Tag-Archiv | Alkoholismus

PROVINZGESCHNATTER online (45): Die Macht der Medien


130218 Pauline neuDas Recht, die Bluse aufzuknöpfen, die Frage nach dem Ausschnitt und die Rolle des „Sterns“ bei der aktuellen Sexismus-Debatte spowie die (Ohn-)Macht der Medien beleuchtet provinziell schnatternd Pauline Werner und kommt dabei zu bemerkenswerten Einsichten, meint der Mann, der ihren Beitrag hier verlinkt …

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PROVINZGESCHNATTER online (45): Die Macht der Medien


Es ist nicht nur die neu erwachte Sexismusdebatte, in der sich eine Jungjournalistin kürzlich daran erinnerte, dass ihr ein aufstrebender Politiker vor Zeiten mal in einer Bar aufs Dekolletè starrte, die neuerdings auch die Gemüter unseres Weiberhaufens erhitzt.

Wir Frauen hierzulande besitzen die Freiheit,uns so zu kleiden, wie es uns gefällt. Wir dürfen je nach Anlass oder Stimmung sportlich, elegant oder aufreizend sexy sein.

Und dieses Recht nutzen wir mit Genuss.

Mode bietet uns vielfältige Möglichkeiten, unsere Phantasie zu entfalten, unsere Problemzönchen zu kaschieren und eben auch unsere Vorzüge zu unterstreichen.

Natürlich zieht frau sich in allererster Linie für sich selber schön und nicht selten sexy an, aber wir Mädels sind uns einig: Wenn der Tag kommt, an dem uns ein Mann nicht mehr als das wahrnimmt, was wir sind, nämlich tolle Frauen, wird der Tag sein, an dem wir im Sarg liegen.

Coco Chanel sagte einst, dass eine Frau mit 19 entzückend, mit 29 hinreißend, aber erst mit 39 unwiderstehlich ist.

Dem Feminismus ist es zu verdanken, dass Frauen in unserer Welt selbstbestimmt und gleichberechtigt sind. Es ist unser Recht, so aufzutreten, wie wir selbst uns das wünschen. Wenn wir sexy und unwiderstehlich sein wollen, dann sind wir das.

Aber gibt uns das das Recht, mit dem Finger auf den Mann zu zeigen, der auf unseren tiefen Ausschnitt, den offenen Blusenknopf oder unsern Hintern schaut?

Er schenkt uns Aufmerksamkeit, zollt unserer Schönheit vielleicht Respekt. Was kann der Kerl denn dafür, dass er nicht der attraktive, sexy Typ neben ihm ist, der uns leider ignoriert?

Welche von uns Frauen hat noch nicht einem tollen Typen auf … den Hintern gestarrt? Und? Hat der Typ etwa „Belästigung!“ geschrien?

Vielleicht braucht ein Aufschrei der Entrüstung schlicht ein dankbares Publikum. Im Fall der Journalistin war der ungalante Gaffer eben ein Mann auf der Karriereleiter. Ein Schelm, wer der jungen Frau zutraut, diesen Vorfall für die eigene Karriere zu nutzen. Dank der Medien offenbar kein Problem.

Babsi fragte angesichts solcher Entwicklungen empört in die Runde, ob die emanzipierte Frau von heute, die kein Problem damit hat, ihren Busen freizügig zu präsentieren, dennoch nicht frau genug ist, unerwünschte Blicke selbstbewusst in andere Bahnen zu lenken?

Wenn ein solcher Vorfall derart Entrüstung in Medien und Köpfen schaffen kann, dann sollten wir uns fragen, wie Frauen anderer Nationalitäten und Wertvorstellungen wohl darüber denken, dass eine deutsche Frau die Freiheit hat, mit ihren Reizen nicht geizen zu müssen und dennoch offenbar nicht mit den Folgen umzugehen vermag.

Mich ärgert ehrlich gesagt in diesen Tagen die mediale Zurschaustellung der Alkoholkrankheit einer Dame, die frau aus der Provinz sowieso nur aus der Klatschpresse kennt. Nämlich als ein Sternchen längst vergessener Tage, verheiratetet mit einem einflussreichen Herrn, der aus meiner Sicht das blonde Frauchen schön vermarktet.

Blondi gab zu bedenken, dass Alkoholismus eine ernstzunehmende Krankheit und der Gang besagter Dame an die Medien ein Outing, möglicherweise Teil ihrer Therapie sei.

Mag sein, aber ich kam nicht um die bange Frage herum, welches Sprachrohr Ottonormalfrau in selber Situation wohl hat. Wen interessiert es, mit welcher Abhängigkeit sich Frau X aus Y herumschlagen muss?

Ich bleibe dabei: Medien lassen sich missbrauchen, um Karrieren anzuschubsen oder aber zu zerbrechen. Sei es die Jungjournalistin, die ein Jahr braucht, um diesen Vorfall sexueller Belästigung öffentlich zu machen.

Oder die in Vergessenheit geratene Blondine, die nach ihrem Gang zu den dankbaren Medien wieder in aller Munde ist.

Oder noch aktueller eine Ministerin, der man 30 Jahre nach der Promotion Betrug nachwies. Gerade haben wir erfahren, wie die öffentliche Meinung auch mit dieser Karriere umgeht.

Bis die Tage, Pauline

Seit 24. Februar 2012 gibt es “Provinzgeschnatter” in der