Facebook, Corona und der antiimperialistische Schutzwall


20191229_120623In der Überzeugung ruhiger zu leben, habe ich bereits vor Jahren beschlossen, Fernsehen, Radio, Zeitungen und Co. KG aus meinem persönlichen Umfeld auszuschließen. Wenn es um Politik, Gesundheit und Umwelt geht, bin ich die Schweiz.

Das bedeutet keineswegs, dass ich keine eigene Meinung habe. Aber diese zu Ende zu denken, oder gar öffentlich zu äußern… Kinner nee… Das sollte frau in diesen Tagen besser nicht. Nicht, wenn ihr der eigene Seelenfrieden wichtig ist. Leider ist es in derzeit unmöglich, sich dem öffentlichen Geschehen zu entziehen.

Manchmal frage ich mich bang, ob der Mensch dabei ist, vielleicht nicht den Verstand, aber definitiv die Fähigkeit zum kritischen Denken zu verlieren.

Da niest man in China ein bisschen lauter als sonst und die Welt schreit Epidemie! Mag sein, dass fürchterliche Zeiten auf uns zu kommen. Aber realistisch betrachtet, erwischt uns in jedem Winter eine Grippewelle. Und dieser fallen bedauerlicherweise alljährlich bestimmte hoch gefährdete Menschen zum Opfer. Heute schreit jeder CORONA. Richtig: In China gibt es eine relativ hohe Zahl von Opfern. Man muss kein Wissenschaftler sein, um zu wissen, dass China das bevölkerungsreichste Land der Erde ist. Wer jemals in China gewesen ist, wird bestätigen, dass Hygiene in diesem Land nicht unbedingt großes Thema ist. Da wird in aller Öffentlichkeit gerotzt, geniest, gehustet und geschnüffelt, was Hals und Nase hergeben. Hand vor den Mund ist Fehlanzeige. Schon kommt es, wie es vielleicht kommen muss. Interessanterweise gab es eine solche Epidemie im Winter 2002/2003 in China schon mal. Damals hieß sie SARS. Der Erreger war im Grunde derselbe. (Einzelheiten übrigens bei Wikipedia.)

Unser Land steht inzwischen der ganzen Welt offen. Und damit auch jeder erdenklichen Krankheit, die sozusagen als blinder Passagier unkontrolliert durch gewunken wird. Im letzten Jahr starben allein in Afrika viele tausend Menschen an Masern. Wo war da der öffentliche Aufschrei? Wenn ich Aufschreie höre, dann höchstens die der inselbegabten Gutmenschen, die laut gegen die Wiedereinführung der Impfpflicht in unsrem Land protestieren. Ja was denn nun?

Der Amazonas brennt. Ganz schlimme Sache. Die Welt schreit laut vom Untergang. Dasselbe passiert in Sibirien. Und wen interessiert das?

Gretchen aus Schweden darf der Welt wütend entgegen brüllen, dass sie ihr die Träume gestohlen hat. Die Welt applaudiert. Und Deutschland gratuliert sich für das Verbot der Plastikeinkaufstüte und erfindet den Silikonmehrwegstrohhalm. Bravo! Etwa zur selben Zeit stehe ich bei einem Konzert in Erfurt in der Getränkeschlange und möchte meinen Plastikbecher mit dem Konterfei der Künstlerin nachfüllen lassen und muss mit ansehen, wie mein Pfandbescher in der nächsten Plastikmülltüte landet, weil deutsche Hygienestandards das Nachfüllen verbieten.

Und nun das Ding mit Thomas, Bodo und Mike. Schlimme Sache. Vor allem, wenn frau das mal von der anderen Seite betrachtet: Da haben die da oben sich mit ihrer Regierungsbildung selber ins Aus katapultiert und mein schönes Erfurt demonstriert sofort gegen den Faschismus. Man könnte die Kirche auch im Dorf lassen.

Blauäugig wie ich bin, passiert es mir ab und zu mal, dass ich auf Facebook einen (fehlerfreien) Text like, weil ich denke: „Hach, es gibt sie doch noch: Die Menschen, die sich Gedanken machen. Und nachfragen wollen.“ Und was passiert? Ich werde gemaßregelt, mein Denkvermögen wird infrage gestellt und Gutmenschen schimpfen mich für dieses „Like“ aus. Der antiimperialistische Schutzwall steht und Pauline fühlt sich, als sei sie wieder vier Jahre alt.

Facebook. Überhaupt. Es scheint, als lauern manche nur darauf, Informationen zu filtern, auf die sie sich stürzen können, wie das Trüffelschweinchen auf den begehrten Pilz. Wann immer ich den Hinweis erhalte, dass mein Account gestalkt worden ist, denkt sich die erwachsene Pauline: „Machen lassen.“ Mein Ego klatscht vielleicht in die Hände und jubelt: „Mann, bin ich für manche wichtig!“ Aber der Rest von mir möchte sich erschrocken und traurig ganz klein machen. Einzige sinnvoll erscheinende Reaktion: Abmelden. Aber realistisch gesehen kann ich mich Facebook, Instagram und Konsorten nicht so ganz entziehen. Die Gründe dafür liegen in meiner Hand: Ich schreibe nun mal. Und kann Stalking nicht verhindern. Ich werde nichts dagegen unternehmen können, dass mich die ach so meinungsfreien Nachrichten in diesem Land erreichen, wo Meinungsfreiheit mal eines der höchsten Güter war.

So passiert es, dass ich immer öfter nachdenklich meinen Klapprechner zuklappe und nach draußen gehe. Das Leben einatme und den Wind im Gesicht spüre. Corona, Greta und politischen Querelen zum Trotz: Das Leben ist schön!

 

 

Liebe und Angst


xyz 024Grimms Märchen und Hollywoods Blockbuster enden gleichermaßen damit, dass die Protagonisten sich in die Arme sinken. Ende gut. Alles gut.

Basta.

Kein Wunder also, dass wir davon überzeugt sind, dass auch im echten Leben alles gut ist, wenn wir unsere große Liebe gefunden haben.

Happy End. Hossa!

Doch dann passiert etwas, was Grimms nicht vorgesehen hatten. Unser Herz wird gebrochen. Wir wenden uns verzweifelt von den Märchen ab und – versorgt mit reichlich Chardonnay, Schokolade und massenhaft Taschentüchern – stattdessen in Richtung romantischer Hollywoodfilm.                                                                                    Auch dort brechen regelmäßig Protagonistenherzen. Aber während Grimms Helden einander anschmachten, die Hexe töten und alsdann gemeinsam in den Sonnenuntergang galoppieren, beginnt bei Hollywoods an dieser Stelle das Drama gewöhnlich erst. Genau wie in der Wirklichkeit werden die Helden der Leinwand durch dramatische Umstände, missgünstige Zeitgenossen oder andere Katastrophen entzweit. Doch anders als in der Echtzeit können wir bei Hollywoods davon ausgehen, dass auch dort am Ende die Liebe siegt.

Schmacht …

Und die Wirklichkeit?

Wir haben den einen Menschen gefunden, der uns mit großer Geste Liebe schwor, vielleicht den goldenen Schlüssel zu seinem Herzen an unseres legte. Und müssen kurze Zeit später erkennen, dass das Schloss zu unserem Schlüssel ausgetauscht worden ist.

Andere standen innerlich qietschend vor lauter Glückseligkeit Hand in Hand mit dem Angebeteten vor dem Haus, in dem er mit ihr alt zu werden gedachte. Um dann zu erkennen, dass er nicht im Stande ist, seine Liebe über die Schwelle zu tragen.

Wieder andere schlafen nachts glücklich neben dem Liebsten ein, um am nächsten Morgen festzustellen, dass er reumütig zur Gewohnheit zurückgekehrt ist.

Zwischen Grimms, Hollywoods und der Wirklichkeit scheint nur eine Gemeinsamkeit zu existieren: Der Schmerz und die Traurigkeit, die dem Ende einer Romanze folgen. Happy Ends scheinen im wahren Leben so märchenhaft wie bei Grimms und romantische Spaziergänge an fernen Stränden haben in der echten Welt keinen Platz.

Wenn es um die Liebe geht, wechseln wir also künftig geschwind den Sender. Wer glaubt denn an so was?

Und doch kommt weder Frau noch Mann um die Frage herum, was passiert ist. Mit uns selber. Mit dem anderen. Unser Herz war doch so sehr dabei, wie noch nie zuvor im Leben.

Der libanesisch- amerikanische Philosoph Khalil Gibran schrieb einst:                                  “ So wie die Liebe dich segnet, kreuzigt sie dich.“ Kann man das Dilemma in einem Satz besser beschreiben? Denn Liebe verleiht Flügel. – Schatz, weißt du noch? Das sind diese flatternden winzigen Schwingen, die in unserem Bauch hüpfen, unsere Seele heilen und unser Herz lachen lassen.-                                                                                                           Aber Liebe lähmt auch, macht handlungsunfähig. Denn plötzlich ist da auch Angst. Ein Gefühl, so dunkel, dass wir es schon als Kinder unbewusst in uns versteckt haben, um nie mehr daran erinnert zu werden. Mit der Liebe ist es wieder da. Was passiert mit uns, wenn die Liebe im Alltag nicht funktioniert? Kann man sich entlieben? Wie soll das funktionieren?

Mit dem großen Gefühl namens Liebe kommen uns Fragen wie diese hoch. Liebe zwingt uns dazu, eigene Ziele zu hinterfragen. Neue Wege zu gehen. Altes hinter uns zu lassen. Neu anzufangen. Und vielleicht alles zu verlieren. Anders als bei Hollywoods und Märchens gibt es für ein Happy End keine Garantie. Da kann man schon mal ausreißen…

Angeblich hat man im Leben immer die Wahl zwischen Liebe und Angst. Bestimmt hat sich jeder von uns schon mal für die Angst entschieden. Dabei muss es nicht einmal zwingend um einen anderen Menschen gehen. Vielleicht haben wir aus Angst vor dem Neuen die Chance auf einen beruflichen Neuanfang vertan? Aber wenn es um Berufliches geht, betrifft eine Entscheidung in aller Regel nur uns selber. In Liebesdingen jedoch hängt ein anderer Mensch am anderen Ende des Fadens. Der eine Mensch, der so viel Chaos in uns ausgelöst hat. Was macht der, während wir das Für und Wider abwägen, Entscheidungen treffen und wieder verwerfen?

Er verharrt in aller Regel in komatösem Zustand und in der Überzeugung, dass alles gut wird…

Grimms eben, gelle…

Ein Zustand, der nicht ewig anhalten kann. Vielleicht liest ihm jemand unter Tränen Kelly Priests Gedicht „After a wyle“ vor und er erkennt, dass jeder in seinem eigenen Leben die Hauptrolle spielen sollte.

Und während einer vielleicht noch immer zwischen Liebe und Angst umher taumelt, wacht der Andere möglicherweise ganz langsam auf. Bereit sich dem Leben zu stellen.

Ich habe mal irgendwo gelesen, dass alles, was wir aus Angst tun oder lassen, uns immer wieder ein holt. Wenn das stimmt, dann wird die leise Stimme in uns drin nicht verstummen, die traurig fragt: „Was wäre, wenn…?“

Weihnachtsstress, Jahreswechsel und das, was wir uns wünschen…


81973075_3270675629616444_6762934106478084096_oWann immer ich in den vergangenen Wochen unterwegs gewesen bin, begegneten mir gehetzte Mienen und schlecht gelaunte Menschen. Vielleicht wurde mir auch nur gespiegelt, was ich selber empfunden habe: Anspannung und das Gefühl, mehr auf meiner „Noch zu erledigen Liste“ stehen zu haben, als ich bewältigen konnte. Ich als bekennende Liebhaberin von Kerzenschein und Glühwein habe es in diesem Advent kein einziges Mal geschafft, den Zauber der Weihnachtszeit zu erleben. Mein Herz zu öffnen für das, was Weihnachten bedeutet. Was war bloß los mit mir? Zu hoch die Ansprüche an mich selber? Zu viel von meiner „To do Liste 2019“ auf die buchstäbliche lange Bank und damit in den Dezember verschoben? Zu blödes Wetter? Zu viel von allem? Zu wenig von allem? Bestimmt von allem etwas…

Den vorweihnachtlichen Supergau durchlitt mein Seelchen kurz vor Weihnachten. Wir Mädels beschlossen, vorweihnachtlichem Stress und anderem Herzeleid mittels Weihnachtsshopping und ausgiebigem Bummel über hiesige Weihnachtsmärkte zu begegnen. Wir stürzten uns in den Wahnsinn, der all die Jahre wieder Groß- und Kleinstädte sowie deren Bewohner befällt. Dank ausgeklügelter Einkaufspläne ist es uns gelungen, sämtliche Wunschlisten innerhalb kürzester Zeit abarbeiten. Nur Weihnachtsstimmung schien für kein Geld der Welt in den Geschäften zu haben sein. Möglicherweise versuchte der eine oder andere Einzelhändler mittels Lebkuchen und weihnachtlicher Musik ein wenig besinnliche Stimmung in den Laden zu zaubern, doch angesichts viel zu vieler ratlos schnatternder Kaufwütiger waren es eher klägliche Versuche, die Menschheit zum Innehalten zu bewegen. Wir Mädels machten uns fast fluchtartig in Richtung Weihnachtsmarkt auf. Und sahen vor lauter Menschen die weihnachtlichen Buden kaum noch. Als ich schon dachte, schlimmer könne es nicht mehr werden, erklang von einer Glühweinbude der berüchtigte Schlager: „Joana, du g…“  Hilde preschte empört zum Ausschank und fragte die oktoberfesttauglich gestylte Blondine in der Bude, was diese Art von Musik auf einem Weihnachtsmarkt verloren habe? Die Dame zuckte die Schultern und meinte ungerührt: „Wenn Ihnen die Musik nicht gefällt, haben Sie nicht genug getrunken.“ Na wenn das so war, dachten wir und kehrten der Partymusik den Rücken, um anderen Ortes angemessen einen Glühwein zu schlürfen.

Es wurde schließlich doch noch ein unbeschwert fröhlicher Nachmittag mit Knobibrot und Glühwein, glasiertem Obst und Lebkuchen. Viel später machten wir uns fast widerwillig auf den Heimweg, als…80255365_3270737932943547_2131176451746037760_o

… mir siedend heiß aufging, dass ich die Beute mit den Weihnachtsgeschenken irgendwo im Getümmel verloren hatte. Wie konnte das passieren? Ich war am Boden zerstört. Nicht nur, dass ich es keineswegs so dicke habe, dass es mir nichts ausmacht, mal eben mehr als ein paar Euro auf den Weihnachtsmarkt zu schmeißen. Viel schwerer wog für mich der Verlust der ideellen Werte, die sich in der Tüte befanden.

Hilde galoppierte auf ihren Gazellenbeinen in Windeseile auf der Jagd nach der heißen Ware an sämtlichen Fressbuden vorbei, während sich das blonde Kind geduldig meine tränenreichen Selbstvorwürfe anhörte. Man hätte meinen können, dass Weihnachten angesichts dieser Entwicklung gelaufen wäre. Es war MC, der sich erst geduldig die Brust nass heulen ließ und dann ernst sagte: „Es ist nur Geld! Euch geht es doch gut, oder?“ Dieser Satz war es, der mir bewusst machte, dass eine Sekunde übermütiger Unachtsamkeit auch weit mehr als eine Tüte voller Weihnachtsgeschenke hätte kosten können. Im schlimmsten Fall ein Leben.

Es gab ihn übrigens doch: Den ehrlichen Finder. Rechtzeitig zu Weihnachten durfte ich auf dem Polizeirevier irgendwo am Weihnachtsmarkt dankbar meine verlorene Tüte ans Herz drücken. Ein Mann hatte sie den diensthabenden Polizisten an Selbiges gelegt und diese machten sich mit detektivischer Finesse daran, die namenlose Ware an den Besitzer zurück zu geben. Es konnte also Weihnachten werden…

Nun ja… Unterm Baum kam ich nicht um die bange Frage herum, wo mein innerer Frieden geblieben ist. Habe ich ihn trotz aller Anstrengungen, auf mich selber zu achten, irgendwo unter dem Alltagskram verschüttet, dass ich ihn nicht einmal an Weihnachten finden konnte?

Nun ist Weihnachten vorbei, der Jahreswechsel steht an. Und wieder hat der Mensch Wünsche, Bedürfnisse und Ängste, die es im nächsten Jahr unbedingt zu befriedigen gilt. Noch ehe ich den Gedanken an meine eigenen Dinge zu Ende denken konnte, habe ich mir gedanklich Zügel angelegt und meine persönliche Zeremonie zum Jahreswechsel kurzerhand ein paar Tage nach vorne verlegt: Ich packte alle meine Wünsche nebst einer Schachtel gut gehender Streichhölzer und einer Thermoskanne Glühwein in meine Lilo und düste zu dem Ort, der mir schon so lange Kraft und Ruhe spendet:80272533_3270666346284039_5190505498050297856_o

Wann immer ich einen Wunsch ans Universum habe, nehme ich mir die Zeit, ihn aufzuschreiben. Und zwar ausführlich. (Schließlich können die beim Universum ja nicht wissen, wie genau der „Traummann“ sein muss, damit er alle Kriterien erfüllt, die ihn zum solchen machen…) Dann wird der Zettel zusammengefaltet und in einer Kiste, einem Glas oder sonst wo mit all den anderen Wünschen gesammelt, die ich in einem Jahr so habe. Am Ende des Jahres, idealerweise wäre das Silvester, verbrenne ich die Wünsche des vergangenen Jahres an einem sicheren Ort. Neujahr ist dann der Tag, an dem ich wunschlos bin. Nur das Hier und Jetzt und das leere Blatt, auf dem sich das neue Jahr niederschreiben wird, habe ich bei mir. Ab 2. Januar darf dann wieder gewünscht werden, was das Zeug hält. P.s. Hierbei geht es nicht um Wünsche wie ein neues Auto und anderen Schnödeldrö, den kein Mensch braucht. Meine Lilo kutscht mich seit Jahren ohne zu murren, wohin ich will. Ich glaube auch nicht, dass sich das Universum besonders für Wünsche der materiellen Sorte interessiert. Es geht um die Wünsche, die wir im Herzen tragen. Einer davon ist für mich auch im neuen Jahr wieder Frieden. Innendrin der.

Als ich allein mit meinem Glühwein und meinen Wünschen gewesen bin, ließ ich die Ruhe und den Frieden meines Kraftortes auf mich wirken und fühlte allmählich, wie alles von mir ab fiel. Mit dem Loslassen meiner Wünsche, Ängste und Träume war er plötzlich da. Der Weihnachtsfrieden. Er wird anhalten. Bis Neujahr. Dann werde ich wieder Wünsche haben…

Herzlichst Pauline

 

Jetzt rede ich!


20191125_231650Mein Name ist Mimi. Ich bin ein Katzenkind und habe so viel zu erzählen, dass sich die Leute von Radio F.R.E.I. dafür interessieren. Die wollen alles von mir wissen! Mein erstes Abenteuer gibt es am Samstag (30.11.2019) um 9. 00 Uhr auf die Ohren. Und wenn es euch gefällt, erzähle ich euch bald noch viel mehr von mir! Ob ich jetzt ein Star werde?20191126_183202

Ach so, weil ihr die Sprache der Tiere nicht ganz so gut sprecht wie ich, muss die Pauline für mich übersetzen. Deshalb durfte sie zur Aufzeichnung gestern mit ins Studio. Ich sage euch… Das ist so aufregend! 20191126_183324Also: Nicht vergessen: Samstag, 9 Uhr „Rumpumpel“ bei Radio F.R.E.I. (UKW 96,2 MHz)

Miau…

Eure Mimi

Alte Knochen, verwunschene Berge, mieses Karma und der Frosch auf dem Fahrrad


20191116_132017Wie bei den meisten Menschen gibt es auch in meinem Leben einen Helden, der als solcher dann doch nicht gut genug war. Mit eben diesem saß ich vor langer Zeit bei der Befundbesprechung bezüglich seines ramponierten Knochens. Der Gott in Weiß gegenüber demonstrierte uns auf dem Bildschirm die aktuelle Knochensituation, wobei sein Hauptaugenmerk offenbar einem anderen Detail auf dem Bildschirm galt. Er umkreiste mit der Maus fast vorwurfsvoll die Stelle auf dem Bildschirm, wo gewöhnlich das Geburtsdatum des Delinquenten steht und empfahl ihm achselzuckend, künftig auf exzessive Sportarten zu verzichten und sich besser altersentsprechend zu betätigen.

Autsch…

Mein Held von damals entzog dem Gott in Weiß umgehend den Behandlungsvertrag und wo er schon mal dabei war, entzog er sich auch mir und mutierte in Null Komma Nix vom Prinzen zum Lurch.

Ich haderte mit dem Gott in Weiß wegen seines fehlenden Einfühlungsvermögens und mit mir noch viel mehr, weil ich einfach nicht so sein konnte, wie Herr Heldenfrosch mich haben wollte. Es dauerte ein Weilchen, bis mir aufging, dass Verbiegen tatsächlich nicht zu meinen Vorzügen gehört. Da könnte frau in meinem Alter sich glatt was brechen… Mit dieser Erkenntnis wünschte ich dem Frosch sämtliche Krötenleiden an den Hals und spülte den Fluch mit einem ordentlichen Schluck Charrdonnayschorle hinunter.

Das Leben ging bunt und fröhlich weiter und wurde nur ab und an unterbrochen von den Klagen der einen oder anderen Freundin, die sich über schmerzende Knochen und quietschende Gelenke ärgert. „Hach ja“, denken wir und gießen uns ein Charsonnayschörlchen ein. „Das Alter.“

Und dann, neulich nach einer richtig schönen Bergtour, springe ich am nächsten Morgen aus den Prinzessinnenbett und denke: „Autsch… aus dem Knie könnte man glatt zwei machen.“ Ich hinke also zum diensthabenden Traumatologen, der mir rüde erklärt  dass frau in meinem Alter doch bitte auf exzessives Training im Einzelnen und Leistungssport im Besonderen verzichten sollte.

Da war es wieder: Mein schlechtes Gewissen. Da war doch was…In einem anderen Leben hatte ich Herrn Frosch verflucht. Nun heißt es ja, dass alles zurück kommt…

Ich humpelte geknickt auf mein Sofa und rückte dem knöchernen Querulanten mit Quarkwickel, Eisbeutel und chemischer Keule zu Leibe. Das wollten wir doch erst mal sehen, dass meine Knochen unter der Last eines halben Lebens nachgeben.

Tatsächlich: Der Huf sah Tage später wieder aus wie ein weiblicher und einen graublaukalten Samstag später fand ich, dass es Zeit zum Wandern wurde. Auf Wunsch von MC wurde der kleinere der zwei Berge hinter dem Berg zum Ziel unseres Wandertages auserwählt.  Mir war es Recht, mein Seelchen sehnte sich nach Wind und Leichtigkeit und der Haufen alter Steine dort ganz oben ist mir übrigens an mein Prinzessinnenherz gewachsen. Der Legende nach haben dort in grauer Vorzeit die alten Kelten eine Siedlung gebaut. Die Zeit verging und die Kelten auch. Übrig blieb der Haufen Steine, von dem angeblich noch heute magische Energie ausgestrahlt wird. Und die konnte ich gerade wirklich gut gebrauchen.

Wir marschierten gemütlich den Berg hinauf. Die Luft war klar und kalt. Ab und zu zeigte sich Frau Sonne und sogar mein Huf war altersentsprechend unauffällig. Man kann über Legenden wie die, die sich um den kleinen Berg spinnt, sagen, was man will. Ich fühlte mehr als nur einen Moment lang irgend etwas, was nicht greifbar war, mich aber innen drin anstupste. Die Magie der ollen Kelten?

Ich atmete die frische Luft und nahm die Energie auf, die meine (alters?)schwachen Akkus auf wundersame Weise zu beleben schien. Wir traten gerade aus dem verwunschenen Wald heraus…

… Da stand er. Der Frosch von damals. Mit Fahrrad. Und Hund… Nur eine unbelebte Straße trennte mich von diesem Wiedersehen, das absolut nicht auf meiner Prioritätenliste stand.

Mieses Karma…

So schnell es meine quietschenden Kniegelenke zugelassen haben, hechtete ich ins nächste Gebüsch. Der große Hund an des Frosches Seite schenkte mir einen intensiven Blick aus treubraunen Augen, während der Frosch dankenswerterweise nur Augen für die leere Straße hatte.

Sekunden später klopfte ich mir das Laub von den weichen Knien, und haderte mit dem Timing. Und dem Universum. Mal ehrlich, es ist ja nicht so, dass es mich oft zum Luftschnappen an diesen verschlafenen Ort zieht. Und in genau dieser halben Sekunde kommt jemand daher geradelt, der… Ich kam nicht drum herum, in diesem Zusammenhang über die erste Regel der Spiritualität nachzudenken: Keine Begegnung ist Zufall, sondern passiert genau im richtigen Moment.

Und während der Mann in meinem Lebend lachend Haltungsnoten bezüglich meiner akrobatischen Sprungeinlage verteilte, wurde mir klar, wie nackt frau doch manchmal ist.

Bis die Tage,

Eure Pauline