Systemische Seile, innere Kinder und die X- Akten


xyz 032Neulich zu Besuch bei Sarah Connor…

„… ich glaub ich muss sterben. Nein mein Schatz, das wirst du nicht. Es ist nur Liebe… Ich weiß es tut beschissen weh, doch das geht vorbei, du wirst schon sehen…“

Wer vielleicht nicht ganz überzeugt gewesen ist, ob Frau Connor mit dieser Tournee an ihre „Muttersprache“ anschließen konnte, den hatte sie spätestens bei „Vincent“. Es gab ganz bestimmt niemanden in der viel zu vollen Messehalle, der sich nicht angesprochen fühlte, nicht mitgerissen wurde, nicht überwältigt war.

Wir alle verstecken sie irgendwo tief in uns drin: Die ganz private „Cold Case“- die Vergangenheit mit den ungelösten X-Akten. Wir wissen ganz genau, wie hilflos  Liebe macht, wie klein und machtlos wir einmal gewesen sind. Ausgeliefert. Handlungsunfähig. Niemand vergisst jemals, wie furchtbar ein gebrochenes Herz schmerzt. Und jeder weiß, wie lange es dauern kann, bis es heilt. Im schlimmsten Fall ein Leben lang.

Erfahrungen die wir keinesfalls zu wiederholen gedenken. Also sind nennenswerte Gefühle für lange Zeit kein Thema. Bis uns aufgeht, wie seicht unser Dasein geworden ist. Keine Höhen. Keine Tiefen. Vorhersehbar. Nett.

Soll das alles gewesen sein? Echt jetzt?

Das Leben ist viel zu schön, um sich ewig mit der Vergangenheit zu befassen. Also schnüren wir das Paket mit unseren X Akten, packen es in eine Kiste versenken diese in der Dunkelheit. Uns begegnet der Mensch, der es wirklich wert ist und wir schaffen es, uns einzulassen. Zuzulassen. Und doch können wir nicht verhindern, dass uns der Geist von damals ab und an und immer mal wieder erscheint. Sehr gerne im Traum. Uns sozusagen aus der Dunkelheit zuwinkt. Uns an den Schmerz erinnert. Angst schürt.

Die Spirituellen unter uns behaupten, dass jeder der uns so tief im Inneren erreicht hat, wie wir ihn, auf einer unbewussten Ebene mit unserem System verbunden bleibt.       Was soll das? Wie geht das? Der Geist soll in seiner Unterwelt modern. Nicht umsonst haben wir ihn in unserem Schmerz einst in die“ kalte Kiste“ verdammt, damit er dort bis in alle Ewigkeit leiden möge. Die Kiste haben wir verschnürt und versenkt. Wie kann es also sein, dass …

… Viel viel später dämmert uns die Erkenntnis, dass die Versenkung besagter X – Akten noch lange nicht heißt, dass wir sie auch bearbeitet haben…

Die Systemiker erklären es ganz schlicht: Die Verbindungen, die wir zu den Menschen in unserem Leben aufbauen, sind wie Seile. Zieht einer, wackelt der andere. Das geht rum wie num und passiert keineswegs bewusst. Ein schönes Gezerre der inneren Kinder… „Nichts leichter als das!“, meint der Erwachsene, der wir sind: „Lassen wir das Seil los und Ruhe ist.“

Ah jaaaaa…

… Da taucht sie wieder auf: Die versenkte Kiste mit den Altlasten, die in irgendwelchen dunklen Tiefen unseres Unterbewusstseins liegt und deren Schwere wir manchmal wie einen Strick spüren, der uns in die Tiefe zu zerren droht. Der fühlende Teil von uns – unser inneres Kind – lebt jedes der Gefühle von damals noch immer. Unsere  X- Akten sind der Teil von uns, der das Seil festhält, das uns an damals bindet. Der Aktenberg, den das denkende Ich verleugnet.

Bis wir irgendwann dahinter kommen, dass wir mit der Versenkung unserer X- Akten einen Teil von uns selbst verleugnen. Und wir begreifen ganz allmählich, dass Loslassen viel mit Vergebung zu tun hat. Vor allem uns selber. Dafür, dass wir menschlich sind. Und der andere auch. Dafür dass es Momente gibt, in denen Liebe uns fliegen lässt und uns hilflos macht. Dass wir naiv sind. Wir können lernen, uns selber zu vergeben, dass die Angst uns manchmal lähmt. Uns ausreißen lässt. Dass wir leiden. Traurig sind.

Das Kind in uns steht für jedes Gefühl, zu dem wir fähig sind. Es wünscht sich nichts sehnlicher, als von unserem erwachsenen Ich angenommen zu werden und zu erfahren, dass jedes dieser Gefühle in Ordnung ist und sein darf.  Möglicherweise wird uns bewusst, dass unsere Schwächen auch Stärken sind. Unsere X- Akten müssen wir nicht ungelöst und voller Scham verstecken. Wir können sie ebenso gut als Teil von uns anerkennen, der uns zu dem macht, der wir sind. Dem Geist von damals können wir dankbar zurückwinken. Und endlich loslassen.

Ich trage dein Herz… oder Zum Geburtstag


Terminal 2(Illustration: Saskia Jarosch)

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass Menschen in unser Leben kommen und selten für immer bleiben. Und wie jeder andere weiß ich, dass manche von ihnen Spuren in unserer Seele hinterlassen, die uns für immer verändern. Wenn man sich verliebt, glaubt man ganz fest daran, dass dieses Gefühl für immer bleibt. Trotz aller gegensätzlicher Erfahrungen. Oder gerade weil.

Der amerikanische Schriftsteller Edward Estling Cummings schrieb1952 das Liebesgedicht „Ich trage dein Herz…“ und beschreibt damit das Gefühl der ganz großen Liebe. Ein Gedicht, dass kaum jemanden von uns unbewegt zurück lässt. Die Verliebten jubeln innerlich vielleicht, denn sie erleben ja gerade ein Gefühl von „Ich trage dein Herz…“.

Andere … nun ja, lassen wir das.

Und dann halten wir unser Kind zum ersten Mal in den Armen. Und fühlen die ganze Macht der ganz großen Liebe zu diesen drei Kilo. Bedingungslos. Und tatsächlich für immer.

Die Zeit, in der wir Rotznäschen abwischen, den Schmerz des aufgeschlagenen Knies wegpusten und das Monster unter dem Bett verjagen können, geht rasend schnell vorbei und wird abgelöst von Fröschen und Prinzen im Leben des Kindes, dass nun selber die Erfahrung macht, dass manche Begegnung Spuren in der Seele hinterlässt. Wir erleben als Zuschauer den Kampf des Kindes um große Träume. Die Tränen des Nachwuchses drohen unser Herz brechen zu lassen und wir erkennen, was es heißt, loszulassen.

Irgendwann bemerken wir staunend und stolz, dass unser Kind allein gehen kann. Dass es Rückgrat hat.

Sei glücklich mein Kind. Mögest du deinem Herzen folgen können, wohin du auch gehst.    

„Ich trage dein Herz. Ich trage es in meinem Herzen.“

 

Alles Liebe,

Pauline

 

Unterwegs mit Detlef Knauxel


IMG-20190927-WA0335Wie die meisten Leute freue ich mich alle Jahre wieder auf den wohlverdienten Urlaub. So packte auch ich all die Jahre wieder meine schönen Kleidchen zu Badeanzug und Co.  und verdrückte mich mit dem nächsten Flieger in Richtung Sonnenschein. Pauschalurlaub all inclusive. So wie alle anderen auch.

Eines Tages wachte mein Hirn in einem Horrorszenario auf, welches sich glücklicherweise nur dort zugetragen hat: Ich lag, apathisch von der Hitze der türkischen Riviera im viel zu warmen ufernahen Wasser und döste vor mich hin. Um mich herum im Wasser trieben unzählige Körper, während sich im heißen Sand unmittelbar hinter mir Berge von Badelatschen türmten. So ähnlich könnte der Strand auch nach einem Flugzeugabsturz  oder einer Schiffskatastrophe aussehen.

Schlagartig  war ich hellwach. Ich raffte das viel zu große, petrolfarbene Männerhemd, mit dem ich meine Haut sowohl vor der Hitze, als auch vor den lüsternen Blicken einheimischer Männer zu schützen versuchte,  um die Brust und schaute mich um. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich so nie wieder reisen wollte. Wann war ich dem allgemeinen Trend erlegen, mich zwischen Frühstück und Allinclusiveabendfrissdichdummbuffet zum Strand zu schleppen, um Hirn und Haut in der Sonne schrumpeln zu lassen? Es ist völlig in Ordnung, dass für viele meiner Mitmenschen ein Traumurlaub genau so aussieht. Aber mein Geist verlangt nach anderem Futter!

Der Weltreisende Christopher Many sagte einmal: „Auf Reisen ist jeder Tag wie Weihnachten.“ Leute wie ich bewundern Leute wie ihn. Von Freiheit und Abenteuer träumen viele. Doch alles hinter sich zu lassen, um wirklich frei zu sein, ohne zurückzuschauen loszumarschieren, was bedeutet das für einen selber? Wie frei kann ein Mensch sein? Eine Frage, die ich mir selber ab und zu stelle.

Lassen wir das…

Trotz meiner ambivalenten Gefühle zum Thema ist und bleibt es ein sehr interessantes. Die Umrundung der Welt ist derzeit kein Thema für mich. Vor allem deshalb, weil sie nicht wie in Jules Vernes Abenteuerroman in achtzig Tagen zu bewältigen ist und ich an dieser Stelle ehrlich gestehe, dass ich meine Scholle liebe. Dennoch war ich in den letzten Jahren viel unterwegs. Eine unbedeutende Gemeinsamkeit scheine ich dennoch mit dem Weltenbummler Christopher Many gemeinsam zu haben: Ich verschwende wenig Zeit mit Planung und Organisation. Schließlich bin ich ein Mädchen! Ich habe meinen Kleiderschrank um diverse Bekleidung mit- und ohne Tigerpfoten aufgepimt, meine schicken Schuhe mussten zusammenrücken, um klobigen Wanderkollegen Platz zu machen und ich habe mich widerstrebend mit diversen Reisekartenapps angefreundet. Aber meine Reiserouten wähle ich noch immer liebsten nach dem Prinzip „Ich drehe den Globus und dahin, wo mein Finger landet, möchte ich reisen“.

So bin ich – weit weg von Reisegruppen aller Art – nachts durch römische Katakomben gestromert, habe mit nackten Füßen um Mitternacht an der alten Mole in Warnemünde Prosecco aus grünen Büchsen geschlürft und irgendwo auf Zypern kapiert, dass die innere Reise tatsächlich eine Kunst ist.

Ich gebe zu, gemessen an den Reiserouten echter Globetrotter sind das alles keine großen Dinge. Aber sie haben mir gezeigt, dass es jenseits jeder Pauschalreise eine Welt gibt, die neugierig und so viel Lust auf das Leben macht, dass ich mitunter Angst bekomme, ein Leben könnte nicht genug sein, um all das zu sehen, was der Globus mir zu bieten hat.

Als MC auf seiner Boxer in mein Leben gebrummt ist, wurde Reisen für uns zur ganz neuen Herausforderung. Denn während ich meist mit Flieger oder Bahn von A nach B komme, hat er mit dem Motorrad Orte auf der Welt bereist, von deren Existenz ich bestenfalls eine vage Ahnung habe. Mein ehrfürchtiges Staunen kann er nicht nachvollziehen, denn er findet, dass nichts leichter ist, als sich aufs Motorrad zu setzen und loszufahren.

Da war er wieder: Mein Frosch im Hals. Mein alter Freund Konfuzius hat vor gefühlten tausend Jahren schon mahnend gesagt: „Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.“ Menschen wie MC tun genau das: Sie lassen alles hinter sich und leben dafür, unterwegs zu sein. Ohne zurückzuschauen. Ein Preis, den zu zahlen ich noch immer nicht bereit bin.

Natürlich bastelt MC weiter an der Erfüllung seiner Träume. Aber im „Hier“ und „Jetzt“ liegt möglicherweise unsere Aufgabe darin, gemeinsame Reisemöglichkeiten zu testen. Zu diesem Zweck haben wir für unsere diesjährige Reise Detlef Knauxel, einen betagten Wohnhänger, ins Reiseteam geholt. Der Kerl war innerhalb kürzester Zeit von spießig- muffigen Gardinen und dem Staub seines langen Aufenthaltes auf dem Altenteil befreit und mehr als bereit für unsere Reise durch die Bretagne.

Was mit dem Klops namens Detlef Knauxel am Haken in Deutschland noch langweiliges Tuckern war, wurde direkt hinter Saarbrücken zum interessanten Abenteuer. Die diensthabende Navigationsassistentin namens Justine Schachtschnabel scheint eine Freundin französischer Kleinststädte zu sein. Sie führte uns nämlich von der Normandie bis zur spanischen Grenze konsequent durch jedes Städtchen, das über einen dieser wunderschönen verschlafenen mittelalterlichen Stadtkerne verfügt. In Frankreich gibt es unzählige solcher Städtchen und noch mehr winzige Kleinstkreisverkehre, durch die MC uns tapfer lenkte, während unsere zehn Meter lange Fuhre in jedem Kreisverkehr fröhlich knauxelte.

Ich bitte an dieser Stelle bretonische Kleinstädter dafür um Verzeihung, dass wir die CO2- Belastung der Region mit unserer Fuhre nicht gerade verringert haben, komme aber auch nicht drum herum, mich zu fragen, wie der Mensch sich denn möglichst umweltbelastungsarm auf Reisen machen kann? Eine Freundin von mir ist in diesem Jahr zu Fuß nach Santiago de Compostela gepilgert, ein Bekannter per Fahrrad in den Iran. Auch Anstrengungen dieser Art hinterlassen eine Menge CO2 …

Unser erstes Ziel liegt meinen Recherchen nach gerade noch so in der Normandie und ist dieses mystische Postkartenidyll namens „Le Mont Saint Michel“: Es war einmal ein Felsen namens Mont Tombe irgendwo im Wald von Scissy. Der galt einst bei den alten Kelten als Zentrum druidischer Rituale. Dann kamen die Christen. Und das Meer. Das Meer vertrieb den Wald und die Christen vertrieben die Kelten. Aus dieser zweifelsohne sehr leidvollen Entwicklung ist etwas Einzigartiges zurückgeblieben. Ich war gefangen von diesem beeindruckenden Bauwerk, dass sich da aus dem Meer erhebt. Das Kloster Sant Michel. Ich fragte mich ehrfürchtig, wie Menschen mit einfachsten technischen Mitteln ein Unternehmen solcher Größenordnung überhaupt bewerkstelligen konnten?

Respekteinflößend und irgendwie uneinnehmbar erschienen mir die dicken steinernen Mauern um St- Malo. Eigentlich wollten wir nur einmal diese riesige Anlage abwandern, doch dann faszinierte uns der Blick auf die zahlreichen Inselchen direkt vor unseren Nasen viel mehr. Wir nutzten die Ebbe und plantschten durch das Watt zur kleinen Insel „Petit Bè“. Wie die Kinder kraxelten über die felsige Insel und konnten uns nicht sattsehen an den Wundern des Wattenmeeres. Viel später fielen wir in der Festung ein und waren bereit für Kultur. Der betagte Franzose jenseits des Tores leider nicht. Er riet uns gestenreich zum Rückzug, falls wir nicht zum Festland zurückschwimmen wollten.

Also suchten wir für Detlef Knauxel einen Stell- und für uns einen Schlafplatz, hauten uns ein Steak auf den Grill und tranken dazu französischen Wein.

An einem anderen Tag tuckerten wir wie gewohnt mit Freund Detlef am Haken durch ungezählte Kreisverkehre in Richtung Cotè de Granit Rose und fanden einen kuscheligen Campingplatz direkt am Meer. Von dort aus unternahmen wir etliche Wanderungen entlang der zerklüfteten Küste aus rosa und braunen Felsen. Absoluter Höhepunkt unserer Ausflüge war wiederum ein Postkartenidyll namens „Le Gouffre“: Da stehen ein paar vereinzelte Häuserchen herum, die sich an die zerklüfteten Felsen zu schmiegen scheinen. Unwirklich schön…

Unbeschreiblich der Ausflug zum „Pointe du Chateau“. Wie klein ist der Mensch. Wie unbesiegbar der tosende Atlantik unterhalb der zerklüfteten Felsen.IMG-20190927-WA0649

Wir fuhren – bis obenhin voll mit wundervollen Erlebnissen – weiter die Atlantikküste entlang, als uns ein Bauchgefühl flüsterte, jetzt anhalten zu müssen. Nur ganz kurz. Für einen Spaziergang in der scheinbaren Unendlichkeit des Watts. Sonnenschein. Licht. Möwengeschrei. Weite. Kaum Menschen. Wunderbar beschreibt es nicht annähernd.

Nie habe ich mehr Leichtigkeit gefühlt, als in diesen ersten Stunden in St. Efflam. Frei, wie wir waren, haben wir entschieden, für ein Weilchen an diesem Ort zu bleiben. Und so wurden aus Stunden ganz spontan Tage. Tage, in denen wir uns mit leuchtenden Augen den Überraschungen hingegeben haben, die die Welt uns schenkt. Weihnachten eben. Stundenlang bin ich durchs Watt gewandert, mit nichts im Kopf als Leichtigkeit und das Herz voll Liebe und Dankbarkeit. Wir haben am Strand von St. Efflam gepicknickt, Muscheln gesucht und Möwen gefüttert, in der Sonne gelacht und endlose Spaziergänge gemacht. Mein Kopf war so angenehm leer, wie ich es gar nicht mehr kannte. Nur der Augenblick war von Bedeutung.

Miss B. (meine Englischlehrerin) gab uns den heißen Tipp, den heiligen Brunnen von St. Efflam zu suchen. Was für ein verstecktes Juwel! Danke liebe Ingrid!

Wohin wir auf dieser Reise auch kamen, tatsächlich war jeder Tag ein bisschen wie Weihnachten und hielt Überraschungen bereit, die wir mit leuchtenden Augen und voller kindlicher Neugier ausgepackt haben.IMG-20190927-WA0500

Bevor es zurück nach Deutschland ging, hatte MC noch etwas Besonderes im Gepäck: Er hat mir Paris geschenkt!                                                                                                                  Die letzten Tage unserer Reise waren wir unterwegs wie alle anderen Touristen auch: Im „Hop on- Hop off“ Doppeldecker. Dies war bestimmt die beste Möglichkeit, um möglichst viele der zahllosen Schätze bestaunen zu können, die Paris uns zu bieten hatte. Und wir staunten: Über Kultur- und Kunstschätze, Napoleon, wie ihn Paris sieht, köstliches Essen und vollautomatische öffentliche Toiletten.

Am allerletzten Abend in Paris durfte ich so richtig Mädchen sein: Wir saßen in der Abenddämmerung mit Wein, Baguette und Käse an der Seine unter dem Eiffelturm. Und dann, zum Abschluss des schönsten aller Urlaube saß ich auf einem weißen Pferd und flog am leuchtenden Eiffelturm vorbei. Unter dem Eiffelturm steht nämlich eines dieser nostalgisch schönen Karussells. Gemacht für die Kinder, die in uns allen leben…IMG_20190925_193714_9

Bis die Tage, Pauline

Greta, Blaualgen, oder die Kunst, „#zwischen den Zeilen “ zu lesen


20180902_162910Wer schreiben kann, ist im Besitz einer gefährlichen Waffe, kann man doch mit ein paar gezielt formulierten Worten Menschen beeinflussen – so mancher Werbetext ist Beweis dafür – . Im schlimmsten Fall – dafür ist Timor Vermes Roman „Er ist wieder da“ ein beängstigendes Beispiel – ist das geschriebene Wort Mittel zur Manipulation.  Verfolgt man das, was die Medien in ihren Schlagzeilen und neuerdings via soziale Netzwerke sehr gerne mit Doppelkreuzchen zu anklickbaren Links verklickern und schaut sich dazu die hysterischen bis panischen Reaktionen des gemeinen Lesers an, dann kommt der denkenden Mensch nicht mehr drum herum, sich an sein Denkorgan zu tippen und sich zu fragen, wohin das alles noch führen soll. Die Medien – leider scheint es völlig egal zu sein, welche – schmeißen ein Wort in ihre intelligente Leserschaft und los gehts:

Einst bemühte man die Schweinegrippe, die laut Medienberichten beinahe die Menschheit ausgerottet hätte, um den gut informierten Bürger zur Impfung gegen Selbige zu bewegen. Meine Mama Mausi war ganz bestimmt eine der ersten braven Patienten, die sich den Picks bei ihrem Hausarzt abholten. Meine renitenten Fragen nach der Notwendigkeit der Impfdosis, wo doch ordentliches Händewaschen wahre Wunder wirken kann, hatte sie mit einer Handbewegung vom Tisch gefegt: Was in der Zeitung steht, stimmt. Basta! Von der grausamen Schweinegrippe berichteten die Medien nur noch einmal. Im Nebensatz und mit der Information, dass man Millionen Impfdosen sozusagen in die nächste Tonne schmiss, weil es keine Schweinegrippe gab. Kosten des Ganzen? Schietegal, der Steuerzahler hat sie gewiss klaglos getragen.

Unvergessen die Vogelgrippe nur wenige Jahre vorher. Der Stau auf dem sommerlich erhitzten Rügendamm erlangte ungeahnte Ausmaße, weil jedes Auto seine Reifen in Desinfektionsmittel tauchen musste, damit man den bösen Keim weder rein, noch raus schleppte. Und was machten die blöden Vögel? Richtig, sie flogen ungerührt ob des Chaos, das sie angeblich verursacht hatten, munter von Insel zu Festland und umgekehrt und kackten auf die frisch desinfizierten Köpfe unter ihnen.

Apropros Kacke: Ich werde nie den Nachmittag vergessen, als meine über die hiesige Zeitung bestens informierte Freundin Ottilie mich anrief, um mir panisch vom Besuch meiner Talsperre abzuraten. Laut Zeitungsberichten hatte man nämlich Colibakterien im Wasser entdeckt. Sie jedenfalls würde mich keinesfalls an dieses todbringende Gewässer begleiten, musste sie doch die örtlichen Supermärkte abklappern, um Trinkwasser zu horten. Ich kam nicht um die Frage herum, wer hier nicht ganz richtig tickte? Meine zeitungsgläubige Freundin vielleicht, die blind dieser Meldung folgte und sich wie von der Zeitung empfohlen mit „Trinkwasser bevorratete“, weil Leitungswasser einen qualvollen Tode bringen konnte? Oder etwa doch ich, weil ich mir dachte, dass ein Vogel vielleicht Durchfall hatte und sein Schmetterschiss einige Colibakterien mehr  im Wasser hinterlassen hatte, als der Jahresdurchschnitt erlaubte? Man bedenke, dass Colibakterien im Stoffwechselendprodukt eines jeden Lebewesens zu finden sind und somit auch aus Biotopen, wie der unmittelbaren Umgebung einer Talsperre nicht wegzudenken sind. Deshalb wird Trinkwasser ja auch von den Wasserwerken aufbereitet, bevor es getrunken wird. Abkochen wäre für den besorgten Verbraucher auch eine Option. Aber nein, die Medien rieten zu Hamsterkäufen und die Getränkehersteller durften sich über Rekordverkäufe von schnödem Leitungswasser freuen. Leider nicht sehr lange, denn im Nebensatz erschien am nächsten Tag in der nächsten Ausgabe von Ottilies Tageszeitung die Notiz, dass bei erneuten Proben aus der Talsperre keine erhöhten Werte an Colibakterien nachgewiesen worden seien.

Nun ja.

Der nächste Sommer. Die nächste Schlagzeile, wieder meine Talsperre: Es wurden Blaualgen entdeckt! Baden kann tödlich sein. Dank dieser Schlagzeile hatte ich die Talsperre in diesem Restsommer fast für mich alleine. Und lebe noch immer. Der Grund ist keine Hexerei und auch kein Zufall sondern ganz einfach: Blaualgen mögen Sommerhitze und tummeln sich bei Hitze gerne in seichten Gewässern. Doch wer halbwegs bei Verstand ist und keinen See leersäuft, nach dem Baden gar duscht, hat durchaus reale Überlebenschancen.

Liebe Leser, bitte verstehen Sie meine ketzerischen Zeilen bezüglich medialer Meinungs- und Panikmache nicht verkehrt. Warnungen vor potentiell gesundheitsgefährdenden Vorgängen halte ich durchaus für äußerst wichtig. Dennoch sollte sie nicht mit einem Hashtag der Marke „Tod lauert im See“ beginnen. Medien sollten sachlich berichten, Gefahren erläutern, aber keinesfalls versäumen, die Wertigkeit zu benennen oder besser noch, das „Warum“, „Weshalb“ und „Wieso“ dem Leser nahezubringen.

Die sieben W galten übrigens zu einer Zeit, da ich einige journalistische Erfahrungen machen durfte als Grundpfeiler jeder journalistischen Arbeit. Mein verehrter Mentor, Herr A. aus G. hätte mir vermutlich jeden Text um die Ohren gehauen, in dem ich nicht alle W´s ausführlich recherchiert hätte…

Lassen wir das.

Denn was waren Schlagzeilen wie diese doch harmlos, bis Greta kam. Und die Müllberge in den Ozeanen und Ländern der dritten Welt.

Ja, liebes Gretakind, alles richtig. Alles wichtig.Und wenn es darum geht, auf Plastik zu verzichten, bin ich ganz vorne dabei. Meinetwegen dürfen sämtliche Wegwerfartikel verboten werden. Leider bin ich überzeugt davon, dass Maßnahmen wie diese an der Vermüllung der Welt nichts ändern werden. Denn, liebes Greatakind und all ihr anderen unsicheren Kinder, die ihr gerade auf den medialen Zug namens „Friday for Future“ aufspringt, beantwortet mir bitte die Frage: Wie kommt all der Müll an den wunderschönen Küsten Afrikas und Asiens denn dort hin? Und, wenn wir schon mal dabei sind, liebe Greta, erkläre den Alten – also Leuten wie  mir -, bitte mal, wie man die Batterien für E- Autos bastelt. Geht das wirklich ohne die Umwelt zu belasten? Wie entsorgt man die Dinger, wenn sie kaputt gehen? Ich denke da nur an die kleinen Batterien aus meinem Haushalt. Die gehören ja auch in den Sondermüll. Und mein Geist kommt nicht umhin, sich die Elektroautoschrottberge der Zukunft vorzustellen. Eine Zukunft, liebes Gretakind, die ich hoffentlich nicht erleben werde. „Friday for Future“ mag in der Grundvorstellung eine coole Sache sein. Zu Ende gedacht ist sie definitiv nicht. Könnte sie vielleicht, wenn ihr kleinen Schlaumeier freitags zur Schule gehen würdet, damit ihr für die Zukunft lernt, wie man großartige Ideen von ihrer Entstehung bis zu ihrer Entsorgung realisiert. Hierzu ein Beispiel für eure Hausaufgaben:

Eine vierspurige, winterlich verschneite Autobahn in völliger Stille. Wohin das Auge reicht, E- Autos, denen schon nach kurzer Zeit im unvermeidlichen Weihnachtsstau das Licht, ähm die Batterie ausgegangen ist. Weiterfahren Fehlanzeige. Und nun, liebe Generation „Friday for Future“ die Preisfrage: Wie löst ihr dieses Problemchen? Wie kriegt ihr all die toten Batterien von der Straße?

Nebenbei sei bemerkt, dass auch meine Generation und die vorher nicht ganz untätig gewesen sind, wenn es um den Umweltschutz geht: Schon mal von saurem Regen gehört? Von toten Flüssen? Nein?

Nun, Klein Greta reist samt ihrer liederlichen Zöpfe und der ungnädigen Zornesfalte zum Klimagipfel. Ich würde mir wünschen, dass die Medien ihr ein paar Fragen stellen, die Staunen und möglicherweise Nachdenken auf den kindlichen Zügen der Greta Thunberg hervorrufen.

Ich würde mir wünschen, dass es keines Klimagipfels bedarf, um eigenes Denken in den Köpfen der Nutzer egal welcher Medien anzukurbeln. Plastik muss man nicht per Gesetz verbieten. Es würde schon reichen, wenn jeder Picknickliebhaber seinen eigenen Müll wieder mitnimmt. Ich meine, wir schleppen das Zeug ja auch hin zum Ort des Geschehens, warum schaffen so viele es nicht, ihren eigenen Dreck wieder mitzunehmen? Meine Lieblingstalsperre würde es danken. Und die Umwelt bestimmt auch.

Niemand weiß besser als ich, wie gefährlich ein geschriebenes Wort sein kann. Nicht nur, wenn es um Politik und Umweltschutz geht. Wenn ich einen Text veröffentliche, kann ich darauf warten, dass sich Diskussionen ergeben. Weil manch ein geneigter Leser zwischen den Zeilen liest. Ein Phänomen, das ich grundsätzlich begrüße, zeigt es doch, dass ich mein Ziel erreicht habe: Jeder darf und soll sich seine eigenen Gedanken zu einem Text von mir machen. Irgendein wirklich kluger Kopf sagte einst: „Der Empfänger bestimmt die Nachricht.“ Ich weiß, dass es genau so ist. Autoren schreiben, was sie wollen. Im besten Fall schaffen sie es, den Leser abzuholen. Mitzunehmen und fliegen zu lassen. Realistisch betrachtet, ist es allein der Fantasie des Lesers überlassen, ob und was er zwischen den Zeilen eines Textes liest. Manchmal ist zwischen den Zeilen schlicht der Aufhänger, der zu des geneigten Lesers Grundstimmung passt und wir – die Leser – stürzen uns darauf . Das ist einfach und verhindert, dass wir uns mit dem buchstäblichen Dreck vor unserer eigenen Haustür – nämlich uns selber – befassen.

Nicht arme Welt, armes Deutschland, arme „Friday for Future“- Bewegung.

Armes Ich. Armes Du.

Bis die Tage, Pauline

„Hello“, ein Spiegel und die andere Frau


20161027_171624Neulich jagte ich in meinen roten Flitzer hinter den Berg, als die begnadete Adele „Hello“ sang. Und wie viele andere werde auch ich etwas wehmütig, wenn ich diese unglaubliche Stimme „… I´m sorry for breaking your heart…“ singen höre, denn angesichts solch gefühlvoller Texte neigen viele von uns Mädels nun mal dazu, an den furchtbaren Moment zu denken, in dem uns genau das passiert ist:

Möglicherweise hat ihm in seiner Dreiecksbeziehung die Zweisamkeit gefehlt. Und , obwohl sie immer geduldig und verständnisvoll auf den Tag gewartet hat, an dem er sich für sie entscheiden würde, blieb er bei der anderen. Jemand ging vielleicht trotz der Hoffnung, die er in uns am Leben erhalten hatte, dass sein Herz sich doch noch für uns öffnen konnte.  Die Nächste erinnert sich an den Einen, der  sie verlassen hat, weil sein Herz den Kampf mit dem eigenen Kopf verloren hat.

Vermutlich gibt es so viele verschiedene Geschichten über gebrochene Herzen, wie es Menschen auf dieser Erde gibt. In unseren guten Momenten sehen wir ein, dass ein gebrochenes Herz zum Erwachsenwerden gehört, wie der überdimensionale Kater am Morgen nach unserer Jugendweihe und wir können vergeben. Zumindest für den Moment. Vergessen können die wenigsten und wir stellen uns immer wieder die bange Frage, ob gebrochene Herzen jemals heilen?

Während ich durch die sommerlichen Hügel tuckerte, hörte ich – Adele möge mir verzeihen – zum ersten Mal wirklich auf den Text.

„Hello from the other side, I must`ve called a thousand times to tell you I`m sorry for breaking your heart…“

Mein Weltbild begann zu schwanken:

Frauen brechen auch Herzen! Eine Erkenntnis, die keineswegs neu ist. Es gibt bestimmt nicht eine unter uns Mädels, die nicht schon einmal ein Herz gebrochen hat. Doch während wir diese Tatsache so gerne unter den berühmten Teppich zu kehren versuchen und den miesen Typen verfluchen, der genau das mit das mit uns gemacht hat, setzen wir uns nicht besonders gerne mit der Tatsache auseinander, dass wir nicht besser sind. Ich dachte über die Frau nach, von der Adele singt:

Sie versucht tausendfach, ihn anzurufen. Sie will den Einen wieder sehen, dessen Herz sie gebrochen hat. Sie will ihn um Verzeihung bitten, für alles, was sie getan hat. Denn auch nach Jahren kann sie ihn nicht vergessen.

Dieser Anruf von der anderen Seite wäre vermutlich das Pflaster, dass den Schmerz in uns wirklich lindern könnte. Aber wer ist schon mutig genug, den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und „Hallo“ zu der anderen Seite zu sagen? Dies würde ja voraussetzen, in den Spiegel zu schauen, der uns zeigt, wer wir hinter unserer Fassade wirklich sind. Wir müssten uns selber Fragen beantworten, die uns weh tun, uns durcheinander bringen, Chaos in uns drin verursachen. Und das wollen wir ja nicht.

Doch falls wir irgendwann bereit sind, in diesen Spiegel zu schauen und uns selber zu begegnen, dann sehen wir dort die taffe Frau, die für einen Moment die geliebte Vergangenheit leben ließ. Und zwar ohne Rücksicht auf die Andere, die inzwischen ihren Platz eingenommen hat. Die Frau, deren Herz sie gebrochen hat. Wir reden uns ein, dass wir die Verantwortung für das Herz der anderen Frau nicht tragen, sondern ausschließlich für unser eigenes verantwortlich sind. Doch in diesem Spiegel sehen wir noch etwas anderes: Wir sehen den seelisch leicht bekleideten Menschen – uns selber – der bereit ist, alles zu vergessen, um dieses Gefühl noch einmal zu erleben. Wir sehen das schwache Kind in uns, dass wieder so geliebt werden möchte wie damals, als es die andere Frau nicht gab. Dieses Kind wünscht sich nichts so sehr, als zu sein wie es damals war. Vor der Angst.

Diese Erkenntnis schenkt uns möglicherweise den Mut „Hello from the other side…“ zu sagen und einen anderen Menschen um Verzeihung dafür zu bitten, was wir getan haben. Und wenn wir besonders stark sind, dann wünschen wir der anderen, dass sie nie erfahren muss, dass es uns gibt. Dass wir die Eine sind, die noch immer darauf wartet, dass jemand in den Spiegel schaut, um den Mut zu finden, seinerseits „Hello…“ zu sagen.

Pippi, Petticoats, 10.4 Sekunden und … Lenin


20190629_185432Ich bin kein junges Ding mehr. Zum Glück, finde ich. Denn ich lebe lange genug, um zu wissen, dass ich die Unsicherheit, den Schmerz und all den Schnödeldrö, mit dem frau in ihrer Jugend sich und der Welt zu beweisen versucht, dass sie die Beste, die hellste Kerze auf der Torte, die Multitaskingpowerfrau, eben die Eine ist, hinter mir habe.
Ich bin die mit den Ängsten, Träumen, lästigen Fragen und ihrem unerschütterlichen Glauben an die Macht des Universums.

Auch ich war angepasst. Ich war so wie ich glaubte, für andere sein zu müssen, damit sie mich lieben. Ich habe mich klein gemacht, damit der Andere sich an meiner Seite groß fühlen durfte. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass mein Fokus nur noch selten bei mir selber war.  Ich habe mich der Frage gegenüber gesehen, warum ich in meinem eigenen Leben nie die Hauptrolle bekam? Wollte ich Pippi oder Annika sein?

Ich weiß, ich weiß… meine Fragerei wieder…

Aber im Ernst, wer wie ich zu einer Zeit Kind gewesen ist, als Pippi Langstrumpf zu den besten Freunden zählte und Kapitän Ibrahim Langstrumpf noch politisch korrekt Negerkönig sein durfte, der kann die bedrückende Erkenntnis vielleicht nachvollziehen, mit der mir klar wurde, dass ich die Rolle der Annika hatte. Wie konnte mir das passieren? Steckt in mir drin wirklich die niedliche brave Annika, die nur tut, was man von ihr erwartet? Bin ich etwa nicht die mit den wilden Haaren, der unbändigen Lebenslust und der ganz eigenen Art, die Dinge zu sehen? Pippi eben? Wo verflixt noch mal hatte ich sie verloren?

Das Leben bringt es manchmal mit sich, dass frau ihren Fokus verändern muss, um sich selber wiederzufinden und so komme auch ich immer wieder an meine Grenzen und zu der Frage: „Wer bin ich eigentlich?“

Ich bin ein glücklicher Mensch, denn ich habe MC. Der, der mich loslässt, wenn ich mal wieder auf der Suche nach falschen Antworten auf die richtigen Fragen bin und bei mir ist, um mich festzuhalten, sollte ich ausnahmsweise mal die Bodenhaftung verlieren. Und ich habe meine unbezahlbaren Freundinnen.

Inzwischen ist unser alljährlicher Juniurlaub zur festen Tradition geworden. Unser Blockhaus steht an einem Ort, wo garantiert einst der Kreisverkehr erfunden wurde. Die Tage verbrachten wir mit Wanderungen rund um unseren Badesee und abends grillten wir köstliche Steaks am Lagerfeuer. An diesem Ort, wo man vom www. scheinbar noch nie gehört hat und der von keinem Netzanbieter jemals erreicht worden ist, habe ich den Mut gehabt, endlich mal wieder nach mir selber zu suchen. Ich war gar nicht so weit weg, stand – wie so oft- nur ein kleines bisschen neben mir. Ich konnte mich der bangen Frage stellen, warum ich es immer wieder erlaube, dass die Außenwelt vorgibt, wie ich sein soll, damit ich richtig bin. Warum lasse ich es zu, dass meine Wünsche und Erwartungen einem anderen Menschen Macht über mich geben? War ich mal wieder dabei, die Hauptrolle in meinem Leben abzugeben?

Es waren Fragen wie diese, die mich noch immer ein bisschen beschäftigt haben, als unser fröhliches Trio in Richtung Schorfheide aufgebrochen ist, um wie jedes Jahr Zeitgeist und Lebensgefühl einer ganz anderen Zeit aufleben zu lassen. Ich befahl meinem Kopf Ruhe und meinem inneren Kind gestattete ich einen ausgelassenen Tag in Freiheit. Hier und jetzt.

„RACE 61 – Roadrunners Paradise Festival 2019“, hier bin ich!

IMG-20190630-WA0043Als ich in mein Petticoat schlüpfte und Hilde endlich fertig war mit der großen Kunst des Stylings, spürte ich die Verwandlung: Lebensfreude. Leichtigkeit. Lachen. Und wir mittendrin. Ich gebe zu, dass ich von Hot Rods, Motoren und Rennen wenig Ahnung habe. Ich bin ein Mädchen. Und als solches habe ich den Anblick 20190629_185220der heißen Motoren und der tollen Jungs genossen, deren Träume bei den 1/8 Meilen Rennen wahr wurden. Im Ernst… 10,4 Sekunden für die Distanz sagt den meisten Frauen nicht besonders viel. Aber ein Blick in die leuchtenden Augen, die lachenden Gesichter der Erfinder, Erbauer und Fahrer solcher Wunderwerke lassen Frauen wie mich erkennen, dass die Karre in dem Rennen großartig gewesen sein muss. Hilde ist diesbezüglich aus ganz anderem Holz geschnitzt. Sie ist sozusagen der Kerl in unserem Weiberhaufen und war erst zufrieden, als sie selber amerikanisches Blech bewegen und heiße Motoren röhren lassen durfte.

20190629_190822In der Hitze dieses heißen Samstags haben wir mit fliegenden Röcken Rock n Roll getanzt, Algensalat genascht und unvergessliche Begegnungen gehabt. Ich hätte dem alten Wladimir Iljitsch gerne die steinerne Hand geschüttelt, wenn sein Podest nur ein bisschen weniger hoch gewesen wäre. Der bärtige Kerl weigerte sich mit kalter Miene standhaft, zu mir hinabzusteigen und mit mir zu plaudern. Wieder einmal wurde mir bewusst, dass frau nicht alles haben kann. Nur ganz kurz habe ich deshalb mit dem Universum gehadert, als mir aufging, dass die große Macht mitunter diplomatische Spagate hinlegen muss, wenn es darum geht, wessen Wünsche erfüllt werden. Möglicherweise steht der bärtige Typ auf seinem Podest ja unter größerem Leidensdruck… Nicht auszudenken, wenn der beim „RACE 61- Roadrunners Paradise Festival“ zu all den ausgelassen feiernden Sterblichen hinabgestiegen wäre und sich Fragen wie: „Was hast du dir nur dabei gedacht, als du…

… die Revolution damals angezettelt hast?“

hätte stellen müssen…

…wie auch immer…

Ich jedenfalls fühlte seit Langen wieder Pippis Lebenslust und komme nicht umhin, kichernd zu erkennen, dass jemand, der ein Event wie dieses verpasst, die Annika ist. Oder meinetwegen Thomas.

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Später in diesem Urlaub saßen wir Mädels zufrieden und fröhlich an unserem See, lauschten dem Froschkonzert und schlürften kichernd unseren Chardonnay.

Ich bin eine glückliche Frau. Mir muss keiner sagen, dass ich die Beste bin. Oder was Besonderes. Ich weiß das auch so. Ich bin bestimmt nicht die letzte Cola in der Wüste, Multitasking halte ich für Körperverletzung und es wird immer ein junges Ding daher kommen, dass der Welt beweisen will, was es alles kann. Von mir aus. Ich bin die Frau meines Lebens. Und ich habe vor langer Zeit entschieden, dass ich Pippi bin und nicht Annika.

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Bis die Tage, Pauline