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Provinzgeschnatter online (47): Nicht immer ist drin, was drauf steht


130218 Pauline neuvon Pauline Werner

Keine Frage; auch wenn unsereins eher mit Argusaugen auf die Kalorien achtet, die wir so verputzen, ist es uns Mädels nicht schnuppe, WAS wir essen. Aber ich bin weder dem Diät-, noch dem Bio-Wahn verfallen. Trotzdem schlägt mir die aktuelle Pferdefleisch-Debatte auf den Magen, wie man unschwer im aktuellen Provinzgeschnatter lesen kann.

Seit 24. Februar 2012 gibt es “Provinzgeschnatter” in der

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PROVINZGESCHNATTER online (47): Nicht immer ist drin, was drauf steht …


Weil Wissenschaftler sagen, das beste Mittel gegen Winterdepressionen sei Bewegung, packte ich neulich meine wintermüden Gebeine dick ein und machte mich auf die Suche nach Sonne.
Fehlanzeige.

Nachdem sie sich, wie um mir zu beweisen, dass sie sehr wohl könnte, wenn sie wollte, sekundenlang durch die zähe Wolkenpampe gequält hatte, verschwand sie umgehend.

Um mein depressives Gemüt noch weiter zu quälen, meinte Frau Holle genau im Anschluss an diesen halben Sonnenstrahl, unbedingt alle verfügbaren Betten ausschütteln zu müssen. Und ich kam nicht drum herum, mich zu fragen, wo wir, rein wettertechnisch eigentlich sind?

Gut, es ist Februar. Da ist nun mal Winter. Aber wann hatten wir zuletzt einen Winter mit so wenig Sonne?

Ich habe noch die sorgenvollen Rufe diverser Wetterforscher im Gedächtnis, die vor Jahren prophezeiten, dass unsere Kinder Schnee künftig nur noch aus den Erzählungen der Alten kennen würden. Und nun das. Schnee seit Monaten. Von Klimaerwärmung keine Spur. Mir scheint eher, es kommt einen neue Eiszeit auf uns zu.

Genervt klingelte ich Blondi an. Wenn jemand ein Mittelchen gegen Winterlebensmüdigkeit hat, dann sie!
Wieder Fehlanzeige!

Meine taffe Freundin schlurfte mit Schnupfennase und Triefaugen durch die Tage und verlangte krächzend nach Frischobst. Wir schleppten uns zu Blondis Lieblingssupermarkt, der Bioprodukte aller Art im Angebot haben soll.

Was Bioprodukte betrifft, bin und bleibe ich skeptisch. Natürlich habe ich mich mit den Auflagen beschäftigt, die die Hersteller von biologisch einwandfreien Produkten erfüllen müssen. Und wenn es so läuft wie gefordert, dann hat der Erzeuger meinen Respekt.

Dennoch frage ich mich, wie der biologische Werde- und Umgang eines solchen Erzeugnisses wohl kontrolliert, geschweige denn nachgewiesen werden soll. Denn angesichts eines Lebensmittelskandals nach dem anderen sollte es keine Frage mehr sein, dass das Etikett an einer Ware noch lange nicht halten muss, was es verspricht.

Aber angesichts des bemitleidenswerten Zustandes meiner Freundin verkniff ich mir meine Meinung dazu und packte ergeben Biozitronen zu rotbackigen Bioäpfeln und einigen biologisch einwandfreien Gemüsesorten. An der Kasse war ich der Ohnmacht nahe, aber Blondi mahnte mich milde, dass biologische Qualität nun mal ihren Preis habe.

Da war sie wieder, meine Skepsis: Wie kann ein Bio-Apfel aus heimatlicher Erzeugung, der nach meinem Wissen irgendwann im Spätsommer geerntet wurde, im Februar derartig frisch aussehen? Seit wann kann man Salat, der nicht chemisch behandelt ist, tagelang aufbewahren? Und wo kommen zu dieser Jahreszeit Bio-Erdbeeren her?

Bioprodukte sind sicherlich in der Grundidee eine feine Sache, aber als Massenprodukte in den Supermarktketten vielleicht ein bisschen kritischer zu betrachten, als meine verschnupfte Blondi das gerade tat. Blondi findet mich zynisch, aber ich glaube, dass „Bio“ in Supermärkten schlicht ein Synonym für besonders teuer ist und ökologisch unbedenkliche Lebensmittel nur vom Bauern direkt zu beziehen sind.
Aber dort gibt es leider im Februar weder Erdbeeren noch Zitronen.

Dafür weiß ich, dass mein Steak noch vor Kurzem über Thüringer Weiden getrampelt und unbelastet von Rinderwahn und anderen Lebensmittelskandalen fröhlich „Muh“ gemacht hat und mein Sonntagsei garantiert von einem glücklichen Huhn stammt, das eine fröhliche Landwirtin mit Namen kennt. Das ist Qualität, auf deren Beständigkeit aus meiner Sicht auch Verlass ist und für die ich gerne einen Preis zu bezahlen bereit bin.

Viel später löffelten wir einträchtig biologischen, oder wie auch immer erzeugten, auf jeden Fall köstlichen Obstsalat, als unser Gespräch natürlich auch auf Germanys neuesten Lebensmittelskandal kam.

Richtig, wie in jedem Frühjahr geht es auch in diesem Jahr wieder der Lebensmittelindustrie an die Ehre. Nach Rinderwahn, Vogelgrippe und Gammelfleisch hat man kürzlich Pferdefleisch in Fertigessen gefunden. Wenn ich darüber nachdenke, dass eine Dose Ravioli keine 3 Euro kostet, dann mag es einleuchten, dass von derart günstigen Lebensmitteln keine besondere Qualität zu erwarten ist.
Dabei ist das Pferdefleischproblem aus meiner Sicht eher ein ästhetisches. Denn obwohl man weiß, dass sicherlich die meisten Pferde weder gemästet, noch mit Antibiotika vollgepumpt werden, stattdessen nur gutes Heu und ähnliches Futter erhalten und ihre Tage mit viel Bewegung auf grünen Weiden verbringen, graut es uns bei dem Gedanken daran, dass Pferdefleisch eben auch essbar sein könnte. Wir Mädchen denken bei dem Wort „Pferd“ an weiche Nüstern und wunderschöne braune Augen. Man isst „Black Beauty“ einfach nicht!

Nach diesem aufschlussreichen Schnatterabend ließ ich Blondi mit Zwiebelsaft und Biozitronen zurück und dachte über Winterdepressionen, Pferdefleisch und Schmuddelwetter nach.

Mein alter Geografielehrer Georg C. vertrat übrigens die These, dass der mitteleuropäische Winter aus sieben Teilwintern besteht. Sechs davon hatten wir in diesem Winter schon. Den siebten durchleiden wir in diesen Tagen.

Ich jedenfalls habe genug vom kaltgrauen Einerlei und gönne mir jetzt ein bisschen Sonne. Wenn ich im März nach Hause komme, habe ich außer neuen Geschichten für mein „Provinzgeschnatter“ vielleicht auch ein bisschen Sonne im Gepäck.

Bis die Tage,
Pauline

Seit 24. Februar 2012 gibt es “Provinzgeschnatter” in der