Unbenannt


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Geschichten aus dem Nähkästchen, die zwölfte


Gerade in alten Texten gewühlt. Kinner nee…

Greta, Blaualgen und das was in der Zeitung steht

Wer schreiben kann, ist im Besitz einer gefährlichen Waffe, kann man doch mit ein paar gezielt formulierten Worten Menschen beeinflussen, so mancher Werbetext ist Beweis dafür. Im schlimmsten Fall – dafür ist Timor Vermes Roman „Er ist wieder da“ ein beängstigendes Beispiel – ist das geschriebene Wort Mittel zur Manipulation. Verfolgt man das, was die Medien in ihren Schlagzeilen und neuerdings via soziale Netzwerke sehr gerne mit Doppelkreuzchen zu anklickbaren Links verklickern und schaut sich dazu die hysterischen bis panischen Reaktionen des gemeinen Lesers an, dann kommt der denkende Mensch nicht mehr drum herum, sich an sein Denkorgan zu tippen und sich zu fragen, wohin das alles noch führen soll. Die Medien – leider scheint es völlig egal zu sein, welche – schmeißen ein Wort in ihre intelligente Leserschaft und los geht es:

Einst bemühte man die Schweinegrippe, die laut Medienberichten beinahe die Menschheit ausgerottet hätte, um den gut informierten Bürger zur Impfung gegen selbige zu bewegen. Meine Mama Mausi war ganz bestimmt eine der ersten braven Patienten, die sich den Piecks bei ihrem Hausarzt abholten. Meine renitenten Fragen nach der Notwendigkeit der Impfdosis, wo doch ordentliches Händewaschen wahre Wunder wirken kann, hatte sie mit einer Handbewegung vom Tisch gefegt: Was in der Zeitung steht, stimmt. Basta! Von der grausamen Schweinegrippe berichteten die Medien nur noch einmal. Im Nebensatz und mit der Information, dass man Millionen Impfdosen sozusagen in die nächste Tonne schmiss, weil es keine Schweinegrippe gab. Kosten des Ganzen? Schietegal, der Steuerzahler hat sie gewiss klaglos getragen.

Unvergessen die Vogelgrippe nur wenige Jahre vorher. Der Stau auf dem sommerlich erhitzten Rügendamm erlangte ungeahnte Ausmaße, weil jedes Auto seine Reifen in Desinfektionsmittel tauchen musste, damit man den bösen Keim weder rein, noch raus schleppte. Und was machten die blöden Vögel? Richtig, sie flogen ungerührt ob des Chaos, das sie angeblich verursacht hatten, munter von Insel zu Festland und umgekehrt und kackten auf die frisch desinfizierten Köpfe unter sich.

Apropos Kacke: Ich werde nie den Nachmittag vergessen, als meine über die hiesige Zeitung bestens informierte Freundin Anne mich anrief, um mir panisch vom Besuch meiner Talsperre abzuraten. Laut Zeitungsberichten hatte man nämlich Colibakterien im Wasser entdeckt. Sie würde mich keinesfalls an dieses todbringende Gewässer begleiten, musste sie doch die örtlichen Supermärkte abklappern, um Trinkwasser zu horten. Ich kam nicht um die Frage herum, wer hier nicht ganz richtig tickte? Meine zeitungsgläubige Freundin vielleicht, die blind dieser Meldung folgte und sich wie von der Zeitung empfohlen mit „Trinkwasser bevorratete“, weil Leitungswasser einen qualvollen Tode bringen konnte? Oder etwa doch ich, weil ich mir dachte, dass ein Vogel vielleicht Durchfall hatte und sein Schmetterschiss einige Colibakterien mehr im Wasser hinterlassen hatte, als der Jahresdurchschnitt erlaubte? Man bedenke, dass Colibakterien im Stoffwechselendprodukt eines jeden Lebewesens zu finden sind und somit auch aus Biotopen, wie der unmittelbaren Umgebung einer Talsperre nicht wegzudenken sind. Deshalb wird Trinkwasser ja auch von den Wasserwerken aufbereitet, bevor es getrunken wird. Abkochen wäre für den besorgten Verbraucher auch eine Option. Aber nein, die Medien rieten zu Hamsterkäufen und die Getränkehersteller durften sich über Rekordverkäufe von schnödem Leitungswasser freuen. Leider nicht sehr lange, denn im Nebensatz erschien am nächsten Tag in der nächsten Ausgabe von Annes Tageszeitung die Notiz, dass bei erneuten Proben aus der Talsperre keine erhöhten Werte an Colibakterien nachgewiesen worden seien.

Nun ja.

Der nächste Sommer. Die nächste Schlagzeile, wieder meine Talsperre: Es wurden Blaualgen entdeckt! Baden kann tödlich sein. Dank dieser Schlagzeile hatte ich die Talsperre in diesem Restsommer fast für mich alleine. Und lebe noch immer. Der Grund ist keine Hexerei und auch kein Zufall sondern ganz einfach: Blaualgen mögen Sommerhitze und tummeln sich bei Hitze gerne in seichten Gewässern. Doch wer halbwegs bei Verstand ist und keinen See leer säuft, nach dem Baden gar duscht, hat durchaus reale Überlebenschancen.

Liebe Leser, bitte verstehen Sie meine ketzerischen Zeilen bezüglich medialer Meinungs- und Panikmache nicht verkehrt. Warnungen vor potentiell gesundheitsgefährdenden Vorgängen halte ich durchaus für wichtig. Dennoch sollte sie nicht mit einem Hashtag der Marke „Tod lauert im See“ beginnen. Medien sollten sachlich berichten, Gefahren erläutern, aber keinesfalls versäumen, die Wertigkeit zu benennen oder besser noch, das „Warum“, „Weshalb“ und „Wieso“ dem Leser nahezubringen.

Die sieben W galten übrigens zu einer Zeit, da ich einige journalistische Erfahrungen machen durfte als Grundpfeiler jeder journalistischen Arbeit. Mein verehrter Mentor, Herr A. aus G. hätte mir vermutlich jeden Text um die Ohren gehauen, in dem ich nicht alle W´s ausführlich recherchiert hätte…

Lassen wir das.

Denn was waren Schlagzeilen wie diese doch harmlos, bis Greta kam. Und die Müllberge in den Ozeanen und Ländern der dritten Welt. Ja, liebes Gretakind, alles richtig. Alles wichtig. Und wenn es darum geht, auf Plastik zu verzichten, bin ich ganz vorne dabei. Meinetwegen dürfen sämtliche Wegwerfartikel verboten werden. Leider bin ich überzeugt davon, dass Maßnahmen wie diese an der Vermüllung der Welt nichts ändern werden. Denn, liebes Greatakind und all ihr anderen unsicheren Kinder, die ihr gerade auf den medialen Zug namens „Friday for Future“ aufspringt, beantwortet mir bitte die Frage: Wie kommt all der Müll an den wunderschönen Küsten Afrikas und Asiens denn dort hin? Und, wenn wir schon mal dabei sind, liebe Greta, erkläre den Alten – also Leuten wie mir – bitte mal, wie man die Batterien für E-Autos bastelt. Geht das wirklich ohne die Umwelt zu belasten? Wie entsorgt man die Dinger, wenn sie kaputt gehen? Ich denke da nur an die kleinen Batterien aus meinem Haushalt. Die gehören in den Sondermüll. Und mein Geist kommt nicht umhin, sich die Elektroautoschrottberge der Zukunft vorzustellen. Eine Zukunft, liebes Gretakind, die ich hoffentlich nicht erleben werde. „Friday for Future“ mag in der Grundvorstellung eine coole Sache sein. Zu Ende gedacht ist sie definitiv nicht. Könnte sie vielleicht, wenn ihr kleinen Schlaumeier freitags zur Schule gehen würdet, damit ihr für die Zukunft lernt, wie man großartige Ideen von ihrer Entstehung bis zu ihrer Entsorgung realisiert. Hierzu ein Beispiel für eure Hausaufgaben: Eine vierspurige, winterlich verschneite Autobahn in völliger Stille. Wohin das Auge reicht, E-Autos, denen schon nach kurzer Zeit im unvermeidlichen Weihnachtsstau das Licht, ähm die Batterie ausgegangen ist. Weiterfahren Fehlanzeige. Und nun, liebe Generation „Friday for Future“ die Preisfrage: Wie löst ihr dieses Problemchen? Wie kriegt ihr all die toten Batterien von der Straße?

Nur ganz nebenbei sei bemerkt, dass auch meine Generation und die vorher nicht ganz untätig gewesen sind, wenn es um den Umweltschutz geht: Schon mal von saurem Regen gehört? Von toten Flüssen? Nein?

Nun, Klein Greta reist samt ihrer liederlichen Zöpfe und der ungnädigen Zornesfalte zum Klimagipfel. Ich würde mir wünschen, dass die Medien ihr ein paar Fragen stellen, die Staunen und möglicherweise Nachdenken auf den kindlichen Zügen der Greta Thunberg hervorrufen.

Ich würde mir wünschen, dass es keines Klimagipfels bedarf, um eigenes Denken in den Köpfen der Nutzer egal welcher Medien anzukurbeln. Plastik muss man nicht per Gesetz verbieten. Es wäre ein Anfang, wenn jeder Picknickliebhaber seinen eigenen Müll wieder mitnimmt. Es wäre ein guter Weg, wenn der gemeine moderne Mensch mal wieder selber kochen würde, statt sein Fertigessen in irgendwelchen Plastikschalen von A nach B zu schleppen. Und es wäre schön, wenn man die Brasilianer dazu bewegen könnte, die gierigen Pfoten vom Regenwald zu lassen. Oder wie meine Oma Stock immer zu sagen pflegte: „Ein jeder kehre vor seiner eigenen Tür.“ Will sagen: Eigenverantwortung.

Ich weiß genau, wie gefährlich das geschriebene Wort sein kann. Nicht nur, wenn es um Politik und Umweltschutz geht. Wenn ich einen Text veröffentliche, kann ich darauf warten, dass sich Diskussionen ergeben. Weil manch ein geneigter Leser zwischen den Zeilen liest. Ein Phänomen, das ich grundsätzlich begrüße, zeigt es doch, dass ich mein Ziel erreicht habe: Jeder darf und soll sich seine eigenen Gedanken zu einem Text von mir machen. Irgendein wirklich kluger Kopf sagte einst: „Der Empfänger bestimmt die Nachricht.“ Ich weiß, dass es genau so ist. Autoren schreiben, was sie wollen. Im besten Fall schaffen sie es, den Leser abzuholen, mitzunehmen und fliegen zu lassen. Realistisch betrachtet ist es allein der Fantasie des Lesers überlassen, ob und was er zwischen den Zeilen eines Textes liest. Manchmal ist zwischen den Zeilen schlicht der Aufhänger, der zu des geneigten Lesers Grundstimmung passt und darauf stürzt der Leser sich. Diese Psychologie ist einfach und verhindert, dass wir uns mit dem buchstäblichen Dreck vor unserer eigenen Haustür – nämlich uns selber – befassen.

Nicht arme Welt, armes Deutschland, arme „Friday for Future“- Bewegung. Armes Ich. Armes Du.

(Aus: Das beste Jahr/ 2019)

Winterschlaf mit Scarlett


In meiner Jugend besaß ich ein Exemplar „Vom Winde verweht“. „Bück dich Ware“ versteht sich, denn Margaret Mitchell zu lesen war garantiert politisch nicht korrekt. Es war ein hässliches, aus drei Bänden bestehendes Paperpackexemplar von irgendeinem volkseigenen DDR- Verlag mit schwarzgrauem Cover und auf einem Papier geschrieben, das an das Klopapier der damaligen Zeit erinnerte. Nach heutigen Maßstäben wäre dieses Papier vermutlich ökologisch einwandfrei und grün zertifiziert, aber lassen wir das…

Ich habe dieses Buch geliebt und wie einen Schatz gehütet. Vielleicht wollte ich gerne ein bisschen so sein wie die unerschrockene Scarlett, die in ihren Gedankengängen ihrer Zeit weit voraus gewesen ist. Dabei war Scarlett doch eigentlich nur auf der endlosen Jagd nach ihrer ganz großen Liebe Ashley … Um erst am Ende des Buches ganz anderes zu kapieren. Zu spät, wie mir immer schien. Die Geschichte meines Lebens? Wir Mädels seufzten schon damals bei dieser Frage und mixten uns ein Chardonnayschörlchen. Aber in diesem Buch ging es um so viel mehr. Es ging um Familie und Verpflichtung. Es ging um Ehre und Koventionen. Und es ging um Heimat.

Mararet Mitchell wurde für dieses Werk übrigens 1937 mit dem Pulitzer-Preis geehrt. Ich will gar nicht darüber nachdenken, wie oft die viel zu früh verstorbene Autorin sich wohl in ihrer Gruft gewälzt hat, als man dieses großartige Werk verfilmt hat. Denn heraus kam eine vor Schmalz triefende Schnulze, die mit dem Buch kaum noch Ähnlichkeit hatte.

1991 erschien der Roman „Scarlett“, die Fortsetzung des berühmten Romans von Margaret Mitchell. Ich war bestimmt nicht die erste, aber garantiert unter den ersten, die Alexandra Ripleys Fortsetzungsroman „Scarlett“ gelesen haben. Na und? Manche standen wegen Tonträgern stundenlang Schlange. Ich tat es, um das knapp achthundert Seiten dicke Buch zu ergattern. Die 48 D-Mark waren eine Menge Geld für mich, aber jeder Pfennig war es mir wert.

Die Geschichte der Scarlett geht genau an der Stelle weiter, wo ich damals in meiner Jugend das Buch zugeklappt hatte, als Scarlett sagte: „Morgen auf Tara will ich darüber nachdenken. Dann werde ich es ertragen. … Schließlich, morgen ist auch ein Tag.“

Wieder geht es um die starke Scarlett, die an unerfüllter Liebe und nicht zuletzt an den Wertvorstellungen der Welt in der sie lebt, zu zerbrechen scheint.

Wieder verschlang ich das Buch hingerissen. Wenn ich ehrlich bin, muss ich gestehen, dass ich dieses Werk noch besser finde, als „Vom Winde verweht“ selbst. Es ist so vielfältig, voller Liebe und Magie, Schmerz, Traurigkeit und wunderbarem Lebenswillen. Alexandra Ripley ist es gelungen, Margaret Mitchells Werk nahtlos und so sensibel fortzusetzen, dass der Leser den Autorenwechsel gar nicht bemerkt. Ich tauchte ein in die Welt der Südstaaten nach dem Bürgerkrieg und litt mit meiner Freundin Scarlett, die zur Heldin und Geächteten gleichermaßen wird, weil sie die Familie vor Verarmung und Hungertod rettet. Ich floh mit ihr nach Irland, in die Heimat ihres Vaters und las mit Begeisterung davon, wie sie das Land ihrer Vorfahren zu neuer Blüte bringt und wieder gegen die Konventionen eines Landes kämpfen muss, genauso wie gegen den allgegenwärtigen irischen Aberglauben. Wieder geht es um Liebe. Die ganz große … hach.

Chardonnayschorle bitte …

Wie konnte es bloß passieren, dass dieses großartige Buch in meinem Bücherregal in Vergessenheit geraten konnte? Meine eigene große Liebe? Meine eigenen Verluste? Meine eigenen inneren Kämpfe? Das wirkliche Leben eben. Dann kam das böse C und wurde von Kriegen in viel zu nahen Ländern, Inflation und grünem Genderwahnsinn abgelöst und ich hatte oft das Gefühl, wegen meiner politisch unkorrekten Denk- und Schreibweise rechts außen zu stehen. Isoliert und geächtet.

Neulich entdeckte ich „Scarlett“ in meiner Lieblingsbibliothek wieder. Es nimmt nicht ganz den Platz ein, den es meiner Meinung nach verdient und den es in meinem Bücherregal hat, aber es ist noch da und ich begrüßte es wie eine alte Freundin und kam nicht um die Frage herum:

Bin ich etwa ein bisschen Scarlett?

Möglicherweise bin auch ich eine Frau, die in Herzensangelegenheiten mitunter auf Holzwegen unterwegs ist.

Aber während Scarlett für ihre Instinkte verurteilt wurde, weiß ich genau, für welche Werte ich stehe. Mir ist mehr als bewusst, dass diese politisch nicht korrekt sind. Wie Scarlett ist es mir nicht möglich, mich zu verbiegen und den Ideologien anderer zu folgen, damit keiner mit Fingern auf mich zeigt. Dennoch verletzt mich Ausgrenzung und Ablehnung und ich kämpfe um den Stolz der O`Hara, mir dies nicht anmerken zu lassen.

Ich bin eine Frau, die ihre Heimat liebt. Aber während Scarlett den Krieg in ihrer Welt als Gott gegeben hingenommen hat, ist mir dies unmöglich. Ich glaube nicht an die neue These, dass nur noch mehr Waffen Frieden schaffen. Da tötet eine Rakete unschuldige Menschen in Polen und der Mann im Khakishirt zeigt sofort mit in Unschuld gewaschenen Pfoten auf den Typen im Kreml. Was der dazu zu sagen hat, erfährt hierzulande keiner. Aber mich erstaunt es, dass ausgerechnet der alte Mann aus Amerika dem T-Shirtträger auf ebenjene Pfötchen haut und die Möglichkeit auf den Tisch packt, dass jene Rakete aus Ukrainien kam. Und seitdem? Ruhe. Die Staatsmedien schweigen. Der Krieg geht weiter.

Weltklimagipfel in Ägypten? Die Weltherrschaften reisen selbstverständlich mit dem Flieger an. Jeder mit seinem eigenen versteht sich. So viel Staatsmacht muss gezeigt werden. CO2 Bilanz? Ach geh… Schmarrn!

Fußballweltmeisterschaft in Katar? Jeder blökt wegen der Menschenrechte dort herum. Aber keiner fragt, wie es kommen konnte, dass dieses Land überhaupt in die engere Wahl kam, als es um mögliche Austragungsorte für derlei Spiele ging.

Ich bin nicht unerschrocken wie Scarlett. Ich mache mir Gedanken über die Welt. Und die machen mir Angst. Wäre ich wie Scarlett, würde ich morgen darüber nachdenken. Morgen könnte ich es ertragen. Auf meiner Scholle.

Bei diesem Gedanken wird mir klar, dass ich kein bisschen Scarlett bin. Ich will Frieden.

Basta.

Für den in der Welt bin ich nicht zuständig. Meine Ideologie ist die falsche. Die der anderen kann ich immer weniger ertragen. Also habe ich beschlossen, meine Strategie zu ändern. Frei nach dem Motto: „Ignorieren hilft.“ begebe ich mich in Winterschlaf. Ich kuschele mich auf meiner Scholle ein und lasse die Welt mit all ihren Experten, Klugsch… und Gutmensch*innen draußen. Ich nehme – so wie früher – „Scarlett“ mit auf die Couch und mit einem Becher Glühwein und einem Schokolädchen dazu ist meine Welt wieder in Ordnung. Naja, fast.

Bis die Tage, Pauline

Mauerblick


Vor dreiunddreißig Jahren wurden die Mauern, die Deutschland teilten, in der friedlichen Revolution von 1989 niedergerissen.
In diesem Zusammenhang fragten neulich die süßen jungen Dinger in meinem Umfeld, wie das denn damals so war, als die Mauer fiel…

Und ich kam wieder einmal nicht umhin zu bemerken, wie wenig die Generation unserer Kinder über dieses bahnbrechende Thema deutscher Geschichte weiß.

Ich war selber noch ein Küken, denn ich wohnte 1989 noch bei Mama und Papa, was nicht daran lag, dass ich nicht aus dem elterlichen Nest wollte, sondern viel mehr daran, dass es einfach keine Wohnungen gab…
Jedenfalls bin ich im Herbst 1989 ziemlich regelmäßig mit einer Kerze in der Hand bei den Montagsdemos gewesen. Wir gingen für die Freiheit auf die Straße. Aber habe ich viel darüber nachgedacht, was genau diese Freiheit eigentlich war? Und wenn sie kam, wie würde sie sein? Ich glaube, dass ich mich selber in dem System, in dem ich aufgewachsen bin, nie wirklich hinterfragt habe. Ging es mir ums Reisen? Ich habe immer die Postkarten bestaunt, die der westdeutsche Teil meiner Familie uns aus sonnigen Urlaubsländern schickte. Als ich mit Papa Hans-Walter an der alten Mole in Warnemünde stand, erzählte er mir, dass dahinter die Welt erst anfängt. Er erzählte auch von seiner Sehnsucht nach dieser Welt und Fernweh wurde ein Begriff für mich, als ausgerechnet an diesem Tag das ZDF Traumschiff in Warnemünde ablegte. Das alles weckte eine gewisse Sehnsucht in mir. Ich wollte gerne die Welt sehen. Aber dieser Wunsch war nicht groß genug, als dass ich dafür das Gefängnis oder gar mein Leben riskiert hätte. Denn auszureißen konnte tödlich sein und genau da begann mein Problem. Wieso war es verboten, die Welt zu entdecken? Wenn der Sozialismus die einzige lebenswerte Daseinsform war, wieso ließ man uns dann nicht die Möglichkeit, selber zu dieser Erkenntnis zu kommen? Ich hatte schon damals meine Probleme damit, die Ideologien anderer fraglos zu übernehmen. Ich wollte selbst bestimmen, was ich dachte und wollte nach meiner eigenen Ideologie leben. Ich glaube, dass meine persönliche Revolution damit begonnen hat, dass ich mich statt für die Jugendweihe für die Konfirmation entschieden habe.

Ich habe die Westpakete, die meine heiß geliebte Tante uns regelmäßig schickte, immer sehnsüchtig erwartet. Jedes einzelne war verheißungsvoll wie Weihnachten. Schon der Geruch, der dem ungeöffneten Paket entwich… Himmlisch. Wenn Tante Schüli uns besuchte, brachte sie alle möglichen Köstlichkeiten aus dem Westen mit und versorgte uns Mädchen immer mit schönen Klamotten. Und als ich erwachsen wurde war sie es, die mich mit der ersten schönen Unterwäsche jenseits von Blümchenbaumwolle und weißem Feinripp versorgte. Sie war es, von der ich den ersten Lippenstift und das erste Duftwässerchen bekam. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich im Alltag meiner Jugend wenig vermisst. Ich kannte es ja nicht anders.

Am 9.November 1989 passierte das, was genau genommen keiner erwartet hat. Ich hatte einen meiner ersten Bereitschaftsdienste und bekam erst mit, dass irgendwas passiert sein musste, als Papa Bär, ein riesiger Rettungssanitäter mit leuchtenden Augen berichtete, dass sich ein Stau vom Boxberg bis nach Eisenach gebildet hatte. Alle wollten in den Westen…

Ich verließ die DDR am folgenden Wochenende zum ersten Mal in Richtung Westen. Tante Schüli riss freudig die Haustür auf und mein Onkel Georg rief: „Wieso kommt ihr jetzt erst?“ Es war die Familie, die uns freudig in die Arme schloss und ich habe in diesen ersten Wochen nirgends etwas anderes erlebt, als bedingungslose Freude darüber, dass Deutschland vereint war.

Dreiunddreißig Jahre später sehe ich mich wieder vor Mauern.

Offiziell gesehen stehe ich auf der falschen Seite. Schon wieder. Weil ich den deutschen Umgang mit dem bösen C immer hinterfragt habe, musste ich die Gutmenschin in ihrer ganzen linientreuen Einfachheit kennen und fürchten lernen. Als mich diese Frau in einen Topf mit „Nazis“ schmiss, fand ich mich zurückversetzt in die Zeit der Mauern. Was ist mit unseren Köpfen los? Haben wir nichts aus der Vergangenheit gelernt? Doch das Gezeter dieser Blondine mit den baumelnden Dingern an den Ohrläppchen und den viel zu grellen Lippen ist nichts gegen das, was uns ganz aktuell widerfährt:

Putins verachtenswerter Angriff auf die Ukraine ist und bleibt furchtbar. Schrecklich. Verachtenswert. Doch wie edel sind die Beweggründe des Typen im Khakishirt, also des Mannes, der kürzlich gar einen atomaren Präventivschlag forderte? Und überhaupt… Wie kann es sein, dass neuerdings propagiert wird, dass nur noch mehr Waffen Frieden schaffen? Wie kann es sein, dass unsere Regierung offen für ein fremdes Land eintritt und die eigene Bevölkerung auf harte Zeiten einstimmt? Wie kann es sein, dass die Obersten unseres Landes von uns verlangen, dass wir für die Freiheit (anderer) frieren, dass wir uns aus lauter Solidarität mit der Ukraine künftig nur noch mit dem Waschlappen abfeudeln und wenn es uns richtig kalt wird, noch einen zweiten Pullover überziehen, weil wir uns die Heizung nicht mehr leisten können? Wie kann es sein, dass die deutsche Außenministerin die Nöte ihrer Wähler für nichtig erklärt im Vergleich mit hungernden Menschen in Afrika und den Kriegsopfern aus der Ukraine? Alles schlimm, alles richtig. Aber die Frage, wem diese Frau verpflichtet ist, bleibt ungeklärt.

Mit Verlaub, wenn all diese Forderungen von Leuten, die selber nichts von dem tun werden, was sie von uns verlangen, den Krieg in der Ukraine auch nur einen Tag früher beenden würden, wäre ich ganz vorne dabei… Mir scheint aber, dass nichts dergleichen passiert. Im Gegenteil. Keine der kriegführenden Parteien scheint auch nur ansatzweise an diplomatischen Lösungen interessiert zu sein.

Gedanken wie meine sind sicher keine Ausnahme, aber wie zu erwarten war, werden die nach rechts geschubst. Gnadenlos. Sie sind schließlich nicht regierungskonform. Wie könnten sie auch. Angesichts von Doppelwumms und anderem Dummisprech sind Leute wie die Gutmenschin vermutlich ganz auf des Kanzelers Seite, während Leute wie ich auf die Straße gehen.

Wieder mal.

Neuerdings gibt es gar Diskussionen im Netz, in denen die Frage aufgeworfen wird, wieso der Osten eher die Sanktionen gegen Russland verurteilt, während der Westen weniger kritisch gegenüber politischen Ampelmännchenentscheidungen ist. Ganz offiziell urteilen die Medien, dass im Osten die Russen verherrlicht werden, weil die Ossis nun mal mit ihnen gelebt haben. Dieser unverschämten These möchte ich an dieser Stelle ganz vehement widersprechen: Ich bin in unmittelbarer Nähe einer russischen Garnision aufgewachsen. Und ich versichere, dass die Anwesenheit der bis an die Zähne bewaffneten Soldaten, ihrer Panzer und der vielen goldbezahnten Frauen in meiner Erinnerung alles andere als verklärt ist. Im Gegenteil: Ich war froh, als dieser Teil deutscher Geschichte endlich vorbei war. Und ich bin sicher, dass es viele Ossis gibt, die ebenso denken. Meine Erklärung dafür, dass Ostdeutschland mehr als die westdeutschen Mitbürger in diesen Tagen auf der Straße anzutreffen sind, um gegen Regierungs zu protestieren, ist eine ganz andere:

Der Osten hat einfach nicht dieselben finanziellen Hintergründe wie seine Mitbürger jenseits der Mauer, um die Folgen deutscher Sanktionspolitik abzufangen. Wir haben in den letzten dreiunddreißig Jahren einen bescheidenen Wohlstand erarbeitet, der ganz sicher nicht Jahre exorbitanter Inflation überstehen kann.

Ich kann in der heutigen Politik nichts vom besten Deutschland aller Zeiten entdecken. Eigenes Denken und abweichende Meinung wird diskriminiert und ich fühle mich schlimmer bedrängt als damals in meiner Jugend, als freies Denken nicht Nazi, aber klassenfeindlich war. Heute leben wir in einem Land, dass mit erhobenem Zeigefinger jeden ausgrenzt, der sich den Luxus einer eigenen Meinung leistet.

Wir leben in einem Land, wo man praktisch jeden Tag das Geschlecht ändern darf, aber wehe, die Meinung weicht von der offiziell propagierten ab. Es mag sein, dass ich den Luxus genieße, im besten Deutschland aller Zeiten zu leben, aber ich werde den Gedanken nicht los, dass all die großen Menschen, die Deutschland zu dem gemacht haben, was es einst war, Menschen wie Schiller, Goethe, Kohl, Genscher und auch Gorbatschow – der Vater der friedlichen Revolution – in ihren Gruften routieren.

Geschichten aus dem Nähkästchen, die Elfte: Coming out


Coming out

Hast du morgen Abend Zeit für ein Wiedersehen? Ich muss dir so viel zu erzählen.“
Die Nachricht war von Hannah, einer Freundin, die während der vielleicht glücklichsten Zeit meines Lebens, nämlich meinen ersten Jahren als Mama, Teil meines Lebens gewesen ist:
Meine Schwangerschaft ist alles andere als unkompliziert verlaufen. Ich hatte noch nicht die Hälfte dieser unglaublich intensiven Zeit hinter mir, als vorzeitige Wehen mich nicht nur ins Bett, sondern gleich in die Klinik beförderten. Ich musste mich einer kleinen Operation unterziehen, um das Leben meines Kindes zu nicht weiter zu gefährden. Danach war für lange Wochen strenge Bettruhe angesagt. Zu klein war das Kind, zu unreif die Lungen, als dass man mich nach Hause entlassen hätte. Doch bevor ich den Ernst der Lage so weit verdaut hatte, dass Traurigkeit und Trübsal mich befallen konnten, bekam ich eine Bettnachbarin, die auch nicht besser dran war als ich. Die blonde Hannah wurde im Handumdrehen zu meiner engsten Vertrauten. Schließlich teilten wir dasselbe Schicksal: Die Angst um unsere ungeborenen Kinder.
So kam es, dass wir an heißen Juniabenden bei weit geöffnetem Zimmerfenster in unseren Betten saßen und vor unseren dicken Bäuchen große Schüsseln mit knallroten Erdbeeren auf den Knien balancierten, während wir über Gott, die Welt und unsere Ängste kicherten. Hannahs Tochter sollte vier Wochen vor meiner geboren werden und als die größte Gefahr gebannt schien, konnte sie die Klinik verlassen. Wir verabschiedeten uns tränenreich und in der Gewissheit, dass wir uns nicht verlieren würden. Die Schwestern versprachen, dass wir – sollten wir entgegen aller Berechnungen – zur selben Zeit entbinden, erneut ein gemeinsames Zimmer bekommen würden. „Das ist versprochen und wenn wir die ganze Station umräumen müssen“, sagte Schwester Annemone zwinkernd.

Tatsächlich trafen wir beide wenige Wochen später wieder in der Klinik ein und verbrachten weitere Wochen zwischen Bangen und Hoffen, bevor unsere Kinder im Abstand von kaum zwölf Stunden das Licht der Welt erblickten. Die Schwestern hielten Wort und machten es möglich, dass wir dasselbe Zimmer beziehen konnten wie damals. Ein einziges Versprechen konnte nicht eingehalten werden: Hannahs kleine Tochter wurde ein sehr großer Sohn.

Unsere Kinder wurden in den folgenden Jahren fast wie Geschwister, denn Hannah und ich verbrachten fast unsere gesamte Zeit zusammen.

Jedenfalls hielt unsere Mädelsfreundschaft so lange, bis Hannah den miesepetrigen Gatten verließ, um weit weg von daheim ganz neu anzufangen. Wir sahen uns in den nächsten zehn Jahren höchstens dreimal. Einmal lud sie mich ein, sie in ihrem neuen Leben zu besuchen. Hannah hatte geheiratet und war gerade nochmal Mama geworden.

Jahre später begegnete sie mir ganz zufällig auf der Straße. Ich war damals auf der Suche nach einer neuen Liebe über einen Frosch ganz in Hannahs in ihrer Nähe gestolpert. Mit diesem ging ich gerade spazieren, als mir die blonde Frau in dem kleinen Auto auffiel. Die Szene war seltsam, denn ich konnte die Fahrerin im Gegenlicht nicht erkennen und wusste erst, dass es Hannah war, als die auf mich zulief. Dann lagen wir einander tränenreich in den Armen. Es stellte sich heraus, dass Hannahs Ehemann ein Schulfreund meiner www – Bekanntschaft war und so kam es, dass wir eine schöne Nachmittagsstunde in Hannahs traumhaftem, terassenförmig angelegten Garten verbrachten und unserer Freundschaft ein update verpassten, während die Männer die eigene Bekanntschaft auf den neuesten Stand brachten.

Seit ich sie kannte, träumte Hannah vom eigenen Partyservice. Doch diesen Traum hatte sie inzwischen der Familie zuliebe zu den persönlichen X Akten gelegt. „Mir fehlt einfach die Zeit für so einen Schritt.“, meinte sie leichthin. „Ich bin Kantinenchefin einer Firma direkt hier im Ort. Das ist ein Halbtagsjob. So verdiene ich ein bisschen Geld und habe Zeit für die Familie.“ Sie schien zufrieden zu sein und ich fragte nicht weiter. Beim gemeinsamen Essen hatte ich Gelegenheit, ihren Mann unauffällig zu mustern. Er wirkte ruhig, fast schüchtern auf mich und blickte freundlich durch dicke Brillengläser. Er war wesentlich älter als Hannah und ich bewunderte ihn ein bisschen für seinen Mut, in seinem Alter eine Familie zu gründen.

Unser Kontakt brach erneut ab, als ich den hessischen Lurch in seinen www -Tümpel schmiss. Hannah schien meistens so eingespannt zu sein, dass ihre Zeit kaum reichte, um eine Nachricht zu beantworten.

Bis zu einem Tag im letzten Sommer, als wir endlich mal wieder telefonierten und sie gestand, dass sie nicht mehr glücklich war: „Es ist, als ob ich allein erziehend bin. Mein Mann ist nie da. Er arbeitet viel und hat abends keinen Nerv mehr für mich und die Kinder. Dann ist er ungehalten und wird schnell wegen Kleinigkeiten laut.“ Mich überraschte das Geständnis nicht weiter, denn mich hatte bei unserer Begegnung damals schon das Gefühl beschlichen, dass Hannah sich irgendwo zwischen Ehefrau und Familienglück verloren hatte. Der Traum vom eigenen Unternehmen schien ausgeträumt, was ich sehr bedauerlich fand, denn ihre Kuchen, Torten und die Buffets, die sie immer wieder für besondere Anlässe kreierte, waren aus meiner Sicht für den Hausgebrauch viel zu schön. Hannah überlegte weiter: „Ich glaube, dass ich gerade auf einer Art Selbstfindungstrip bin, um mich auf meine Stärken zu besinnen. Mein Mann ist irgendwo stehen geblieben. Vielleicht bin ich ihm auch zu schnell? Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, dass ich mich in den letzten Jahren so an Familienprojekte geklammert habe, um das Wir und das Uns am Leben zu halten. Aber mir wird immer klarer, dass mir das nicht reicht.“ Von unserer räumlichen Entfernung spürte ich während es Telefonats nichts. Wir waren uns so nah, als wären wir im selben Raum, auf dem gleichen Sofa, mit derselben Flasche Wein auf dem Tisch. Ich hörte schweigend auf Hannahs ruhige Stimme und spürte fast körperlich, wie gut es ihr tat, sich aussprechen zu können. Es war das gleiche Verständnis, die gleiche Vertrautheit zwischen uns, die uns schon damals verbunden hatte. Vielleicht fühlt Hannah sich ganz ähnlich, denn sie sprach nachdenklich weiter: „Manchmal fehlt mir der Mut und ich habe Angst davor, meinen sicheren goldenen Käfig zu verlassen. Und dann wieder gibt es die Momente, wo mich so sehr der Hunger nach mehr … Leben packt. Dann möchte ich am liebsten sofort meine Kids einpacken und nur noch weglaufen.“ Ich wusste genau, was in Hannah gerade vorging. Gedanklich hatte sie ihre Trennung bereits vollzogen. Aber im Herzen loszulassen, war eine ganz andere Sache. Immerhin gab es Kinder. Ihnen das Zuhause zu nehmen, erforderte auch eine Portion Mut. Das war nun mal so, wie ich mich seufzend erinnerte. Meine eigene Ehe war Jahre zuvor in einem Rosenkrieg zu Ende gegangen, den ich niemandem wünschte. Nicht nur meinem Kind zuliebe, sondern auch wegen einer gehörigen Portion Feigheit hatte ich viel zu lange in einer Verbindung ausgeharrt, die mir alles genommen hatte, was mich ausmachte: Lebensfreude, Mut und Selbstachtung. Denn bei einer Trennung geht es nie nur um den eigenen Schmerz. Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass ungeachtet aller Ereignisse letztlich der Teilnehmer, der aus einer Beziehung geht, die Schuld am Scheitern der Liebe trägt.

Nach diesem langen Telefonat wurde es wieder sehr still um Hannah. Bis zu jener Nachricht…

Am nächsten Abend schlossen wir uns nach langer Zeit wieder in die Arme. Ich war sehr gespannt zu erfahren, was sich seit unserem Telefongespräch vom letzten Sommer in ihrem Leben ereignet hatte. Doch Hannah war nicht allein, sondern wurde von einer freundlich schauenden, kräftigen Frau begleitet, die mich sogleich herzlich umarmte. „Ich bin Jacqueline.“, stellte sie sich vor. „Sage bitte Jackie zu mir.“ Hannah erklärte mir, dass Jackie die gute Freundin war, die ihr durch die schwere Zeit der Trennung geholfen hatte. Aber nachdem wir am Wein genippt hatten, sagte sie leise: „Deine Meinung, nein du .. bist mir immer sehr wichtig gewesen und deshalb möchte ich, dass du alles weißt: Jackie ist nicht nur meine Freundin. Seit einem halben Jahr ist sie meine Lebensgefährtin.“

Ich war nicht wegen der Eröffnung berührt, dass Hannah eine gleichgeschlechtliche Beziehung eingegangen war, sondern wegen ihrer Furcht vor meiner Reaktion. Es bewegte mich sehr, dass Jackie darauf bestanden hatte, dass Hannah mir persönlich von der Veränderung in ihrem Leben erzählte. Ich holte tief Luft: „Liebes, ich danke dir für deine Offenheit. Du brauchst meine Zustimmung aber nicht! Es ist nur wichtig, dass es dir gut geht!“

Sollte es nicht grundsätzlich wurscht sein, wer mit wem und wieso? War nicht allein das wichtig, was zwei Menschen einander zu geben hatten?

Ich konnte vielleicht nicht beurteilen, ob meine Freundin glücklich war. Aber sie sah eindeutig so aus. „Meinen Segen habt ihr!“, sagte ich mit Überzeugung.

Nachdem dies geklärt war, erzählten wir uns, was sich in unseren Leben sonst so ereignet hatte. Ich erzählte ihr von Aaron und von meinem Lieblingskind, dass an einer Uniklinik in Rheinland-Pfalz einen Job verrichtete, der mein mütterliches Herz stolz machte. Hannahs blonder Sohn studierte irgendwas mit Politik und auch ihre Kleinen waren inzwischen aus dem Gröbsten raus und schon Schulkinder. Das Beste aber war, dass Hannah dabei war, ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Sie arbeitete derzeit an einem Konzept, dass sie der Bank vorlegen wollte, um den Kredit zur Existenzgründung zu bekommen. Jackie strahlte in ihre Richtung und murmelte: „Was liebe ich diese Frau!“ Ich freute mich für Hannah, für ihren Traum und für ihre Liebe.



















Kastanienfreuden


Alle Jahre wieder werden die Blätter bunt und manchmal lässt der Wind die bunte Farbenpracht auf uns regnen. Neulich erst ging ich allein mit den Gedanken, die mich gerade bedrücken an meiner Talsperre spazieren. Die alte Staumauer hat zu jeder Jahreszeit etwas seltsam Tröstliches für mich und als eine Windböe mich in einen bunten Blättertanz verwickelte, fühlte ich ein etwas von der alten Leichtigkeit zurückkommen. Mein inneres Prinzesschen jauchzte…

Ein anderer Herbst fiel mir ein:

Ich war Mutter einer Fünfjährigen, die unbedingt Kastanien sammeln wollte. Doch in jenem Herbst gab es wohl jede Menge Kastanienlaub, aber nirgends die stacheligen Kugeln. Auch die zahlreichen alten Kastanien des Krankenhausparks warfen jede Menge Laub, aber keine Kastanien ab…
„Das war dann mal nix mit den Kastanienbasteleien.“, dachte ich erleichtert und ich gestehe an dieser Stelle ein bisschen verschämt, dass Basteln nie zu meinen Leidenschaften gehört hat. Bedauerlicherweise hat mich das Universum als Grobmotorikerin in diese Welt geschickt und so kam es, dass meine Bastelkreativität bestenfalls rudimentär ausgebildet ist.

Damals herrschte in den Kreiskrankenanstalten ein strenges Regime, dass kleinste Vergehen gnadenlos ahndete. So hatte auch ich in jenem Herbst bei meiner Chefin nichts zu lachen, weil ich so unvorsichtig gewesen bin, irgend ein benötigtes Mittelchen aus der Apotheke zu ordern, ohne die Gnädigste um Erlaubnis zu ersuchen. Wegen dieses Leichtsinns hatte ich vermutlich ihr Ego zerknittert. Sie schrie über den Klinikflur hinter mir her, dass ich das Dümmste sei, was ihr jemals begegnet war. Ich kämpfte mühsam gegen die aufsteigenden Tränen. Es war unter uns jungen Labormäuschen ein ungeschriebenes Gesetz, dass sie uns niemals weinen sehen durfte. Mein Stolz hatte schon genug darunter gelitten, dass jeder, der zufällig in der Nähe war, ihren Ausbruch gehört hatte und nun wusste, wie doof ich war…
Ich schlich also auch noch Tage später geknickt durch die Flure. Immer auf der Hut vor der Chefin und immer in Sorge, welche meiner vermeintlichen Untaten sie wohl gerade aufgedeckt haben konnte. Und – ich gestehe verschämt – auch immer in der leisen Hoffnung, dass die Chefin endlich ein neues Opfer für ihre Schikanen fand und mich in Ruhe ließ.

Beim Frühstück, welches damals immer gemeinsam von allen Mitarbeitern eingenommen wurde, erzählte ich meiner Lieblingskollegin von dem Dilemma um die nicht vorhandenen Kastanien, als es aus der Richtung der Chefin bellte: „Kommen Sie am Samstag gegen drei zu mir in den Garten. Da kann ihre Tochter Kastanien auflesen.“ Mir blieb das Brot im Hals stecken. Reichte es nicht, dass dieser Drachen mich die ganze Woche in seinen Fängen hatte? Doch diese Aufforderung war kein Vorschlag, sondern klang wie ein Befehl.

Ich packte also am fraglichen Samstag mein Lieblingskind kuschelig ein, zog mich vorsorglich im übertragenen Sinne auch gleich warm an und fand mich pünktlich am Tatort Gartenzaun ein.

Der Drache war der Liebreiz selber. Er herzte mein Lieblingskind und es fehlte nicht viel, dass er mich gleich mit geknuddelt hätte. Das Kind warf sich jauchzend in den Blätterhaufen und sammelte so viele Kastanien ein, dass wir den ganzen Kindergarten mit Bastelkram versorgen konnten. Das Leuchten der Kinderaugen versöhnte mich ein bisschen mit dem plötzlich so flauschigen Drachen. Vielleicht konnte der ja gar nichts dazu, dass er gelegentlich Feuer spuckte?

Der Drache überraschte mich erneut, als er sich am nächsten Arbeitstag äußerst interessiert am aktuellen Bastelvorgang meines Kindes zeigte. Ich brachte ihn auf den neuesten Kastanienstand und bedankte mich artig nochmals für die Einladung zum Kastaniensammeln. Da fing der Drache plötzlich an, laut zu lachen und gestand: „Ich wollte Ihrem Kind eine Freude machen, ohne zu wissen, dass die Kastanie in meinem Garten in diesem Jahr auch keine Früchte trägt. Also habe ich im nächsten Bastelladen einen Sack Kastanien gekauft und sie unter dem Baum verteilt. Das Vergnügen ihrer Kleinen war mir eine große Freude.“

Damals ist mir klar geworden, dass in dem Feuer spuckenden Drachen ein flauschiges Vögelchen schlummerte, dass auch nur geliebt werden wollte. Ich kam nicht drum herum zu erkennen, dass nichts ist, wie es scheint und jedes Ding zwei Seiten hat. Manchmal leuchten die schönen Seiten, aber frau muss sie auch sehen wollen…

Herzlichst, Pauline

Oktoberkind


Oktoberkinder gehören spirituell betrachtet entweder zum Sternzeichen Waage oder Skorpion. Waagen sind angenehme Zeitgenossen, denn sie streben nach Harmonie. So sehr, dass sie mitunter statt „Ja.“ oder „Nein.“ lieber „Jein!“ sagen, aus Furcht, sich falsch zu entscheiden, oder dem Anderen weh zu tun.
Während die Waage durch ihren Hang zur Ästhetik, also der Liebe zu allem Schönen und ihrem fast zwanghaften Streben nach Ausgleich und Harmonie ein äußerst friedliebender Zeitgenosse ist, ist der Skorpion ein eher unruhiger Geist. Er ist ein furchtloser Kämpfer, belastbar, unerschrocken und zäh. Man sagt ihm nach, dass er aufbrausend und stürmisch ist. Angeblich sind Skorpione beständig auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, hinterfragen, diskutieren und kämpfen. Grübelnd und analysierend sucht der Skorpion immer nach Fragen, um darauf Antworten zu finden.

Mein Lieblingskind war als Skorpion geplant und dieser Umstand ließ mich als bekennende Gläubige, wenn es um Spirituelles geht, damals ein wenig nachdenklich werden. Ich selber schwimme nämlich – astrologisch gesehen – als Fisch meine verträumten Bahnen durch möglichst friedliche Gewässer. Das mit dem Skorpionkind versprach spannend zu werden. Aber was wäre, wenn die zu erwartende Miniwaage mein quirliges Gemüt auf harte Proben stellen würde?

Ich zwang meine seltsamen Gedanken zur Ruhe, damit ich auf mein Herz hören konnte. Und das war voller Liebe. Ich wusste, dass ich den kleinen Skorpion genauso lieben würde, wie die süße Waage. Denn dass Liebe alles ist, ist die einzige Philosophie, die nie aus der Mode kommt. Außerdem vertraute ich auf die gütige Macht des Universums. Die würden mir das Bündel Mensch schenken, dass genau richtig war. Den Rest macht Erziehung.

Also meistens…

Denen beim Universum waren meine Gedanken wurscht und so kam es, dass mein Lieblingskind im Sternzeichen Waage das Licht der Welt erblickte.

Allerdings war der Pupser in seinen Windeljahren keineswegs ausgeglichen. Sondern eher kampfeslustig und ziemlich laut. Jedenfalls sobald es draußen dunkel wurde. Doch wenn es lachte, das Lieblingskind, dann wurde die Welt sofort ein bisschen heller.

Kinder werden groß und gehen eigene Wege und Mütter lernen irgendwann, dass Liebe auch Loslassen ist. Das bedeutet aber keineswegs, dass das Kind jemals allein gelassen wird. Muttertiere sind Heimat und Liebe und zwar ohne Verfallsdatum. Sie sind Schokolade und Krümelkuchen und all so was.

Mein Lieblingskind ist noch nie den einfachen Weg gegangen und es zeigte sich schon früh, dass es genau weiß, wohin dieser führt. Zu akzeptieren, dass jeder Schritt auf dem Weg zum großen Ziel ein Abenteuer für sich ist und es sich lohnt, für einen großen Traum zu kämpfen, ist eine Eigenschaft, die die Mutter dieses wunderbaren Menschen immer wieder voller Dankbarkeit bestaunt. Es scheint, als ob mein Lieblingskind die besten Eigenschaften vom Skorpion und die schönsten der Waage in sich vereint. Das Universum macht die Dinge schon richtig…

Mein Lieblingskind, dir alles Liebe zum Geburtstag zu wünschen, ist viel zu wenig. Ich wünsche dir, dass du glücklich bist. Ich wünsche dir, dass du nie deinen Zauber verlierst und dein schönes Lachen immer aus dem Herzen kommt. Ich wünsche dir, dass sich deine Träume erfüllen und zwar alle. Möge deine Lebensreise leicht und deine Liebe groß sein. Auch die zu dir selber. Glaub an dich und bleibe unbedingt so wie du bist. Feiere das Leben und feiere dich. Du wirst alles schaffen. Außer Eier kochen vielleicht, aber daran arbeiten wir noch. Alles ist möglich.

In Liebe, Pauline

Grüner Wahn


Vor ziemlich genau einem Jahr wählte Deutschland eine neue Regierung. Angesichts der zahlreichen Friday for future Jünger, veganen Schnödeldrös und anderer für weniger erleuchtete Normalverbraucher wie meine Wenigkeit nicht auf den ersten Blick nachvollziehbarer Trends war es nicht weiter verwunderlich, dass ohne die Grünen plötzlich nichts mehr geht. Also regierungstechnisch…

Ich war ziemlich dankbar, als Anna das Lenchen wenigstens nicht den Sprung ins Kanzleramt schaffte, sondern im Außenministerium landete. Olaf, der Kanzeler erschien mir mit seinem bescheidenen Auftreten noch relativ volksnah, so wie es sich aus meiner Sicht für den Anführer einer großen Volkspartei gehört. Allerdings fand ich den Umstand befremdlich, dass es inzwischen dreier Parteien bedarf, um überhaupt regierungsfähig zu sein und als Fusselbart Lindner ins gendergrüne Regierungsboot stieg, dachte ich noch erleichtert: „Ok. Wenigstens ein Freier Demokrat.“

Es brauchte nicht die üblichen hundert Tage Regierungszeit, um einen Trend erkennen zu lassen, wohin die Regierungsreise geht. Der genderbunte Ampelquatsch verhieß von Anfang an wenig Gutes und nach einem Jahr Regierungszeit scheint es, als stünde Deutschland an einem Abgrund. Viel schlimmer noch: Mir kommt es so vor, als ob die Regierung meiner wunderbaren Heimat bereit ist, die ganze Welt für die eigene gendergrüne Ideologie ins Verderben zu ziehen…

Denn während Olaf der neue Kanzeler noch in seiner Neujahrsansprache vom besten Deutschland aller Zeiten prahlte und parallel dazu jegliche rote Linien, welche die Gesellschaft angesichts seltsamer Coronapropaganda spaltete, öffentlich leugnete, starteten seine grünen Kumpels Anna das Lenchen und Röbele ihr Kampfgenosse – der in seinem Buch „Patriotismus-Ein linkes Plädoyer“ sagte: „Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen. Ich wusste mit Deutschland noch nie etwas anzufangen und das ist bis heute so.“– ihren verheerenden Vernichtungsfeldzug gegen fossile Energiequellen im Allgemeinen und den deutschen Wirtschaftsstandort im Einzelnen. Fossile Energien sind bäh und machen ebenso wie die Fürze des deutschen Rindviehs die Umwelt kaputt. Weg damit und zwar schnell! Nur vegan und mit dem Lastenfahrrad retten wir die Welt. Die schlauen Regierer nahmen das Problem ganz fix in Angriff und erhoben unverschämte Steuern auf fossile Lebensnotwendigkeiten. Steuern, die am Verbrauch wenig ändern können, denn den findigen Grünen mangelte es damals wie heute an Alternativen. Aber das Steuersäckle wird praller…

Allerdings gibt es viele Befürworter des grünen Größenwahns, die Welt im Alleingang retten zu wollen und als Preis dafür nicht nur Deutschlands industrielle Errungenschaften zu opfern. Nicht alle dieser Befürworter gehören zur selbst ernannten „letzten Generation“, die sich neuerdings auf Straßen kleben lässt, um ihrem Protest nachhaltigen Ausdruck zu verleihen. Meine Nachbarin Grete ist beispielsweise eine gestandene Frau, die genau weiß, dass unser Wohlstand das Ergebnis harter Arbeit und ebensolcher Sparsamkeit der Generation vor uns ist, die wollte, dass es uns – ihren Kindern, besser geht. Den Wohlstand, vom dem auch so mancher profitiert, der nie in soziale Kassen gezahlt hat, verdanken wir den klugen Köpfen, die mit ihren Visionen unser Land groß und reich gemacht haben…
Als Grete dann die CO2-Steuer, die auf alles Fossile gepackt wurde, als gut und richtig lobte, motzte ich einigermaßen wütend in ihre Richtung, wie denn ihrer Meinung nach angesichts hoher Energiepreise Oma und Opa im nächsten Winter die Bude warm kriegen sollen? Grete antwortete sehr ernsthaft: „Das wissen wir noch nicht.“ Angesichts derart naiver Ignoranz im Namen der globalen Rettung fiel mir nichts mehr ein. Ich sorge mich wie die allermeisten Leute auch um die Natur, aber ich erwarte von den Pionieren der Weltenrettung vernünftige Alternativen. Und zwar vor dem Verbot. Aber was weiß ich schon…

Inzwischen ist uns allen schmerzhaft bewusst geworden, dass es eine Sache ist, Öl, Gas und Diesel zu verteufeln. Aber eine ganz andere, wie man ohne fossile Energien den Laden Deutschland am Laufen hält. Und wie die grüne Grete schon vor einem Jahr nichts wusste, wissen die Grünen bis heute leider auch nur, dass sie nichts wissen…
Aber immerhin haben sie schon mal ein Datum gesetzt, ab wann Verbrennungsmotoren nicht mehr gebaut werden dürfen und wann das letzte AKW vom Netz geht, weiß Röbele auch ganz genau. Allein, wie Regierungs die nun fehlenden Ressourcen aufzufüllen gedenken, ist nicht überliefert. Es ist ja sowieso alles Putins Schuld…

Fürs Protokoll: Es gibt sicher niemanden, der Putins Einmarsch in die Ukraine nicht verurteilt und doch fühle ich mich immer wieder verpflichtet, dies extra zu betonen, damit die Gutmenschin nicht irgendwo schnappatmend vom Stuhl kippt.

Ich komme einfach nicht drum herum, Putins Schuld an so manchem deutschen Desaster zu hinterfragen. Nehmen wir nur die beiden Ostseepipelines. Darf frau überhaupt fragen, welchen Nutzen der blasse Wladimir davon haben könnte, wenn er die Dinger kaputtmacht? Ist ja sein Geschäft, was ihm durch die Lappen gegangen ist. Obwohl… Da ging ja schon vor der Sabotage kein Gas mehr durch, gell? Ich meine sogar, mich zu erinnern, dass Olaf, der Kanzeler, oder war es Kumpel Röbele, ach egal – aber haben die nicht schon vor der Wahl gesagt, dass Pipeline 2 unter ihrer Herrschaft nie ans Netz gehen wird und Nummer Eins auch nicht mehr lange?

Ich frag ja nur…

Die Rufe der Bürger nach Öffnen von Nordstream 2, damit der deutsche Durchschnittswinter nicht kälter wird, als unbedingt erforderlich, sind aber immer lauter geworden… Wäre des Kanzelers „Nein!“ zu russischem Gas auf lange Sicht ohne den Widerstand des deutschen Durchschnittsbürgers, dessen Taschen angesichts nicht enden wollender Sanktionen zusehends leerer werden, haltbar gewesen? Ich will gar nicht weiter drüber nachdenken, welchen Nutzen der mitunter ein bisschen neben der Spur wirkende alte Mann aus Amerika daran hat, dass wir kein russisches Gas mehr bekommen.

Aber was weiß ich schon.


Olaf der Kanzeler verkündete kürzlich mit fiesem Lächeln, dass er sich nicht an die vielen unter seiner Verantwortung verschwundenen Milliönchen erinnern kann. Und Anna, das Lenchen schämte sich in keiner Weise, unsere berechtigten Existenzängste mit den Existenzängsten der hungernden Kinder in Afrika oder denen der ukrainischen Menschen zu vergleichen. Meine Mama Mausi hat mir als Kind auch den Glaubenssatz: „Du musst aufessen. In Afrika hungern Kinder!“ aufgebrummt, um mich zum Essen zu bewegen. Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich kapiert habe, dass die Kinder in Afrika auch hungern, wenn ich artig aufesse. Und dass deren Hunger eher an der Gier der Regierungen liegt als an meinem verschmähten Brotrand. Liebes Annalenchen, wir sind keine dummen Kinder! Uns ist durchaus klar, dass der Krieg in der Ukraine keinen Tag früher endet, wenn Mama Mausi auf ihre alten Tage frieren muss, oder ich mich nur noch mit dem Waschlappen abfeudele. Mit diesem Krieg sind wie mit allen Kriegen unglaubliche Gewinne zu erzielen. Auch für deutsche Rüstungskonzerne. Als die großgelockte Verteidigungsmuddi dann auch noch im Bundestag vor laufenden Kameras erläuterte, dass der Gepard kein Panzer ist, weil er mit seinem Rohr in die Luft schießt…

Ich hab mich so sehr fremd geschämt. Kinner nee, was denkt die Welt von uns?


Unvergessen Annalenchens Auftritt, als sie ihrem ukrainischen Kumpel versicherte, dass sie hinter ihm und keinesfalls hinter ihren Wählern steht…
Als Röbele mit seiner Vorstellung von Insolvenz der regierenden Inkompetenz die Krone aufsetze, hätte ich am liebsten geschrien: Himmel hilf!

Früher, als Demokratie noch lebte, wäre das fortwährende Tun jedes Einzelnen dieser Regierung politischer Selbstmord gewesen. Heute interessiert sich offenbar schon morgen keiner mehr für deren Geschwätz von gestern. Was ist nur los mit uns?


Und dann fiel ich letzten Freitag früh fast aus dem Bett, in dem ich noch herumlungerte, weil ich mir eine kleine Auszeit mit dem Lieblingskind im fröhlichen RLP gegönnt hatte und so unvorsichtig war, mir auf ntv die neuesten Nachrichten reinzuziehen:

Vor dem ersten Kaffee! …

… musste ich lesen, dass Anna Lenchens ukrainischer Kumpel von der Welt ganz offen einen nuklearen Präventivschlag forderte, um Putin abzuschrecken! (Natürlich meinte er das nicht so, im Kontext kritisiert er auch lediglich die internationale Vorgehensweise, auf Putin nur zu reagieren.)

Is mir schlecht!

Zwar ruderte der Typ später wegen der „Verwirrung“ zurück, die die Welt angesichts dieser Ungeheuerlichkeit verspürte, aber gesagt ist in seinem Fall verlangt. Und bei mir sitzt nicht erst seit dieser Entgleisung die Angst tief. Wenn ich darüber nachdenke, in welch „fähigen“ Händen unser aller Wohl und Wehe liegt, könnte ich tausend Tränen weinen.

Geht`s eigentlich noch?

Ich möchte diese Menschen am liebsten anschreien und fragen, ob sie das Leben lieben? Ob sie Kinder haben? So weit mir bekannt ist, ist Anna das Lenchen Mutter und dieser unmögliche Hofbauer hat seinen Pupser ja schon mit zu Bundestags geschleppt. Sie haben also Kinder. Man könnte also davon ausgehen, dass sie um jeden Preis an Diplomatie interessiert sind. Wenn schon nicht um ihrer Wähler Willen, so doch um der eigene Kinder willen….

Weit gefehlt.

Die grüne Überzeugung, dass nur noch mehr Waffen Frieden schaffen ist das neue Normal.

Mal abgesehen von der Kleinigkeit, dass ein Panzer mehrere hundert Liter des von den Grünen so verteufelten Diesels auf 100 km schluckt, müssten sie sich doch irgendwie daran erinnern, dass die Grünen mal für Frieden standen. Erinnert euch bitte an eure Kinder, zeigt ihnen im gendergrünen Lastenfahrrad die Welt! Der Umwelt zuliebe. Hört endlich den Menschen im eigenen Land zu und der Stimme der Opposition im Bundestag!

Dort kämpft derzeit eine zierliche Frau im Chanelkostüm auf verlorenen Posten um Vernunft und Diplomatie. Aber nicht nur, dass keiner der Sahra Wagenknecht zuhört, sie wird in den eigenen Reihen und in den Medien diffamiert und als Putinfreundin verhöhnt.(Man denke nur an Lanz neulich, der sagte: „Bei Putin knallen die Sektkorken, wenn er das hört…“) Von Parteiausschlussverfahren war bei den Linken gar die Rede. Die einzigen anderen Stimmen, welche die Außenpolitik der jungen Frau kritisieren, die schon rhetorisch mitunter den Eindruck erweckt, nicht die allerhellste Kerze auf der Regierungstorte zu sein, kommen aus der Ecke, deren Stimmen schon aus Prinzip nicht gehört werden.

Wieder scheine ich mit meiner Einschätzung zur „Lage der Nation“ allein zu stehen, denn am Sonntag war Wahl in Niedersachsen. Ich bin fast vom Sofa gefallen, als ich das Wahlergebnis der Grünen gehört habe…

Ist Energie bei uns immer noch nicht teuer genug? Steht unser Land noch nicht nah genug am Abgrund?
Ich frage mich wie schon so oft in letzter Zeit fassungslos, wer in diesem Land den Gong nicht hört… Ich bin es offenbar nicht, denn immer öfter warnen mich Freunde und Bekannte hinter vorgehaltener Hand, doch nicht so deutlich zu schreiben, was mich bewegt. Ich zitiere an dieser Stelle die wunderbar spitze Lisa Fitz: „Ich danke dafür, dass ich auf dieser Seite nach dem Paragraph 5 des Grundgesetzes so offen meine Meinung äußern darf.“ Bis die Tage, Pauline

Die Platane


Es heißt, dass man schöne Orte zweimal besucht haben sollte. Während die Sinne beim ersten Besuch vor lauter Begeisterung leicht überfordert werden können, sieht frau beim zweiten Mal ein bisschen genauer hin und erkennt nicht nur das Offensichtliche. Sie fühlt etwas sachlicher und ihr entgeht weniger Verborgenes…

Während ich bei meinem ersten Besuch in Rom schwer beeindruckt von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten taumelte und mir der Kopf von all den Museen schwirrte, war mein zweiter Aufenthalt in der ewigen Stadt ein kleines bisschen organisierter. Mir war klar, dass man nicht jede der alten Mauern persönlich begrüßt haben muss und keinesfalls jedes Museum betreten haben sollte. Und während ich damals von irgendeinem Billigflieger am Flughafen Fiumicino ausgespuckt und mir das so gesparte Geld gleich beim Transfer zum Bahnhof Termini im Zubringer wieder abgeluchst worden ist, kamen wir dieses Mal mit Paulchen Penner, unserem Wohnwagen in die ewige Stadt. Von unserem gemütlichen Campingplatz brachte uns ein Shuttlebus zum nächsten Bahnhof und von dort war es ein Katzensprung zu den Sehenswürdigkeiten des antiken Roms.

Man muss kein Leistungssportler sein, um Rom zu Fuß zu erkunden. Geländegängige Sportschuhe und eine große Wasserflasche reichen durchaus. Frau darf in Rom übrigens alles sein, nur unter gar keinen Umständen bewegungseingeschränkt. Falls es in der ewigen Stadt Fußwege ohne knietiefe Löcher oder andere gefährliche Unfallquellen gibt, so habe ich keine entdeckt. Dennoch empfiehlt es sich unbedingt, das Näschen hoch und die Augen weit offen zu haben.

Zum einen, weil Rom unglaublich dreckig ist. Und zum anderen – und nur darauf kommt es an – ist Rom wundervoll und eine einzige Schatzkiste voller unermesslicher Kulturgüter.

Das Kolosseum wurde angeblich gebaut, weil sich Kaiser Vespasian beim Volk beliebt machen wollte, indem er Brot und Spiele austragen ließ. So kam es, dass 50000 Zuschauer auf mehreren Etagen live erleben konnten, wie die Gladiatoren in der Arena einander niedermetzelten. Ich fand es irgendwie bedrückend, an diesem Ort zu sein, vielleicht geistern die Seelen der ungezählten Leben, die hier endeten, noch immer dort herum.

Das Forum Romanum galt einst als Machtzentrum der Antike und heute hat frau Mühe, all die mächtigen Ruinen an einem Tag anschauen zu können. Aber bei meinem zweiten Besuch hatte ich dazugelernt und spazierte entspannt zwischen den gigantischen Ruinen umher, ohne den Anspruch zu haben, alles gesehen haben zu müssen.

Nebenbei sei erwähnt, dass das Kolosseum, das Forum Romanum und zahlreiche andere der römischen Kulturschätze an jedem ersten Sonntag im Monat kostenfrei zu besichtigen sind.

Jedenfalls wirkte der riesige Cirkus Maximus, wo im antiken Rom Wagenrennen ausgetragen worden sind, auf mich fast unscheinbar und ich ließ ihn auf meiner Schnuppertour durch die ewige Stadt sozusagen links liegen. Schließlich wollte ich die weißen Steine der Spanischen Treppe bewundern und am Trevibrunnen verweilen.

Das Pantheon, das der Schwiegersohn von Kaiser Augustus 27vChr. den Göttern bauen ließ, ließ mich sprachlos stehen. Denn das Lichtspiel der vorbeiziehenden Wolken, die sich durch die offene Kuppel zeigten, fand ich zu schön. MC nannte es schmunzelnd „rundes Haus mit Loch im Dach“. Übrigens lagen die Türen des Bauwerks ursprünglich sechs Meter höher, aber im Laufe der Jahrtausende wurden viele der antiken Bauwerke verschüttet und heute liegt das Pantheon ebenerdig vor seinen Besuchern. Das Pantheon ist übrigens jederzeit kostenfrei zu besichtigen. Allerdings sollte man an Wochenenden und Feiertagen einen Termin buchen, sonst bleibt frau leider draußen.

Der Aufstieg zum Kapitolshügel mit dem Viktor Emanuel Denkmal lohnt sich unbedingt, denn von ganz oben hat man einen atemberaubenden Blick über die ganze Stadt. Viktor Emanuel II war übrigens der erste König Italiens.

Den Vatikan haben wir absichtlich unter die zu vernachlässigenden Sehenswürdigkeiten Roms einsortiert. Ich bin bei meinem ersten Besuch Roms dort gewesen und erinnere mich vor allem an stundenlanges Schlange stehen. Als ich endlich in die Vatikanischen Museen nebst der Sixtinischen Kapelle vorgelassen worden bin, war ich nur eines von unzähligen Schafen, die an den sicherlich einzigartigen Kunstschätzen vorbei getrieben worden sind. Es gab nicht die geringste Möglichkeit, vor Michelangelos berühmten Deckengemälde oder irgendeinem anderen Kunstwerk zu verweilen, um es auf sich wirken zu lassen. Einzig das ewig zischelnde „Silentium!“ des Wachpersonals habe ich in deutlicher Erinnerung. Das braucht kein Mensch ein zweites Mal. Nebenbei bemerkt ist mir der Katholizismus mit seinen Verbrechen mehr als nur zuwider und ich hatte keine Lust, mit den exorbitanten Eintrittsgeldern für die Vatikanischen Museen die katholischen Kassen weiter zu füllen.

Wenn man von den ausgetretenen Touristenpfaden abweicht, entdeckt das neugierige und vom allgegenwärtigen Schmutz abgewandte Auge an jeder Ecke und auf jeder noch so kleinen Piazza ein anderes Kleinod kultureller Schönheit.

So saßen wir nach einem langen Erkundungstag auf einer Treppe mitten im alten Rom, blickten auf die Tajanssäule und futterten die leckerste Lasagne, die ich jemals gegessen habe und schleckten köstliches Eis.

Kinner nee…

Der Verkehr in Rom ließ mir mehrfach den Atem stocken. Eigentlich fließt er nicht, er stockt. Man wird den Eindruck nicht los, dass in den viel zu engen Straßen jeder macht, was er will. Die furchtlosen Römer, die aufrecht auf ihren schnittigen Rollern durch jede noch so enge Lücke zwischen verschiedenen Fahrzeugen huschen, machen das Chaos perfekt. Ampelfarben und Verkehrsregeln scheinen nichts als Ratschläge zu sein, an die sich sowieso keiner hält. Aus meiner Sicht machte die Nutzung der zahlreichen Hopon Hopoff Busse wenig Sinn, weil sie im stockenden Verkehr mehr stehen als fahren.
Wer wie wir die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen möchte, der sollte sich darauf einstellen, dass der stolze Römer auch Fahrpläne nicht allzu ernst nimmt. Irgendwann kommt immer ein Zug. Und falls der nicht wie geplant hält, könnte das daran liegen, dass der gemeine Tourist eine gewisse Scheu an den Tag legt, wenn es darum geht, einen fahrenden Zug mittels Knopfdruck zum Halten zu bringen.

Wir brachen unsere Zelte auf dem lauschigen römischen Zeltplatz ab und fuhren in Richtung Toskana weiter.

Hach ja, die Toskana.

Liebe. Sommer. Sonnenschein. Lachen. Leichtigkeit. Meer und Kieselstrände. Und wunderschöne Bergdörfer und Burgen.

Schon ein Blick auf die Wetterkarte kündigte an, dass mein zweiter Urlaub in der Toskana vollkommen anders verlaufen würde, als der erste.

Camping ist toll. Man ist beweglich und kann so viel mehr in einem Urlaub entdecken und bestaunen, als ein Pauschalurlaub es jemals zulassen würde. Man kann sich nämlich flexibel zwischen A und B nach C bewegen. Das Bett hat man dabei und auch was die Verpflegung betrifft, ist man dank integriertem Kühlschrank, Gaskocher oder gar eigenem Grill herrlich unabhängig. Obendrein ist Camping – sofern man ein bisschen plant – viel günstiger als jeder andere Urlaub.

Soweit die romantisch schöne Vorstellung vom Reisen fernab von jedem Pauschaltourismus.

Die Wirklichkeit vom Caravaning ist genauso und auch ganz anders. Denn entgegen der in der Werbung so gerne gezeigten Camper, die einsam in der Natur herumstehen, während glückselige Besitzer bei einem der Tageszeit angepassten süffigen Getränk sowohl Sonnenauf- wie Untergänge betrachten, ist die Realität eine ganz andere. Man darf in den allermeisten Ländern genau das nämlich nicht machen. Zwar gibt es das sogenannte „Jedermannsrecht“. Demnach darf man theoretisch überall anhalten und schlafen, um nicht übermüdet in der Gegend herumzufahren. Aber wehe, frau wird dabei erwischt, einen Stuhl vor die Caravantür zu stellen. Weil der gemeine Camper weiß, wie teuer derlei Romantik werden kann, sucht er lieber den nächsten Campingplatz auf.

So kam es, dass Paulchen Penner auf einem Campingplatz direkt am Meer parkte. Wir genossen einen entspannten Tag im Sonnenschein. Dass ich morgens mit der Kaffeetasse direkt am Wasser sitzen und den Wellen zusehen konnte, war ein wundervolles Geschenk, dass ich dankbar genossen habe.

Bei den sanitären Anlagen auf den meisten Campingplätzen bekommt die romantische Vorstellung vom Caravanreisen die ersten Kratzer. Für die Zeit eines Campingurlaubs sollte frau sich unbedingt von sauberen Toiletten und selbstverständlich verfügbarem Klopapier verabschieden. Sie ist gut beraten, einen eigenen Vorrat dabei zu haben, falls sie nicht das eigene Wohnwagenklo bevorzugt. Die Duschen auf Campingplätzen sind nicht unbedingt igitt. Schön sind sie aber in den seltensten Fällen. Badelatschen sind ein unverzichtbares Utensil und nicht selten habe ich meine Gedanken an das, was auf den Boden der Dusche schon niedergegangen sein dürfte, streng in andere Bahnen gelenkt. Manchmal sind die Mischbatterien vergammelt und es kann vorkommen, dass frau eingeseift von Kopf bis Fuß plötzlich im Trockenen steht.

Zeitschaltuhr…

Dann wartet sie geduldig, bis die Sperre aufgehoben wird und betätigt die Automatik erneut. Nun ja, alles kein Problem, aber eben auch nicht besonders gemütlich. Zumal die Duschhäuser gerade in südlichen Ländern zwar überdacht, aber keineswegs geschlossene Räume sind. Es kann also durchaus mal zugig werden. Camping ist definitiv nichts für Weicheier, aber für hartgesottene Camper wie uns nie ein Problem gewesen.

Wenn um dich herum die Welt untergeht und die zehn Meter bis zu besagtem Toilettenhäuschen eine nicht zu bewältigende Strecke darstellen, dann ist frau froh, auf das Chemieklo im Camper zurückkommen zu können. Als ich an jenem Samstagnachmittag ergeben meine Gebeine in die WC- Kabine von Paulchen Camper faltete, entluden sich heftige Blitze, gefolgt von ohrenbetäubenden unmittelbaren Donnerschlägen, die den Camper erzittern ließen. Ich begann zu begreifen, dass frau wohl erst zu den wirklichen Caravantouristen zählt, wenn sie ein Unwetter in der Pappschachtel des eigenen Campers erlebt hat.

Das Unwetter ging vorbei und wurde direkt vom nächsten abgelöst. So kam es, dass ich die Toskana nicht wiedererkannt habe. Dauergrau und Regenfluten überdeckten Liebe, Lebensfreude und Leichtigkeit dieses anderen Urlaubs. Wir hatten Mühe, die nassen Klamotten eines Tagesausfluges über Nacht wieder zu trocknen und angesichts meines klammfeuchten Handtuchs wurde mir bewusst, dass knauserige Zeitschaltuhren an verkommenen Mischbatterien nicht mein größtes Problem waren.

Falls der toskanische Pinienpiepser in der Nähe war, so haben wir ihn nicht gehört. Nebel und kaltes Grau verdeckten die romantische Burg von Populonia. Der wunderschöne Pinienwald konnte die Schutzsuchenden nicht trocken halten und der Junge, der die schiefen Stämme geraderücken wollte, wurde vom Grau verschluckt.

Auch Volterra, der malerische Ort mit antiken Wurzeln versank in grauem Regen. Auf einem geteerten Parkplatz stand ich vor einer riesigen Platane, die mich auf magische Weise angezogen hat und ich legte meine Hände um den glatten Stamm. Fühlte, wie eine Kraft auf mich überzugehen schien und ich vernahm eine leise Stimme, die mich mahnte, stark zu bleiben. Dieser große, gerade gewachsene Baum schenkte mir Frieden. Ich blickte hinunter und sah schockiert auf den mächtigen Stamm, der rundherum von Bitumen umgeben war. Und doch war der Baum stark und gesund. Ich wünschte der schönen Platane stumm, ebenfalls stark zu bleiben und ging meiner Wege…

… Ich dachte nach: Wir leben in einer Welt, in der gerade nichts sicher ist und manchmal meine ich, mein eigenes Leben wandelt sich so schnell, dass ich nicht Schritt halten kann. Doch mit dem Gedanken an die alte Platane wurde ich wieder einmal daran erinnert, dass das Universum eine gütige Macht ist. Und dass es manchmal reicht, zu vertrauen und im Hier und Jetzt zu bleiben. Warum mache ich mich verrückt? Die wirklich wichtigen Dinge passieren, ohne dass man irgendwas machen kann. Und Leben war schon immer das, was passiert, während frau doch ganz andere Pläne hatte.

In Liebe, Pauline

Is mir schlecht…


Wenn frau gesundheitlich ein bisschen ramponiert ist, dann nimmt sie sich die Freiheit, diese Schieflage mittels heißem Tee, viel Schokolade und unbegrenzt doofen Serien auf dem heimischen Sofa zu kurieren. Die doofen Serien, die ich mir in letzter Zeit reingezogen habe, erklären aus meiner Sicht möglicherweise ein wenig, warum wir zulassen, was gerade mit uns und über unsere Köpfe hinweg passiert:

Die endlose Flut besagter Serien lässt den guten Durchschnittsdeutschen zunehmend verblöden. Will sagen, nach einer Woche wehrloser Dauerbeschallung fühlte ich, wie meine geistige Gegenwehr zunehmend schlapper wurde. Ich kämpfte nicht mehr gegen aufkommenden Würgereflex, wenn dünngeistige, dafür bis zur Ekelgrenze aufgepumpte Möchtegerninfluencerinnen auf meinem Bildschirm in übelstem Deutsch von sich gaben, dass man für den Traumjob Infuencerin „kein Abitur braucht“. Was waren das für Zeiten, als Frauentausch noch der Gipfel des Hartz IV Fernsehens war.

Bedauerlicherweise war ich gesundheitlich immer noch so angeschlagen, dass der Fernseher einem Buch unbedingt vorzuziehen war. Dennoch war klar, dass mir mehr als das letzte Frühstück hoch kommen würde, wenn ich noch ein einziges Mal die sinnbefreite Werbung für das einzige Deo sehen musste, dass die Menschheit von „nassen“ Achseln und den damit scheinbar untrennbar verbundenen Verrenkungen befreien kann.

Fernsehen mit Niveau musste her.

Was könnte mehr bilden, als die Debatten im Bundestag, dachte ich just an jenem Tag, als die „erste Generaldebatte seit der Sommerpause“ anstand. Ich war interessiert…

Und nach kurzer Zeit schockiert. Fassungslos. Ernüchtert.

Olaf der Kanzeler, der bedauerlicherweise schon länger unter partiellem Gedächtnisverlust zu leiden scheint, kann er sich doch beim allerbesten Willen nicht erinnern, wo ein paar nicht versteuerte Milliönchen von anno dazumal geblieben sind. Aber Schwamm drüber.. Ich war ja schon begeistert, dass er seine Rede mal nicht an die „Bürgerinnen und Bürger“, sondern gar kämpferisch gegen den Kontrahenten von der CDU richtete. Meine Güte, dem hat er es aber gegeben! Keine Spur von Reue oder gar irgendeine Idee jenseits von „You` ll never walk allone“, der Phrase, mit der Olaf der Kanzeler möglicherweise meine Kumpels vom Vormittagsfernsehen erreicht. Die wissen vielleicht die Übersetzung jener Phrase zu deuten, können sie sich doch sicher sein, von den sozialen Gefügen deutscher Politik geschützt zu werden, denn Olafs wuchtiges Entlastungspaket bedenkt nach meinem Kenntnisstand Bezieher von ALG II großzügig mit einer Einmalzahlung, während arbeitende Einzelverdiener wie meine Wenigkeit bei jenem wuchtigen Entlastungspaket in die (Fernseh)Röhre gucken. Ich bin bestimmt ein großzügiger Mensch und ganz vorne dabei, wenn es darum geht, Bedürftige zu versorgen, aber ich komme nicht umhin, mich zu fragen, wieso Bezieher von ALG II von diesem wuchtigen Entlastungspaket profitieren, normale Arbeitnehmer aber nicht? Bezieht der HARTZ IV Empfänger nicht sowieso Leistungen für Energiekosten? Aber wieso bekommt er dazu weitere Zuschüsse, während der gemeine Steuerzahler überlegen darf, ob er die sauer verdiente Kohle lieber für den Sprit zur Arbeit ausgibt, oder für Heizöl, Strom und warmes Wasser? Olaf dem Kanzeler waren meine Überlegungen natürlich wurscht. Er verteidigte mit erhobener Faust die Arbeit seiner Ampelmännchen.

Die Dame der Linken watschte ihn zwar ebenso ab, wie es auch alle anderen taten. Aber eben punktuell und wie es der eigenen Agenda gerade passte. Einzig die Rede der Dr. Weidel rüttelte mich auf, schenkte einen Moment von Hoffnung. Jemand sprach aus, was mir den Schlaf raubt! Denn sie brachte alles in den wenigen Minuten Redezeit unter, was dem deutschen Durchschnittsbürger in diesen Tagen nicht nur stinkt, sondern Angst macht. Aber Frau Weidel ist ja von der AfD. Und deshalb gebührt ihr offenbar keinesfalls der Respekt anderer hochbezahlter Bundestagsabgeordneter, denn diese verließen reihenweise den Saal, als die AfD Frau sprach. Einer der Abgeordneten schrie sogar laut, „wie lange die denn noch reden darf?“ Ich bin wegen dieser Unverschämtheit beschämt, denn Frau Weidel sprach aus meiner Sicht nicht nur vielen Menschen aus der Seele. Sie ist obendrein eine gewählte Volksvertreterin, der man den gleichen Respekt zukommen lassen muss, wie auch dem langhaarigen Grünen, der es für richtig erachtet, seinen Pupser mit in den Bundestag zu schleppen, oder die ebenso grüne übergewichtige junge Frau, deren hohle Reden mir persönlich körperliche Beschwerden verursachen. Müsste ich mich schämen, weil ich Weidels Rede mit Begeisterung verfolgt habe? Die Gutmenschin zeigt jetzt ganz sicher mit ihrem knallig lackierten Finger auf mich und schreit: „Pfui, ich hab es ja gesagt! Nazi!“ Bei diesem Gedanken gebe ich unumwunden zu, ein bisschen schadenfroh meinen eigenen (unlackierten) imaginären Zeigefinger in Richtung der baumelnden Ohrgehänge der Gutmenschin zu strecken. Denn ihr politisch korrektes Gehabe von richtig und falsch wird sie genauso untergehen lassen, wie jeden anderen von uns. Es ist doch so: Jeder einzelne Bürger, der durch seine Stimme einem der Ampelmännchen zur regierenden Macht verholfen hat, trägt die Schuld an dem, was jene Machthaber mit unserem Land gerade machen. Ich auch…

Und wer jetzt wieder mit dem moralischen Zeigefinger auf mich zeigt, den erinnere ich ganz offen daran, dass wir neben einem Kanzler, der sich nur bedingt an das erinnert, was er verantworten muss, eine Außenministerin haben, die ganz öffentlich ihren Amtseid zu Gunsten einer Ideologie bricht, die dem deutschen Volk großen Schaden zufügt. Und wir haben einen Wirtschaftsminister, der die Folgen seiner eigenen Energiewende offenbar so wenig einschätzen kann, dass er Insolvenzen für ausgeschlossen hält, weil Betroffene nach seinem Verständnis nur zu produzieren aufhören. Und obendrein haben wir einen pandemiebesessenenen Gesundheitsminister, der in diesen Tagen ein neues Infektionsschutzgesetz auf den Weg bringen wird… Aber lassen wir das.

Spätestens seit Hakle Insolvenz angemeldet hat, ist mir klar, dass Deutschland am A… ist. Es wundert mich überhaupt nicht mehr, dass auch das das ökologisch einwandfreieste – weil Stroh haltiges – Klopapier nicht ausreicht, um den politischen Dünnschiss aufzusaugen, der von ganz oben auf uns alle regnet. Und wem noch immer nicht klar ist, was hier passiert, der darf sich gerne obendrein mal die Berichterstattung bezüglich aktueller Montagsdemonstrationen reinziehen. Da geht es nämlich nur ganz am Rande um die Angst der Bürger vor unbezahlbaren Lebenshaltungskosten, weil Annalenchen lieber die Ukraine unterstützt und Kumpel Robert die AKW`s je nach Lust und Laune an – und wieder ausknipsen möchte. Nein, unsere Mainstreammedien machen die Not der Bürger zum Randthema und lassen sich lieber ausführlich darüber aus, dass linke und rechte Extreme zu diesen Demos aufgerufen haben oder zumindest in deren Fahrwasser schwimmen. Keiner dieser treuen Staatsmedien ist es die Erwähnung wert, dass es den Bürgern, denen die Zukunftsangst die Kehle zuschnürt, völlig Wurscht sein dürfte, welche Partei zu einer Demo aufruft. Diese Demonstrationen werden das Volk aus meiner Sicht nicht weiter spalten, sondern möglicherweise vereinen. Sofern sie nicht durch irgendein noch zu verabschiedendes Gesetz verboten wären, denn welchen Wert hat der Artikel 20 des deutschen Grundgesetzes, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht, gegen die Ideologie unserer Regierung?

Aber das ist nur meine persönliche Einschätzung der Lage im besten Deutschland aller Zeiten.

Kinner nee, is mir schlecht…

Ich muss unbedingt vom Sofa weg und raus an die Luft.

Bis die Tage, Pauline