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Provinzgeschnatter (50.) Ist Schreiben ein Sport?


Als bekennende Schreibsüchtige gebe ich zu:

Es gab eine Zeit, da wollte ich meine Texte unbedingt bei Wettbewerben einreichen und den Jurys namhafter Verlage präsentieren, die dann vielleicht mein Potential entdecken würden.

Natürlich schenkte keine der namhaften Jurys meinen Kurzgeschichten einen zweiten Blick.

Aufgeben war ein Wort, das ich nicht in meinem Wortschatz haben wollte. Ich versuchte es also bockig weiter und malträtierte die Nerven meiner Lieben, die regelmäßig als Testleser herhalten mussten.

Lange hatte ich keine Ahnung, was die Jury eines vielleicht wichtigen Verlages so zu lesen wünschte. Denn offiziell gibt es bei solchen Wettbewerben lediglich ein Thema zur freien Gestaltung. Nichts leichter als das, dachte ich und krixelte los. Ich gestehe:  Nicht alles, was ich so zu Papier bringe, ist es wert, gelesen zu werden und ganz sicher gibt es Schreiberlinge, die sozusagen im Schlaf Preisverdächtiges dahinschmieren.

Doch hin und wieder war auch ich mir sicher, etwas geschrieben zu haben, das preiswürdig wäre. Nun kann man sein eigenes Geschreibsel ja unmöglich objektiv beurteilen. Das wäre dann so, als würde eine Mutter die Unvollkommenheit ihres Neugeborenen erkennen.

Ein Verlag hatte einen Wettbewerb zum Thema „Rot“ ausgeschrieben und ich schrieb eine Geschichte dazu, die mir persönlich unglaublich nahe ging, war sie doch ein Requiem für meine Freundin Susan.

Blondi als eine meiner kritischsten Testerinnen reichte mir die Blätter mit Tränen in den Augen zurück und meinte, nie sei eine Geschichte besser gewesen.

Und weil ich weiß, dass niemand Blondis Meinung in Frage stellen würde, reichte ich das Geschreibsel ein und wartete.

Was passierte? Natürlich NICHTS.

Der Preis für die beste Kurzgeschichte ging an eine Autorin, die detailgetreu das Schlachten einer Kuh beschrieb.

Ich sah förmlich vor mir, wie das scharfe Fleischermesser beim Ausbeinen an den Rinderknochen entlang glitt. Plastisch beschrieben, unbedingt. Aber in mir löste das Gelesene nichts als „Iiiihhh.“ aus.

Angestachelt nahm ich mir auch die Zweitplazierte vor. Wieder dieses Gefühl. Die Mitarbeiterin einer Intensivstation erzählte detailgetreu vom Tod eines Patienten und was unmittelbar danach mit ihm geschah.

Die dritte Geschichte war von ähnlicher Thematik. Und ich kam zu der Erkenntnis, dass ich schlicht das Thema verfehlt hatte.

Meiner Geschichte fehlte der Ekelfaktor.

Angesichts der Tatsache, dass Einschaltquoten und Auflagenhöhe durch Skandälchen aller Art oft ungeahnte Höhen erreichen, konnte ich die Entscheidungen der Verlage durchaus verstehen. Leider sah ich mich nicht in der Lage, solch hohe Ansprüche zu bedienen und gab meine Wettkampfambitionen schweren Herzens auf.

Und dann passierte es: Ein Onlineverlag kürte eine ganz andere Geschichte von mir, in der es um Prinzen und Frösche geht und veröffentlichte sie in einer Anthologie mit verschiedenen anderen witzigen, komischen, auch seltsamen, aber absolut igittfreien Kurzgeschichten.

Besagte Kurzgeschichte um ein rotes Kleidungsstück ist übrigens bis heute unveröffentlicht.

Und als ich kürzlich einer sehr strengen Dame mit lachfaltenfreiem Anlitz meinen Roman anbieten wollte, um daraus auf einem wichtigen Thüringer Jahreszeitenevent lesen zu dürfen, lehnte sie ihn mit der Begründung ab, dass dies nicht die Art von Literatur sei, die ihren Vorstellungen von der Vorstellung bei besagtem Event entspräche.

Nun ja, aus meinen Erfahrungen mit anderen Veranstaltungen dieser Art habe ich mittlerweile gelernt, dass man eigentlich nie richtig liegt, wenn man nicht den richtigen Ansprechpartner findet. Und das ist mitunter schwerer, als das Schreiben eines Textes.

Schreibsüchtig bin ich nach wie vor, aber meine sportliche Sicht auf die Sache hat sich geändert. Ich muss nicht an Wettkämpfen teilnehmen, denn es ist allein der Spaß am Schreiben, der mich weiter bringt.

 

 

Bis die Tage, Pauline

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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PROVINZGESCHNATTER online (50): Ist Schreiben ein Sport?


Als bekennende Schreibsüchtige gebe ich zu: Es gab eine Zeit, da wollte ich meine Texte unbedingt bei Wettbewerben einreichen und den Jurys namhafter Verlage präsentieren, die dann vielleicht mein Potenzial entdecken würden.

Natürlich schenkte keine der namhaften Jurys meinen Kurzgeschichten einen zweiten Blick.

Aufgeben war ein Wort, das ich nicht in meinem Wortschatz haben wollte. Ich versuchte es also bockig weiter und malträtierte die Nerven meiner Lieben, die regelmäßig als Testleser herhalten mussten.

Lange hatte ich keine Ahnung, was die Jury eines vielleicht wichtigen Verlages so zu lesen wünschte. Denn offiziell gibt es bei solchen Wettbewerben lediglich ein Thema zur freien Gestaltung.

Nichts leichter als das, dachte ich und krixelte los. Ich gebe zu: Nicht alles, was ich so zu Papier bringe, ist es wert, gelesen zu werden und ganz sicher gibt es Schreiberlinge, die sozusagen im Schlaf Preisverdächtiges dahinschmieren. Weiterlesen