Tag-Archiv | Einsamkeit

Von Frau zu Frau die Vierte… Novembergrau und Glaubenssätze


11925853 – scary trees with roots in a dark forest

Als mir im Spätsommer dieses Jahres Ostsachsen.TV die Mitarbeit angeboten hat, habe ich ein Weilchen darüber nachgedacht, was ich mit dieser neuen Herausforderung anfange.

Witzig, frech und mit einem Augenzwinkern habe ich über Jahre den Blog „Provinzgeschnatter“ geschrieben. Vier Freundinnen trafen sich immer wieder gerne, um über ganz alltägliche Problemchen und außergewöhnliche Sorgen reden. “Provinzgeschnatter“ gibt es in Kürze als Buch. Für mich geht damit ein großer Traum in Erfüllung, aber ich finde auch, dass sich damit ein Kreis schließt. Die vier Mädels haben genug geschnattert.

Dennoch erreichen mich aus Gesprächen, Mails und guter alter Leserpost immer noch Gedanken und Sorgen anderer, über die wir künftig an dieser Stelle reden werden. „Von Frau zu Frau“ sozusagen.

Statistisch gesehen soll ja der November der Monat mit den meisten Selbstmorden sein. Ich habe keine Ahnung, ob da was dran ist. Tatsache ist und bleibt aber, dass die graue Jahreszeit auch unsere dunkelsten Gedanken hervorholt.

Mehr als zu jeder anderen Zeit des Jahres bewegen manche von uns tiefgründige Fragen: Warum läuft das Leben nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe? Warum ist ein bestimmter Mensch nicht mehr bei mir? Wieso muss ich einen geliebten Traum aufgeben? Für welche Tat bestraft mich das Universum mit Einsamkeit? Einsamkeit, die viele von uns nicht nur an den bevorstehenden Feiertagen durchleiden, sondern in sich drin an jedem Tag fühlen.

Ich glaube, dass es einfach keine Antworten auf Fragen nach dem „Warum?“ gibt. Manchmal sind die Dinge so wie sie sind. Punkt.

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir die Geschenke, die das Leben für jeden von uns bereithält, höchst selten hinterfragen. Je nach eigenen Möglichkeiten können wir sie annehmen oder eben nicht. Keiner würde auf die Idee kommen, sich zu fragen, warum das Leben es gerade gut mit ihm meint. Doch wenn es uns schlecht geht, kommen wir sehr gerne auf diese Frage zurück…

Auch ich kenne Tage, da stehe ich vor einem Abgrund. Ich finde mich mittendrin wieder und habe nicht die Kraft, mein zersplittertes Ich einzusammeln und mich auf den mühsamen Weg nach oben zu machen. Weil mir die Hand fehlt, die mich aus dem Sumpf zieht, oder das aufmunternde Wort eines anderen Menschen. Momente, an denen ich schwer an der Weisheit des Universums zweifle und ernsthaft überlege, ihm die Freundschaft zu kündigen. Und während ich so in meinem Loch aus Kälte und Dunkelheit hocke, kommt mir irgendwann der Gedanke, dass nicht das Universum, sondern ich selber mein Leben gestalte. Nach meinen Möglichkeiten. Mit meinen Farben. Es ist allein meine Entscheidung, ob ich mein Herz öffne. Trotz allem, oder gerade weil.

Es liegt an jedem von uns, an eigenen Glaubenssätzen zu arbeiten… Nichts liegt mir ferner, als das an dieser Stelle vorgefertigte Sprüchlein der Marke „Geh wohin dein Herz dich führt“, zu zitieren… Dieser funktioniert leider nur, wenn sicher ist, dass das Ziel für besagtes Herzchen auch erreichbar ist. Die Wirklichkeit zeigt nämlich, dass das ersehnte Ziel nicht selten hinter dicken Mauern am anderen Ende einer Sackgasse verschanzt ist. Mauern, die schlimme Schrammen am eigenen Seelchen verursachen, aber dennoch unüberwindbar bleiben.

Vielmehr geht es um Glaubenssätze wie „Ich kann das nicht.“ oder „Ich habe Angst.“ Wer es schafft, diese Glaubenssätze umzuwandeln in „Ich hab eine Scheißangst, aber ich kann das trotzdem…“, der wird vielleicht erstaunt sein, welche Türen sich öffnen, welche Leitern plötzlich an den Mauern unseres eigenen Abgrundes lehnen und mit welcher Kraft es uns möglich ist, den grauen Sumpf zu verlassen.

Alles Liebe

Pauline

 

 

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Eine Stunde Zeit


Alle Jahre wieder fällt am letzten Märzwochenende in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Stunde zwischen 2 und 3 Uhr der Sommerzeit zum Opfer.

Was viele nicht wissen: Die Sommerzeit hat in diesem Jahr ihren 100sten Geburtstag gefeiert.

Bereits 1916 wurde sie zu Energiesparzwecken eingeführt, durfte aber nach Beendigung des 1. Weltkrieges (von einigen halbherzigen Weckversuchen abgesehen) bis 1940 Winterschlaf halten. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges geriet sie erneut in Vergessenheit. Erst während der Ölkrise erinnerte man sich ihrer und kam erneut auf die Idee, durch die längere Nutzung des Tageslichtes Energie zu sparen. 1980 wurde die Sommerzeit wieder eingeführt.

Die Ölkrise ist lange vorbei, jedoch erhitzt die Sommerzeit bis heute unsere Gemüter.

Die Diskussion über Sinn und Unsinn der Mission „Sommerzeit“ kostet uns in jedem Jahr Energie, die wir möglicherweise effektiver einsetzen könnten, wenn wir uns ab und an Gedanken darüber machten, wie bedeutsam eine Stunde Zeit für jeden von uns ist…

Eine Stunde vergeht meist wie im Flug, unbemerkt und oft ungenutzt. Gewöhnlich hetzen wir durch den Tag, um die Forderungen des Alltags zu erfüllen.

Irgendwann dazwischen erleben wir wertvolle Augenblicke und wünschen uns, die Zeit möge stehen bleiben, um diese Momente festzuhalten. Nicht selten aber auch, um das Gefühl zu konservieren, bis wir die Zeit finden, es zu genießen.

Georg Danzer schrieb einst:

„Es war einmal ein Mann, der wollte die Zeit anhalten. So ging er hinaus auf einen Hügel vor der Stadt und rief „Zeit, steh‘ still“ Da kam ein Reiter des Weges und sprach: „Wenn dies Dein Wunsch ist, so sei er Dir erfüllt“ Der Reiter nahm seinen Degen und stach dem Mann in die Brust. Zu dem Toten sagte er dann: „Es gibt nur eine Zeit. Deine Zeit. Und ihr Wesen ist Wandlung. Wer die Veränderung nicht will, will auch nicht das Leben“

Vielleicht müssen wir uns ab und an bewusst machen, dass unsere Zeit begrenzt ist. Sie vergeht viel zu schnell und ist unendlich kostbar.

Dennoch gehen wir damit um, als hätten wir „alle Zeit der Welt“, um zu leben, zu lieben und zu lachen.

Um Einsamkeit zu fühlen. Und Zweisamkeit. Freude zu erleben und Leid, genauso wie Traurigkeit , Verlust und Schmerz zu ertragen. Uns unseren Ängsten zu stellen und Entscheidungen zu treffen.

Wenn uns das, was wir tief in uns drinnen fühlen, erst zu dem machen kann, der wir sein wollen, wieso lassen wir zu, dass das Außen uns zu dem macht, was wir sind?

Eine Frage, die zu beantworten uns möglicherweise mehr als eine Stunde unserer Zeit kosten könnte. Dennoch dürfte sich der Einsatz, lohnen.

Die Stunde Zeit, die wir kürzlich der Sommerzeit opfern mussten, bekommen wir Ende Oktober wieder zurück. Vielleicht ist es genau die eine Stunde Zeit, die wir für uns allein brauchen.

Alles Liebe

Pauline