Glaube, Liebe und Hoffnung – Hier und jetzt.


rapsNeulich saßen wir Mädels nach langem sehnsüchtigen Warten endlich wieder bei unserem Lieblingsitaliener. Es war wundervoll, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen, aber die Stimmung war anders als sonst. Es war, als hätte der Geist von Corona etwas von der Leichtigkeit aus unserem Leben mitgenommen.

Doch nach einem Weilchen wurde mir erleichtert bewusst, dass wir noch immer die Alten sind. Wir plauderten über unsere kleinen Sorgen und widmeten uns dem großen Herzeleid unserer Freundin Jenny, die traurig fragte, wieso dieser Schuft in ihr Leben und in ihr Herz gedonnert war, wenn er doch gar nicht vor hatte, dort auch zu bleiben?

Wir versicherten ihr, dass niemand umsonst in unserem Leben ist, und Jenny schon dahinterkommen würde, was die Aufgabe ihres Frosches war. Sie blickte mich aus großen traurigen Augen an und piepste: „Ich muss lernen, loszulassen.“ Ich nahm sie in die Arme und sagte: „Oder akzeptieren, dass nichts für die Ewigkeit ist! Vielleicht gelingt es dir dann, im Hier und Jetzt zu sein.“ Noch während ich das sagte, ging mir auf, wie schwer mir selber diese Akzeptanz fällt. Angesichts so ernüchternder Erfahrungen wie der, dass auch die ganz große Liebe verraten, betrügen und unbeschwert ihrer Wege gehen darf und die beste Freundin von heute auf morgen andere beste Freundinnen finden kann, kamen mir meine eigenen Glaubenssätze wie Hohn vor.

Wenn wir in dem Wissen um die Vergänglichkeit großer Gefühle dennoch an die Macht der Liebe und das Vertrauen in die beste Freundin glauben, sind wir dann nicht einfach nur dumm? Wären wir nicht besser dran, unser Gefühlsleben oberflächlich zu halten, damit Loslassen ein Kinderspiel wird?

Verrat, Verlassen und Verletzung scheint zum Leben zu gehören, wie die Luft zum Atmen. Niemand ist in dieser Sache frei von Schuld und jeder leidet irgendwann darunter. Die große Liebe mag uns verlassen haben, weil das andere Eisen im Feuer nicht unbedingt heißer, aber auf lange Sicht leichter zu schüren schien. Möglicherweise wenden wir uns von der besten Freundin ab, weil sie uns enttäuscht hat. Schmerz, Verwirrung und das Gefühl von Schuld verhindern vielleicht einen Abschied auf Augenhöhe.

Wir fragen uns verzweifelt, wie wir ohne sie weitermachen können und wissen, das unser Leben nicht mehr dasselbe sein wird, haben sie doch ein Stück von unserem Herzen mitgenommen. Und noch mehr von unserem Glauben. Unserer Hoffnung. Und dem Vertrauen.

Aber das Leben geht weiter. Immer! Wir kapieren möglicherweise nie, wie das Ding mit dem Loslassen funktioniert und tun uns schwer mit der Akzeptanz, dass die beste Freundin von damals nie mehr ausgelassen mit uns durch ein Rapsfeld laufen und dass sie die Flasche Sekt zur Feier eines besonderen Erlebnisses nicht mit uns trinken wird.

Wir lernen…

Wenn man das Leben als eine Zugfahrt sieht, in der wir andere Menschen in unseren Zug ein- und aussteigen lassen, dann liegt es im Umkehrschluss auf der Hand, dass unsere eigene Fahrkarte nicht unbedingt Gültigkeit auf der Reise im Lebenszug eines anderen Menschen besitzt. Manchmal fährt der Wunschzug in eine andere Richtung. Oder ist schon voll besetzt.

Vielleicht liegt die Lösung des Rätsels um den geheimnisvollen Akt des „Loslassens“ in der Erkenntnis, dass nichts ewig währt. Schmerz und Traurigkeit sind in Ordnung und dürfen sein. Wir lernen, unseren Zug des Lebens nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Wir leben, lieben und lachen mit denen, die uns auf unserer Reise begleiten. Hier und jetzt. Keine andere Zeit zählt.

Vielleicht sind die, die uns am schlimmsten verletzt haben, am Ende die besten Lehrer gewesen, denn wir haben begriffen, dass Verrat uns nicht umbringt und der Tod einer Liebe nie mehr so sehr schmerzen wird, wie dieses eine Mal. Wir schauen in den Spiegel und erkennen, dass die Person, die zurückschaut, die ist, die wir am meisten lieben. Loslassen könnte bedeuten, diese Person anzunehmen, mit all ihren Fehlern, mit all dem Schmerz innendrin und all der Naivität, die sie glauben lässt, dass es zweite Chancen, neue Fahrkarten und heilende Gespräche gibt.

 

Bis die Tage, Pauline

Masken, Meinungsfreiheit und Montagsspaziergänge


IMG-20140422-WA0004Ich meine, mich zu erinnern, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung irgendwo im Grundgesetz geschrieben steht. So weit, so…

…nun ja.

Ich habe noch nie ausgeprägtes Interesse an all den Themen gehabt, die öffentliche Gemüter erhitzen. Das heißt keineswegs, dass ich keine Meinung habe. Aber dezente Blicke in Tageszeitungen, Nachrichten oder – noch schlimmer –  die sozialen Netzwerke lehren, diese besser nicht zu äußern. Denn kritisches Hinterfragen, oder gar eigene  Denkansätze scheinen in unserem Land nicht gern gesehen. Von ganz oben wird eine Ideologie vorgegeben. Basta. Es wird gedacht und gemacht, was angeordnet wird. Was in der Zeitung steht. Und was auf Facebook & Co.KG gelehrt wird.

Falls ich darüber anders denke, habe ich mir angewöhnt, es wie die Schweiz zu halten…

Klingt feige? Mag sein. Aber mich erinnert einseitige Berichterstattung und der völlige Mangel an kritischen Stimmen zunehmend an das, was wir vor mehr als dreißig Jahren hinter uns gelassen zu haben glaubten.

Es ist eine Sache, wenn Regierungs uns weismachen wollen, dass das Tragen von Masken teils fragwürdigen Ursprungs ein ebenso fragwürdiges Virus an seiner Ausbreitung hindert. Wer macht, was Muddi Merkel bestimmt, weil er sich sicher fühlt in dem Gedanken, Mutti wird schon wissen, was gut ist – bitte sehr.

Mir persönlich geht gegen den Strich, für wie dumm wir uns kritiklos verkaufen lassen. Denn auch wer nicht auf der Virologenschule gewesen ist, kommt selbst bei oberflächlichster Recherche ganz schnell dahinter, dass Viren so winzig sind, dass sie von den allgemein als „OP-Masken“ bezeichneten Schutzmasken keinesfalls am Durchflug gehindert werden. Von den selbstgeklöppelten Baumwolldingern mal ganz zu schweigen. Da kann Muddi Merkel sich wöchentlich mit Waschanleitungen in den Bundestag stellen. Hinterfragt man das Maskenpflichtthema mal ganz für sich selber, dann kommt man nicht umhin sich zu fragen: „Wie habe ich das mit Husten und Niesen vor Corona gemacht?“ Damals gab es Taschentücher, die den Schnodder aufgefangen haben und diese landeten nach einmaligem Gebrauch in der Tonne. Und dann war noch das Ding mit dem Hände waschen. Dabei ging es auch um Seife… Heute trägt man Masken. Das ist bei Strafe verpflichtend von ganz oben verordnet! Die Dinger aber trägt der Ottonormalbürger – wie lange?!

Meine Mama Mausi ist ganz bestimmt keine Ausnahme, wenn es darum geht, wie Angst und Unsicherheit unter den Menschen sich schneller verbreitet, als Corona: Sie glaubt wie so viele andere bedingungslos an Muddi Merkles Allwissenheit. Und demnach ist Corona für Menschen ihres Alters absolut tödlich. Was Mausi übrigens nicht davon abhält, jeden Tag in einen anderen Supermarkt zu huschen. Schließlich muss sie mal an die Luft! Und außerdem trifft sie ja dort ihre Freundinnen! Meine gehauchte Frage, wieso sie mit den Mädels denn nicht im Grünen und ohne Maske spazieren geht, schmetterst Mausi gekonnt ab. Im Freien ist ja nichts los! Mit Maske jedoch könne ihr auch beim Shoppen nichts passieren! Und weil an die hübschen medizinischen Masken so schwer ranzukommen ist, stellte auch Mausi sich brav an, als neulich der Dorfsheriff unseres Ortsteils persönlich diese Masken an seine Dorfbewohner abgab. Gegen den unwesentlichen Obolus von einem Euro pro Maske übrigens. Mausi fand das großzügig, während ich einen Anfall von Schnappatmung bekam: OP- Masken kosten im Einkauf pro Stück keine 10 Cent! Mama Mausi kaufte sich dennoch einige. Man weiß ja nie…

Vor allem weiß der zeitungslesende Gutbürger nicht, wie gefährlich diese Schnuffis sind, wenn sie mehrmals getragen werden. Viren tummeln sich zwar nicht darin, dafür umso mehr potentiell krankmachende Bakterien. Aber für einen Euro das Stück kann frau doch ruhig zugreifen!

Und ich komme nicht drum herum, nach dem Fehler zu fahnden. Als ich neulich  Fragen wie diese in den Raum geschmissen habe, musste ich mir den Vergleich eines „Mund- und Nasenschutzes“ mit einem Inkontinenten anhören! Den fand ich so krass, dass auch ich Dummi endlich kapiert habe, worum es geht (Sarkasmusmodus aus!) Jedenfalls möchte ich diesen Beweis geistiger Inkontinenz an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen: Also: Masken sollen abhalten, was aus dem Menschen so rauskommt. Nehmen wir einen Inkontinenten. Wenn dieser nackt ist, verteilt er sein Pipi auf Umstehende… Hat der Pinkler jedoch netterweise eine Unterhose an, bleibt der Urin bei ihm… Also wer jetzt den Sinn der Maskenpflicht immer noch nicht verstanden hat…

Ja geht es eigentlich noch?! Wenn das Meinungsfreiheit Deutschland 2020 ist, bin und bleibe ich die Schweiz.

Leise Hoffnung machen mir Nebensätze in manchen Nachrichten wie „Latente Unruhe im ganzen Land“. Hmhhhhh…

Da erzählt mir einen Freundin, dass sie montags neuerdings abends auf dem Domplatz zu Erfurt spazieren geht… Ah jaaaaa… Man geht in Anlehnung an die Montagsdemonstrationen von 1989 wieder demonstrieren. Ähm. Spazieren. Und ich kapiere, was es mit den latenten Unruhezuständen im Lande vielleicht auf sich hat.

Und dann werde ich gestern Abend rein zufällig Zeugin einer Nachrichtensendung der Öffentlich Rechtlichen, die den Hauch von ein bisschen Hoffnung macht: In vielen Städten Deutschlands kam es zu derartigen „Spaziergängen“. In Stuttgart etwa hatte der Veranstalter 50000 Teilnehmer dazu angemeldet, die Stadt genehmigte immerhin ein Zehntel davon. In Folge dieser Entscheidung wurde einer Vielzahl von Menschen die Teilnahme polizeilich verweigert. Im Interview kamen dann Menschen zu Wort, denen meine ganze Sympathie gehört, bin ich scheinbar mit meiner Überzeugung doch nicht allein: Da sagte einer, er sei gekommen, um sich die Rechten und Linken aus der Nähe anzuschauen, die sich nach Medienberichten ja bei solchen Gelegenheiten zusammenrotten. Er sei aber sehr erstaunt, meinte der Gefragte, dass all diese Rechten und Linken sich verkleidet haben mussten. Denn alle dort seien doch wie er!

Eine junge Frau brachte meine Gedanken auf den Punkt: Sie hält die Maskenpflicht für ein Symbol dafür, dass dem Volk der Mund verboten wird.

Der Kreis üblicher Berichterstattung wurde übrigens ganz schnell wieder geschlossen, als die Nachrichtensprecherin betonte, dass nur wenige Zehntausende an solchen Demonstrationen teilnehmen.

Armes Deutschland.

P.S.: Am Montag geht man um 19 Uhr wieder am Erfurter Domplatz spazieren. Frau übrigens auch.

 

 

 

 

Mama macht das schon…


xyz 008Einst wurde ich auf einem Gothaer Spielplatz unfreiwillige Zeugin des Monologes zwischen einer Mutter und ihrem dicklichen Sprössling. Der Bengel war etwa im Grundschulalter und hatte sich gerade einem blondzopfigen Mädchen im Kampf um ein Sandförmchen geschlagen geben müssen. Nun warf er sich heulend in Mamas Arme und schluchzte erbärmlich. Ich hatte den Kampf um das fragliche Spielzeug beobachtet und insgeheim das Mädchen angefeuert, dem das rote Sandförmchen offensichtlich gehörte. Die Mutter des Jungen sah nicht den gerechten Kampf, sondern verständlicherweise nur die Tränen ihres Kindes. Doch als sie den Bengel dann herzte und küsste, ihm das Rotznäschen wischte und mit bösem Blick auf das Blondköpfchen in der Sandkiste: „Ach Karsten, lass doch das böse Mädchen! Du heiratest später nur die Mama.“ raunte, da kam ich nicht umhin, böse zu denken, dass die Welt um Himmels Willen nicht noch einen Kerl braucht, der nur seine Mami liebt.

Was aus dem dicklichen Muttersöhnchen geworden ist, weiß ich nicht. Ich wünsche den Frauen, die ihm begegnen aber von Herzen, dass er eine Vaterfigur hatte, die ihm männliche Wertvorstellungen vermitteln konnte, ihm beigebracht wurde, zu dem zu stehen, was ein Mann tut, auch wenn es vielleicht falsch ist. Ich würde ihm wünschen, dass er es wagt, zu dem zu stehen, was er tief im Herzen fühlt. Ich wünsche dem Mann, der er heute ist, dass er Frauen kennenlernen darf, die er mehr liebt, als seine Mutter.

Dass es Hoffnung gibt, bewies mir kürzlich der Sohn meiner Freundin Kati, dessen Hund sich auf das Lieblingsshirt seiner Freundin erbrochen hatte. Der Bengel rief umgehend Mama Kati an und fragte, was in diesem Fall zu tun sei.
Kati hielt sich nicht mit der Frage auf, wie der Hund denn dazu kam, auf das Shirt der Freundin zu kotzen, sondern wies ihn mit kurzen Sätzen an, wie das T-Shirt schnellstmöglich zu retten sei. Der Bengel war nun wirklich kein Dummer und doch schien er enorme Schwierigkeiten mit der Handhabung einer gewöhnlichen Waschmaschine zu haben. Beeindruckend fand ich, dass der Junge die Mama um Hilfe fragte. Andere hätten möglicherweise die Sauerei mit der Gewissheit „Mama macht das schon.“ gleich an Mama delegiert. Unwillkürlich tauchte vor meinem inneren Auge der Grundschüler von damals auf, der in selbiger Situation wahrscheinlich in Mamas Arme gelaufen und bitterlich geschluchzt hätte.

Als ich schon innerlich auf Mütter von Söhnen, die scheinbar nichts auslassen, um ihre Söhne zu alltagsuntauglichen Muttersöhnchen zu machen, schimpfen wollte, sah ich meinen eigenen hoffnungsvollen blonden Nachwuchs vor mir, der erst neulich bewiesen hatte, dass Mütter von Töchtern ihre Mädels auch nicht unbedingt zur Eigenständigkeit erziehen:
Mein blondes Töchterlein wollte nämlich Eier kochen. Sie setzte Wasser auf und schmiss ein paar Eier hinterher. Es kam, wie es beim Eierkochen meistens kommt: Ein Ei platzte, noch bevor das Wasser richtig kochte. Was in der Vorstellung meiner Jungerwachsenen nichts anderes bedeutete, als dass die Eier gut waren. Natürlich war ich Schuld an dem Dilemma, dass mein Kind nicht kochen konnte. Denn auch in unserem Haushalt hieß es viel zu oft: “ Mama macht das schon.“

Wir Mütter wollen unserem Nachwuchs das Leben leicht machen und ihnen den Weg ebnen. Das ist eben so.

Doch irgendwo zwischen Sandkasten, Waschmaschine und Eierkochen müssen wir lernen loszulassen, damit unsere Kinder flügge werden und in der Lage sind, ohne Mama zu überleben. Das ist eine Aufgabe, die Mama unbedingt bewältigen muss, wenn sie ihr Kind liebt. Vielleicht dankt das Kind ihr eines Tages dafür, dass sie nicht versäumt hat, ihm beizubringen, wie man auch ohne Muttis Hilfe Steine aus dem Lebensweg räumt.

P.s. Diesen Text habe ich 2013 für den „Oscar am Freitag“ geschrieben und beim Stöbern in den Tiefen von Jean Lucs Festplatte fiel er mir eben wieder in die Hände. Für die Mütter unter uns nicht nur am heutigen Muttertag.

Alles Liebe, eure Pauline

 

Maulkorb, Kurzarbeit und das böse C


Niemand kommt in diesen Tagen um Schreckensnachrichten rund um das fiese C herum. Ob frau will oder nicht: Sie sind überall. Ich komme nicht umhin, schaudernd zu bemerken, wie hoch mein Aggressionspotential zum Thema inzwischen geworden ist.

Wieso?

Alle Jahre wieder kommt das eine oder andere Virus von irgendwoher und sorgt für allerlei Wirbel. So weit, so alt der Hut. Seltsamerweise erkennt man auch in jedem Jahr auf Neue, dass es die befürchtete Seuche in der vorhergesagten Form überhaupt nicht gab.

So wie die 34 Millionen verworfene Impfdosen, weil die gefürchtete Schweinegrippepandemie dann doch keine war. „In Deutschland zerbrechen sich die Behörden den Kopf, wer die Millionen Impfdosen bezahlen soll – die vermutlich im Müll landen. Die Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, erklärte am Dienstag in Genf, nun beginne die „post-pandemische“ Phase. Die Seuche sei „weitgehend abgelaufen“. Hierzulande gab es vom Herbst 2009 bis August 2010 über 226 000 gemeldete Schweinegrippe-Fälle. 258 der Patienten starben nach Angaben des Robert Koch-Instituts. Die wahre Zahl der Infektionen schätzen Experten um ein Vielfaches höher.“ so hieß es in einem Artikel des Focus vom 10.August 2010. Das ist nur eines der vielen Beispiele, die mir durch den Kopf flattern, wie die Möwen zu Zeiten der Vogelgrippe an der Ostseeküste, als jedes Auto durch Desinfektionsbäder musste, während die weißen Vögel unbeirrt von der Insel aufs Festland und zurück geflogen sind.

Schon damals habe ich mich leise gefragt, warum Informationen über nahende oder tatsächliche Katastrophen von fast allen Medien förmlich mit brachialer Gewalt über uns ausgekippt werden. Immer und immer wieder. Kritische oder fragende Stimmen sucht frau vergebens.

In diesem Jahr heißt die potentiell todbringende Seuche Corona. Und die scheint ein ganz anderes Kaliber zu sein als ihre Vorgänger. Ob sie tatsächlich todbringender ist, nun, darüber darf man geteilter Meinung sein. Aber fragende oder gar kritische Stimmen werden scharf gerügt und sind nur selten zu hören. Das Geschäft mit der Angst der Menschen blüht. Corona heißt neuerdings Covid 19. Klingt ja auch viel dramatischer. Regierungs und unseren Medien sei Dank haben wir inzwischen ein flächendeckendes Drama, dass seines Gleichen sucht. Ja, ihr lieben Gutmenschen, ich weiß, ich weiß:

Was hätte Corona wohl angerichtet, wenn unser aller Angela und ihr rechtes Händchen, der Gesundheitsmann nicht so harte Maßnahmen verordnet hätten? Und die ziehen nach wie vor wirklich alle Register. Egal, wie sinnvoll diese dem gemeinen Volk erscheinen. Man gehorcht.

So untersagte Herr Söder neulich Motorradfahrern das Motorrad fahren. Ein Witz, dachte ich, der Gott sei es gedankt nur bayrischen Bikern zum Verhängnis wird. Aber nein, auch das Durchqueren bayrischer Lande auf heißen Reifen steht derzeit unter Strafe! Eine Begründung gibt es auch: Motorradfahrer neigen zu Unfällen und würden theoretisch die Intensivbetten belagern, die man doch für all die Coronapatienten freihalten muss. Nun, inzwischen dürfte es nicht nur in Bayern kein Geheimnis mehr sein, dass medizinisches Personal in Kurzarbeit geschickt wird, weil es weder Coronafälle, noch geplante Operationen in nennenswerter Höhe gibt. Motorradverletzte zumindest in Bayern übrigens auch nicht.

Sagte der Herr Spahn noch im März vollmundig, Masken seien Blödsinn und völlig unwirksam, so stellte sich Wochen später unser aller Kanzlerin in den Bundestag und verkündete gar Waschanleitungen für die von braven Bürgern selbstgeklöppelten Maulkörbe. Selbst zu klöppeln gilt als ein neues Heldentum, denn unser aller Regierung sah inzwischen zwar ein, dass Mund- und Nasenmasken zwar Überlebenschancen erhöhen könnten, sah sich gleichzeitig jedoch nicht in der Lage, die verordneten Dinger dem gehorsamen Bürger auch zur Verfügung zu stellen. Schon gar nicht kostenlos. Und so wird genäht, gestrickt und eben auch geklöppelt, was das kreative Gutmenschenherz hergibt.

Mir doch egal, dachte ich renitent. Ich muss die Dinger von Berufs wegen viel zu oft tragen, im Privatleben kommt mir das auf gar keinen Fall in die Tüte. Bis ich neulich einsehen musste, dass auch nix anderes in meine Tüte kommt. Weil ich ohne Maulkörbchen nirgendwo einkaufen darf.

So war im letzten Erlass aus der Landeshauptstadt zu lesen, dass ohne Maulkorb künftig bei Strafe kein Geschäft zu betreten sei. Außer man geht in eine Bank. Da wird frau bestraft, wenn sie eine trägt. Oder man ist Autofahrer.

Seit diesem Tag vergammeln in meinem Kühlschrank garantiert keine Lebensmittel mehr, meine hohe Kante wird ins Unermessliche steigen, denn einkaufen gehe ich nur, wenn gar nichts mehr geht. Und dieser Tag war heute. Zähne knirschend reihte ich mich in die Schlange der anderen Maulkorbträger ein, um einen Einkaufswagen zu erwischen. Mit diesem stellte ich mich – immer noch sehr artig – an der Drehtür des großen Einkaufstempels gleich um die Ecke an, um in selbigen endlich eingelassen zu werden. Man bot mir Desinfektionstücher und Mittelchen an, um den Einkaufswagen von unsichtbarem Schutz zu befreien. Während der Warterei wurde ich unfreiwillig Zeugin des Wortwechsels zwischen einer jungen Mutter und einer Verkäuferin. Diese wies die Mutter rüde an, dem Kleinkind im Einkaufswagen einen Mundschutz anzuziehen. Die Mutter weigerte sich bockig. Die Verkäuferin bekam angesichts dieser renitenten Frau fast Schnappatmung, als diese ihr erklärte, dass Kinder unter sechs Jahren keinen Schutz tragen müssen. „Er ist zwei Jahre alt. Er versteht doch gar nicht, was hier passiert.“ Ich gab dem Kind im Stillen Recht. Gegen ihn bin ich uralt und verstehe auch nicht, was hier passiert. Dabei wollte ich doch nur ein bisschen Obst! Mein Adrenalinspiegel stieg, als ich endlich die Auslagen frischen Obstes bewundern konnte. Aber durch die beschlagenen  Gläsern meiner Brille konnte ich die Köstlichkeiten kaum sehen. Doch irgendwann hatte ich alles, was ich brauchte und rannte, von Schweißausbrüchen und Panikattacken geplagt  zur Kasse. Ich wollte nur noch raus. Wieder musste ich mich in Geduld üben. An der Kasse  – Wen wundert es – lange Schlangen. Schließlich gibt es das dringende Gesetz, dass man sich an Ladenkassen keinesfalls auf mehr als 150 cm einem anderen Menschen nähern darf. Auch diese Hürde war irgendwann geschafft. Doch nur, um in der nächsten Schlange zu landen: Der nach draußen. Die Drehtür des Tempels kulinarischer Freuden entlässt die Menschen genau so langsam, wie sie ihnen Einlass gewährt. Es dauerte unendlich lange, um das Gefühl von Luftnot loszuwerden, das mich angesichts meines Maulkorbeinkaufs erfasst hat.

Bin ich paranoid? Vielleicht ist Corona mit all den seltsam bis irre anmutenden Ge- und Verboten für mich auch ein ganz eigenes Thema: Von je her macht es mich bockig, wenn mir jemand sagt, wie ich dies und das zu tun habe. Ich bin der letzte Mensch, der unnötige Risiken eingeht. Aber als denkender Mensch erwarte ich für konkrete Anweisungen konkrete Gründe. Und die sehe ich nicht. Statt dessen viel Verwirrendes, Widersprüchliches und schlicht Sinnloses.

Da darf ich endlich wieder meinen Schönheitstempel besuchen. „Jippi!“, freue ich mich und ziehe mein eigens mitgebrachtes Handtuch aus der Tasche. Doch die Kosmetikfee wedelt energisch mit den Fingern: Auf keinen Fall darf hier Textiles Kundeneigentum den hygienisch einwandfreien Behandlungsstuhl berühren. „Ach ja?“, überlege ich ermattet: „Und was ist mit mir und meinen Klamotten? Schwebe ich über den Dingen?“ Weil Coronarer Irrsinn von ganz oben zur Methode erklärt wurde?

Gestern wurde übrigens so ganz am Rande die Heinsbergstudie veröffentlicht. Heinsberg war der Landkreis mit den meisten Coronainfizierten. Die Zahlen, die sich dort im Lauf der Wochen errechnet haben, sind angeblich auf ganz Deutschland übertragbar. (Ist dieses Wort in unserer hochinfektiösen Zeit überhaupt politisch korrekt?). Egal, nach dieser Studie liegt die Zahl derer, die mit Corona starben deutschlandweit bei 0,37%. Eine Zahl, die angesichts der Folgen, die Covid 19 für jeden Einzelnen von uns hat, Erschrecken auslöst. Jedenfalls bei mir.

Und ich komme nicht um die bange Frage herum, ob 0,37% Mortalität rechtfertigen, was uns an Zwängen, Maßnahmen und Verboten zugemutet worden ist. Wie viele Unternehmen werden die Infektion mit der Angst wohl überleben? Wenn ich lese, dass auch die Deutsche Lufthansa von Corona in die Knie gezwungen wird, erscheint es mir fast wie Ironie. Wie konnten wir zulassen, dass ein unsichtbares Ding namens Covid 19 größer wird, als ein als ein Airbus?

Bleibt gesund und kritisch!

Eure Pauline

 

Coronaler Wahnsinn, Ohnmacht und ich – ein (fast) normaler Mensch-


20200411_114550Die Welt ist auf unbestimmte Zeit im Ausnahmezustand. Das Coronafieber hat uns fest im Griff. Dabei ist es mitnichten so, dass wir alle Fieber haben. Zum Glück. Genau genommen kenne ich niemanden, der auch nur jemanden kennt, der Corona hat. Und trotzdem sind die Medien voll mit Meldungen, nach denen Corona uns meucheln wird, wenn wir nicht strengste Auflagen befolgen. Bis Ostern hieß es. Bis die Verdopplung der Neuinfektionen zehn Tage übersteigt. Nun, inzwischen liegt diese Fixzahl weit darüber. Dennoch wird sich am Koma des öffentlichen Lebens und der kurzen Leine, an der jeder von uns gerade baumelt, auf sehr lange Zeit nichts ändern. Während die Einen brav dem so beliebten wie seltsamen Aufruf „Stay home“ folgen und hinter verschlossenen Türen emsig Atemmasken mit fragwürdiger Schutzfunktion klöppeln, sehen andere ohnmächtig dem Sterben ihrer Existenz zu.

Ohnmacht.

Vielleicht beschreibt dieses Wort am besten das Gefühl, dass sich in mir mehr und mehr ausbreitet. Ich, ein fast normaler Mensch, der wahnsinnig gerne unterwegs ist, die Sonne auf der Haut und den Wind im Haar liebt, der den Austausch mit anderen Menschen braucht, wie andere die Vorabendserie auf RTL, habe derzeit das Gefühl, mich entschuldigen zu müssen, wann immer ich mich im Freien aufhalte. Denn DAS gehört sich gerade nicht. „Stay home“ ist gutes Benehmen, nicht „Gone with the wind“.

Jeder geht mit Corona um, wie er es für richtig hält. Und wenn das für manche bedeutet, in Sterilium zu baden und sich anschließend mit Klopapier abzutrocknen, dann bitte schön.

Ich frage mich still, was Corona mit mir macht?

Da ist mein blonder Nachwuchs, dem gerade das Leben hoch kommt. So richtig. Mal eben hinfahren ins ach so ferne RLP ist gerade auch nicht fein. Stay home .- Wir erinnern uns?! – „Bald ist ja Ostern.“, so dachte die starke Frau in mir. Dann wollte ich das Kind an mein bedingungslos liebendes Mutterherz drücken und allen Schmerz wegtrösten. Sei es nur eine Minute lang. Doch nix da, dachte sich der coronale Irrsinn… Wie für Klinikpersonal zu erwarten ist, hatte auch mein Nachwuchs irgendwann coronale Kontakte. Gesundheitlich konnte man dem Kinde nichts nachweisen, dennoch wurde es per Gesetz zu Quarantäne verurteilt. Ostern war dahin und mütterlicher Trost nur noch eine Illusion.

Ohnmacht.

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass das Einzige, was man derzeit weiß ist, dass niemand etwas weiß. Manchmal komme ich nicht umhin, mich bang zu fragen, ob man hier schlicht mit der Angst der Menschen spielt?

Wenn mir auf der Straße junge, augenscheinlich gesunde Menschen begegnen, die angetan mit Atemschutz und Handschuhen ihres Weges gehen, verspüre ich dieses beklemmende Gefühl. Wenn ich im Supermarkt meines Vertrauens von einem vermummten Türsteher ermahnt werde, wegen des Abstandes zu dem Typen in meinem Leben unbedingt einen eigenen Einkaufswagen zu benutzen, dann kann ich inzwischen dem Drang widerstehen, den Pinguin zu fragen, ob er mitbekommen hat, dass MC und ich demselben Auto entstiegen sind? Ja, ihr lieben Gutmenschen, ich weiß, dass die Supermärkte die Zahl ihrer Einkaufswagen reduziert haben, um der potentiellen Menschenmassen Herr zu werden, die sich möglicherweise sonst gleichzeitig um Klopapier kloppen könnten.

Ohnmacht.

In selbigem Einkaustempel steht die Kassiererin mit selbstgeklöppelter Schutzmaske und angetan mit Einmalhandschuhen hinter Plexiglas. Allein die Ohnmacht hindert mich an der Frage, ob sie gleich eine Operation am offenen Herzen durchführen muss.

Ich selber komme im Beruf tagtäglich mit allen möglichen potentiell todbringenden Keimen in Kontakt. Corona ängstigt mich als Keim eher wenig. Ich trage Handschuhe, benutze großzügig Desinfektionsmittel und bete die gute alte Seife an, die in Verbindung mit viel Wasser wahre Wunder im Kampf gegen Keime wirken soll.

Was kann gegen den Schaden wirken, den Corona & Co. KG in unseren Köpfen anrichtet?

Wenn ich von der Terrasse in meiner zweiten Heimat hinter dem Berg hinunter ins Tal schaue, dann empfinde ich für einen Moment so etwas wie Frieden. Die Stille hat etwas Heilsames und die Ohnmacht in mir scheint so fern wie Corona zu sein und ich vergesse die Angst vor dem, was dieses Virus in mir und mit jedem von uns anrichtet.

Bleibt gesund und mir gewogen.

Eure Pauline

Nun ja…


Jetzt habe ich den Salat… :

Die PR- Frau an meiner Seite hat kürzlich die schön getuschten Augen zum Himmel gehoben, als sie die Ergebnisse vom Provinzgeschnatter anno dazumal von daheim und „ungeschminkt“ gesehen hat. Ersteres findet ihre Zustimmung, Letzteres erntet die eingangs erwähnte Reaktion ihrerseits. Ich möchte ihre genaue Beschreibung meiner Wenigkeit ungeschminkt und im Selfimodus an dieser Stelle nicht wiedergeben. Dabei hatte sie an der Idee an sich nichts auszusetzen. Allein die Perspektive ist aus ihrer Sicht „kontra“. Die starke Frau in mir denkt sich „Püh.. “ Aber ich bin auch ein Mädchen. Und deshalb ein bisschen eitel.  Tatsächlich erreichte mich gestern erst eine Lesermeinung, wo man mich fragte, ob ich die derzeitige Kontaktbeschränkung ausschließlich mit essen tot schlage… Kinner nee…                       Weil ich ein Mädchen bin, habe ich beschlossen, nix mehr Lesung von anno dazumal im Selfimodus. Sondern künftig ausschließlich mit der ausführenden Hand einer Kameramannfraukind… Aber noch immer ungeschminkt und von anno dazumal. Versprochen.

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Corona, Likes und (Selbst?)kritik


Corona hat jeden von uns im Griff. Ein Umstand, der mich überlegen lässt: Was macht das fiese Virus mit MIR?

Weder horte ich Klopapier, noch laufe ich panisch in der Gegend herum und zeige mit den Fingern auf Menschen, die – Schande über sie – nach draußen gehen. Was ist los mit uns? Ist das Klopapierphänomen möglicherweise ein Indikator für den geistigen Dünnschiss, der so viele von uns befällt? Etwa direkt proportional zum Kaufverhalten?

Mal im Ernst: Es fällt sicherlich nicht nur mir auf, dass eigenes Denken in unserer ach so freien Welt nicht besonders oft „geliked“ wird. Ich finde, dass jeder das Recht auf seine Sicht der Dinge hat. Aber ich wage die Theorie, dass wir die Pflicht haben, kritisch zu sein. Auch und gerade jetzt im coronalen Irrsinn.

Ihr lieben Gutmenschen, die ihr jetzt die sauberen Finger erhebt und von euch weg auf andere zeigt, die möglicherweise so impertinent sind, sich trotz der von regierungs erlassenen  Verbote, sich draußen aufzuhalten, EINFACH SO raus gehen, seid ihr sicher, dass eure Ansicht die richtige ist? Und wenn ja, seid ihr kritisch?

Ich persönlich maße mir nicht an, zu urteilen. Im Gegenteil, ich bin kein Virologe (das sind die Menschen, die meiner Ansicht nach die Einzigen mit ausreichendem Basiswissen sind, weil sie Werdegang, Verhalten und Absicht gemeiner Viren auf der Arztschule studiert haben) , aber ich komme nicht um manche Fragen herum:

Was zum Beispiel macht Corona, während wir brav, weil von regierungs verordnet, daheim hocken? Kann man ernsthaft glauben, Corona steigt in den nächsten Zug nach Nirgendwo und ist weg? Mitnichten! Experten ( Virologen, s.o.) reden davon, dass es erst gebannt ist, wenn ein Großteil der Menschen „durchseucht“, das heißt infiziert worden ist. Etwas, was meiner Ansicht nach nicht passiert, solange der gemeine Gutmensch hinter verschlossenen Türen andere verurteilt und im besten Falle Mundschutzmasken bastelt.

Ich erinnere mich dunkel daran, dass wir in Kindertagen ganz entspannt von unseren Müttern mit Kindern zusammengebracht worden sich, die gerade die Windpocken oder ähnliche Kinderkrankheiten hatten. Einer hatte es, alle machten es durch. Fertig. HERDENIMMUNITÄT nannte man das. Dann war das Thema nämlich durch.

Corona der diesjährige neue Stamm aus der Influenzafamilie ist nichts anderes. Ihr fallen in diesem, wie übrigens in jedem anderen Jahr bedauerlicherweise Menschen zum Opfer. Und wo wir schon dabei sind: Corona ist irgendwann durch. Die Wirtschaft vermutlich auch, aber nun ja… Regierungs wissen ganz bestimmt, was sie tun…

Aber wo wir dabei sind, überlege ich gerade, was wir wohl mit dem zu erwartenden neuen Grippestamm des Winters 2020/21 anstellen? Ist das derzeitige Szenario noch zu toppen?

Fast witzig mutet die kürzliche Nachricht an, dass ausgerechnet der Leibarzt unser aller Anschela Kontakt mit Corona hatte, weshalb dat Anschela flugs in Quarantäne musste. So viele andere mussten es ja auch. Hach was sind wir doch ein einig Völkchen… Ein Schelm, der Böses dabei denkt… Richtig komisch wurde diese Meldung in meinen Augen, als man uns daheimgebliebenen Gutmenschen verklickerte, dass auch der DRITTE Abstrich aus der Kanzlerin Rachen frei vom todbringenden Virus sei. Na so was! NIEMAND, aber auch wirklich gar keiner der Kontakt mit jemandem hatte, der vielleicht… bekommt DREI Abstriche! Der Normalmensch begibt sich in Quarantäne und wartet auf Symptome. Dann können wir über EINEN Abstrich reden!

Während ich hier sitze und einigermaßen wütend in die Tasten haue, komme ich nicht umhin, darüber nachzudenken, warum mich – also mich persönlich- das Thema so bewegt. Hebe etwa auch ich gerade den Zeigefinger, um von meinem eigenen Mist weg zu zeigen?

Was ist los mit mir? Wollte ich nicht in mich gehen und eigene Baustellen bearbeiten? Die Wahrheit ist, dass es mir so wie fast allen anderen schwer fällt, mich mit eigenen Wunden auseinanderzusetzen.

Warum triggern mich Posts von Leuten, die fragen, wo man Stoff herkriegt, um Atemschutzmasken zu basteln? Und warum kriege ich Krämpfe, wenn am nächsten Tag ein Post herein flattert, der darauf verweist, dass derlei Masken o.g. Namen nicht tragen dürfen? Und warum verursacht der mittlerweile so normale Anblick von Menschen, die veratemschutzmasket und behandschuht einkaufen gehen, auch wenn sie kein Klopapier horten, bei mir Anfälle von Schnappatmung? Es ist eine bedrückende Zeit…

Eine anerkannte thüringische Universitätsstadt dachte angeblich in den letzten Tagen über die generelle Einführung von Atemmasken nach. Dieselbe Stadt übrigens, die gestern kund tat, Blumenläden wieder zu öffnen. Ah jaaaa….

Vor einem Jahr nörgelte sich ein liederlich bezopftes Kind in unsere Köpfe. Heute suchen Spargelbauern Hände ringend nach Erntehelfern. Gretchen, das ist doch genau dein Ding! Wo bist du? Friday for future … ab auf die Felder mit euch, Schule gibt es auf absehbare Zeit nicht, wo seid ihr alle?

Ich bin schon immer jemand gewesen, der quer war. Ich habe mich nur widerwillig angepasst und mir viel zu oft Ärger eingehandelt, weil ich unbequeme Fragen hatte.

Und in dieser aufgezwungenen Einsamkeit will ich mich mit der einzigen Frage befassen, von der ich schon so lange weiß, dass ich wahrscheinlich keine Antwort bekomme:

WARUM?

Warum bin ich nicht wie so viele andere? Wieso fehlt mir die Weitsicht, die so viele andere haben, mich mit Soßenbinder, Hygieneartikeln und Hartweizenprodukten zu bevorraten, falls Corona alle Wirtschaftszweige ein für alle mal auslöscht? Was stimmt mit mir nicht?

 

Bleibt gesund und mir gewogen,

eure Pauline