutlich älter waren als meine nicht mehr ganz taufrischen Gebeine. Und während ich innerlich schon aufatmend dachte: „Wie schön, es gibt für die Liebe also kein Verfallsdatum!“, kam ich nicht umhin, mich über Dame Nummer Eins, ich glaube, dass sie Uschi hieß, zu wundern: Die hatte sich nämlich verliebt. Also nicht vorgestern oder so. Nein, das ganze Dilemma begann schon vor Jahren. Der andere Teil ihrer Liebe war wohl nicht ganz so verliebt wie Uschi, denn er ging nicht mit ihr, dafür aber immer mal wieder mit einer anderen Frau eine Beziehung ein. Nun war es nicht so, dass er diese vor Uschi verschwiegen hatte, doch Uschi harrte aus und so kam es, dass ihr Held zwischen seinen Partnerschaften bei Uschi vorbei schaute…

An dieser Stelle kam ich nicht umhin festzustellen, dass es tatsächlich erwachsene Frauen gibt, die sich so etwas bieten lassen! Und ich dachte, nur unerfahrene Teenager kommen in solche Situationen. Ich behaupte, dass jede von uns schon mal in einer Sackgasse gelandet ist, wenn es um große Gefühle geht. Aber über Jahre? Immer wieder? Vielleicht bis heute?

Nehmen wir einmal an, Uschis Prinz besucht sie tatsächlich immer noch, wenn sich die Gelegenheit bietet. Haben die Beiden dann einander nicht von Herzen verdient? Weiter kam ich mit diesem Gedanken nicht, denn Uschi gestand Dame Nummer Zwei, dass der Kerl ihres Wissens nach liiert sei. „So was!“, dachte ich verwundert. Wenn ich die andere Frau wäre, dann würde ich Uschi den Prinzen von Herzen gerne überlassen, denn ich habe noch nie gerne geteilt.

Los Uschi, hol dir, was du seit Jahren haben willst! Vielleicht standen die Chancen nie so gut wie heute. Mach dir keine Gedanken darüber, dass der Mann, von dem du träumst, mit dir auch früher schon keine ernsthafte Partnerschaft eingehen wollte. Du hast zugelassen, dass du seine Zweitbesetzung bleibst. Das zahlt sich aus. Ganz sicher. Du bist die Beste!

Ich bin erleichtert aufgewacht und schickte dankbare Gedanken ans Universum, denn ich bin sicher, dass jede Frau ihren Wert kennt. Nichts, aber auch gar nichts ist für die Ewigkeit. Die Liebe nicht und auch nicht der Schmerz.

Alles Liebe, Pauline

Wir sind alle ein bisschen Gaby


Wenn eine von den Mädels Sorgen hat, sind wir da. Immer. So kam es, dass wir neulich auf einen Glühwein zusammen gekommen sind…

Kiki hatte sich verliebt! Es passierte ganz klassisch im Supermarkt. Wursttheke. Hach ja. Wie originell!

Er lud sie zu einem Kaffee am Backstand gleich nebenan ein. Man trank einen Kaffee to go und tauschte die Nummern aus. „Perfekt! Ein Mann, der genau weiß, was er will!“, seufzte das Engelchen auf meiner Schulter, während das Teufelchen auf der anderen Schulter böse motzte: „Schnauze! Warte ab, wie es weitergeht!“ Tatsächlich war nicht zu übersehen, dass die kleine Kiki alles andere als liebestaumelig war. Ich versorgte sie schnell mit heißem Glühwein und lauschte atemlos und in dunkler Vorahnung der Geschichte, die jetzt kam:

Man sah sich wieder. Mehrmals. Trotz Arbeitsalltag, voller Terminkalender und anderer Spagate, zu denen wir durchaus in der Lage sind, wenn wir etwas unbedingt wollen. Es schien, als hätte sich hier ein ganz besonderes Duo gefunden. Seelenverwandte? So weit würde nicht mal Kiki gehen, denn wer möchte schon einen Partner aus der Verwandtschaft? Gleichgesinnte? Diese Bezeichnung klang in Kikis verliebten Ohren viel zu sachlich. Ich dachte unwillkürlich an Platons Geschichte vom Kugelmenschen, der von Neid und Zorn von Gottvater Zeus heimgesucht in zwei Teile gespalten wurde und seitdem nach

dem anderen Menschen sucht, mit dem zusammen er wieder zur kugeligen Einheit wird.

Dabei spielte es gar keine Rolle, wie Kiki die Beziehung zu ihrer großen Liebe beschreiben würde. Denn obwohl die Turteltauben viel Zeit miteinander verbrachten, kam Kiki schon wenige Wochen später nicht mehr drum herum, zu bemerken, dass der Liebste sich zurückzog. Die Treffen wurden seltener, die Nachrichten spärlicher. Aber es war wunderschön, wann immer sie zusammen waren. Deshalb wollte Kiki den Liebsten auch nicht mit den Fragen bedrängen, die sich ihr aufdrängten. Warum machte er sich so rar, obwohl er doch immer wieder bestätigte, dass er nie so gut geschlafen hatte, wie bei ihr, nie so herzhaft gelacht hatte, wie mit ihr, oder die Zeit niemals so im Flug verging, wie die Stunden, die sie zusammen verbrachten? Aber wenn er aus ihrer Tür ging, schien es, als entfernte er sich jedes Mal ein bisschen weiter von ihr und es dauerte immer ein bisschen länger bis zum nächsten Treffen. Warum schrieb er nicht ab und an wenigstens eine Nachricht, dass er an sie dachte? Lotta, die bisher schweigend zugehört hatte, nuschelte: „Wenn der Typ am Anfang einer Beziehung schon nicht die Zeit findet, sich wenigstens hin und wieder mal zu melden, wie gleichgültig wird das werden, wenn mal die ganz große Verliebtheit durch ist?“ Auch ich war der Meinung, dass sie auf ihren Bauch hören sollte: Wenn sie Bauchschmerzen hatte, sollte sie herausfinden wieso!

Und das tat Kiki auch. Sie schluckte ihren Stolz herunter und sprach mit dem Liebsten über ihre Ängste. Fragte nach seinen Motiven, dem Stand ihrer Beziehung und bekam neben den Antworten, die sie bekam eigentlich keine Antwort. Es wurde ein Gestammel aus Erklärungen, die er vielleicht selber verstand, vielleicht aber auch nicht. Denn er fand es so sensationell schön, mit ihr zusammen zu sein. Aber er plante für das kommende Jahr eine Weltreise und wollte ihre Nähe nicht, denn würde er die zulassen, dann müsste er auch die Gefühle zulassen. Und das wollte er nicht, schließlich lag die letzte Beziehung noch nicht lange zurück und er fing doch eben erst wieder mit dem Dating an. Und dann war da auch noch die beste Freundin. Die, mit der er ganz zwanglos mal ein Wochenende verbringen konnte.
Mir wurde augenblicklich schlecht. Alte Gefühle kamen hoch und ich schmeckte wieder die hoffnungslose Verzweiflung von damals, als ein anderer mir mit anderen Worten dasselbe gesagt hat.
Da war die Sicherheitsvariante. Die, von der er behauptet hat, sie nicht zu lieben. Dieselbe Frau, die kurz darauf bei ihm eingezogen ist. In dasselbe Haus, vor dem er nur Wochen vorher mich fragte, ob ich dort mit ihm wohnen wollte…
Ich spülte den miesen Geschmack großzügig mit weißem Glühwein hinunter, bevor ich die kleine Kiki in die Arme nahm. Sollte sie weinen, soviel wie raus musste. Es war nicht ihre Schuld, dass sie für den Mann, der ihre Gefühle zu erwidern schien, plötzlich nur noch eine Option war. Sie konnte nichts dafür, dass ihm möglicherweise seine Umwelt klar gemacht hat, was er ihretwegen vielleicht aufgeben würde.


Niemand kann wissen, welchen Kampf der Typ in unserem Herzen gerade kämpft. Aber ganz sicher triggert immer irgendwer den unsicheren Frosch mit Fakten, die ihn infrage stellen lassen, ob wir wirklich das sind, was er will. Und falls ja, stellt er sich spätestens jetzt die Frage, ob der Zeitpunkt stimmt?

Und schwupps… Schalter umgelegt.

Kiki schnüffelte laut, schlürfte einen großen Schluck von dem inzwischen eiskalten Glühwein und schniefte: „Ich glaube ihm das nicht. Warum sonst hat er mich seinen Freunden vorstellen wollen? Ich lasse ihm Zeit. Er kommt schon wieder. „

Uns allen war klar, dass es keinen Sinn hatte, Kiki von diesem Holzweg wegzuführen. Es nützte absolut nichts, ihr zu verklickern, dass jemand, der sich nicht entscheiden kann, sich bereits entschieden hat. Nämlich für etwas anderes. Natürlich wird der Lurch in Kikis Leben deren Gesellschaft auch weiterhin sehr genießen. Warum auch nicht? Er bekommt alles, was er will und zwar ohne jede Verpflichtung! Er hat ihr ja gesagt, dass er keine Gefühle hat.

Männer scheinen wirklich so zu ticken! Denn wann immer es um Geschichten dieser Art geht, blickt frau in ratlose männliche Mienen. MC erzählte mir irgendwann mal von Gaby, mit der ihn eine mehrjährige Freundschaft plus verbunden hat. Ich hörte ihm interessiert und erstaunt zu, denn es war eine ganz neue Erfahrung, eine männliche Sichtweise zu einer Geschichte zu hören, die eine Frau ganz sicher völlig anders beschrieben hätte. Ich gestehe, dass auch ich eindeutig im Team Gaby spielte. MC guckte mich aus unschuldig blauen Blitzeaugen an und sagte: „Ich habe sie nie belogen. Gaby wusste immer, dass ich keine Gefühle für sie habe.“ Da hatte er zweifellos Recht. Die Wahrheit ist aber in den allermeisten Fällen, dass Frauen dem, den sie lieben, alles verzeihen. Vermutlich vergaß Gaby in Null- Komma- Nix die Nächte, in denen sie vergeblich auf eine Nachricht von ihm gewartet hat, sobald er sie um das nächste Treffen bat. Klar hatte der Kerl ihr gesagt, dass er sie nicht liebte. Aber wir Mädels übersetzen das gerne so: „Ha, wenn er mich nicht lieben würde, dann hätten wir doch nicht seit zwei Jahren diese Beziehung! Er ist halt durch die letzte Beziehung geschädigt, aber ich bin doch ganz anders. Wenn ich ihm alle Freiheiten lasse, nicht klammere und nie herumzicke, dann wird er schon merken, dass ich die Richtige bin.“ Wenn Frauen lieben, dann finden sie Erklärungen, warum er tut, was er macht. Wir haben Verständnis für alles, was ihn zum Lurchen degradiert und verlieren das Allerwichtigste aus den Augen: Nämlich uns.

Liebe macht matschig in der Birne. Dabei ist es so einfach: Wenn es um Herzensangelegenheiten geht, dann gibt es nur ja oder nein. Die Zeiten, als wir Zettelchen mit: „Willst du mit mir gehen? Ja/Nein/ Vielleicht“ an unseren Schwarm geschickt haben, sind vorbei. Wir sind erwachsen geworden und müssen endlich lernen, dass Jein nicht zur Liebe passt.

MC jedenfalls hat Gaby angerufen. Und tatsächlich: Als er damals einen konsequenten Schlussstrich gezogen, ihre Nummer gelöscht und ihr den Grund für seine Entscheidung erklärt hat, fiel Gaby sozusagen aus allen Wolken und landete in einem tiefen schwarzen Loch.


Geschichten wie diese passieren jeden Tag und keiner wird je dahinter kommen, warum das so ist. Die These, dass Männer in der Grundschule ein Fach belegen, indem sie lernen, wie sie möglichst viele Herzen brechen, ist mir zu billig. Man könnte sich genauso fragen, wieso Frauen das mit sich machen lassen? Was ist unsere Entschuldigung dafür, dass wir nicht riechen, was da stinkt, sobald der Lurch uns von Kummer aus seiner Vergangenheit erzählt, die nicht unsere, sondern allein seine Angelegenheit ist? Was läuft bei uns Frauen falsch, dass jede Einzelne von uns irgendwann in ihrem Leben den einen Menschen begegnet, den sie mehr liebt, als sich selber? Sind wir nicht alle ein bisschen Gaby?