Tag-Archiv | Loslassen

Stille Nacht… oder?


geistDen Anfang eines Jahres stelle ich mir gerne als ein weißes Blatt Papier vor, dass sich im Laufe der Monate mit Leben füllen wird. Zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel nehme ich mir ganz bewusst die Zeit für mentalen Großputz.

2018 ist habe ich besonders intensiv erlebt. Nie zuvor durfte ich mehr Herausforderungen, Siege und schöne Momente erleben als im vergangenen Jahr. Und nie musste ich mich von so vielen Träumen, Sicherheiten und Gewohnheiten verabschieden. Niemals habe ich so intensiv „Loslassen“ geübt. Manche Tür hat sich geschlossen und obwohl ich daran gerüttelt habe, musste ich akzeptieren, dass sie zu bleibt. Andere Türen haben sich einen Spalt breit geöffnet und manche gingen weit auf. Man könnte meinen, das Gleichgewicht zwischen Höhen und Tiefen, Geben und Nehmen war perfekt. Mein erwachsenes Ich kann durchaus stolz auf das vergangene Jahr zurückschauen.

Aber da ist auch die Kleine, die sich tief in mir vor dem Neuen fürchtet. Das innere Kind, das allem Verlorenen nachweint und sich mit dem Loslassen unendlich schwer tut.

Man muss nicht unbedingt an die Geburt von Jesu glauben, um in dieser Nacht das Wunder zu erkennen, was in jedem von uns selbst ist. Vielleicht liegt der Zauber der Weihnacht in den ganz kleinen Dingen. Er könnte in solchen Momenten liegen, wo wir es fertig bringen, ganz bei uns selber zu sein und das „Hier.“ und „Jetzt.“ ohne „Wenn.“ und „Aber.“ zu leben. In den stillen Momenten, wo wir es schaffen, unser inneres kindliches Ich liebevoll zu umarmen.

Es heißt, Weihnachten sei das Fest der Liebe. Nun, dann lieben wir in diesen Tagen doch mal uns selber! Schmeißen wir doch mal unsere Erwartungen an weiße Weihnachten und Geschenke und all den Schnödeldrö zu unserem anderen Seelenmüll, gehen hinaus in besagtes Weihnachtsgrau und versuchen, kurz mal abzuschalten, Innezuhalten und einfach nur zu sein. Vielleicht nur einen Wimpernschlag lang. Seien wir gespannt, was passiert.

 

Ich bedanke mich bei allen, die meine Seite noch immer besuchen, obwohl letzter Zeit dort wenig passiert. Habt eine wundervolle Weihnachtszeit voller friedlicher Momente wo immer ihr auch seid.

 

Alles Liebe, Pauline

 

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Vergangenheit war. Zukunft kommt. Nur in der Gegenwart sind beide verbunden. oder… Für Dich.


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Jaja, die Brüder Grimm wussten genau, welche Knöpfe sie drücken mussten, um Generationen von Kindern Seufzer der Spannung zu entlocken, wenn Frau Prinzessin einen Frosch geküsst hat, oder Herr Prinz seiner Herzensdame auf weißem Rosse nachstellte. Am Ende siegte die Liebe über jede noch so böse Macht. Kein Wunder also, dass das Kind, dass auch in der stärksten aller Frauen von heute lebt, an die Macht der Liebe und die Güte des Universums glaubt. Komme, was wolle.

Moderne Märchen unterscheiden sich inhaltlich mitnichten von anno dazumal. Na gut, weiße Pferde mussten heißen Maschinen und robusten Vans weichen. Möglicherweise schaut die Prinzessin von heute glückstaumelig in den Rückspiegel ihres schnittigen Flitzers: Denn dicht hinter ihr rast – sexy anzuschauen mit Helm, Lederkluft und diesem orangeleuchtenden Glückshalstuch – auf seiner blaugoldenen Maschine der Typ, den sie zum Traumprinzen geküsst hat. Ihr glückliches Herzchen jubelt angesichts des übermütigen Verfolgers „Meiner!“ und sie schickt Dankesgrüße ans Universum, weil es ihren größten Wunsch erfüllt hat.

Während die natürlichen Feinde der Liebe zu Grimms Zeiten vergiftete Äpfel, böse Stiefmütter und andere Kleinigkeiten gewesen sind, sind die Gefahren für glückliches Dauergrinsen in der Welt wirklicher Gefühle weniger greifbar, aber umso wirkungsvoller. Dass schon bei Königs mit harten Bandagen gekämpft worden ist, weiß jeder, der mit Grimms Märchen aufgewachsen ist. Doch wie Frau Prinzessin mit der Bewältigung adeliger Altlasten umgegangen ist, ist leider nicht überliefert. Wie auch? Prinz besiegt Bösewicht. Basta. Und wenn sie nicht gestorben sind…

keiner weiß, was dann passiert, denn Oma klappte nach diesem Satz zuverlässig das Märchenbuch zu.

In der Realityschnulze der wirklichen Welt wringt die Protagonistin wahrscheinlich verzweifelt das nass geschluchzte Taschentuch und hat keine Ahnung, woran ihr Märchen von der ganz großen Liebe zerbrochen ist. Die Erinnerung an den Traummann, der sich auf heißen Reifen aus dem Staub machte und die quälende Frage nach dem „Warum?“ ist alles, was ihr von der großen Liebe bleibt. Antworten sind Fehlanzeige und Seelenfrieden für lange Zeit nichts als Illusion.

Auch der Glaube an die gütige Macht des Universums droht in Situationen wie dieser verloren zu gehen. Was haben die da oben sich bloß gedacht, sie von der großen Liebe kosten zu lassen, um sie ihr gleich wieder wegzunehmen? Hauen die sich angesichts ihrer Verzweiflung vielleicht gerade lachend auf die Schenkel und machen sich ein Bier auf? Die einst starke Frau von heute kommt nicht um die bange Frage herum, ob das mit dem Universum nicht Erfindung moderner Märchenerzähler ist. Märchen! Wer glaubt denn an so was, der halbwegs bei Verstand ist?

Den Prinzessinnen von heute ist es nicht erlaubt, das königliche Köpfchen in den sprichwörtlichen Sand zu stecken. Was sollen denn bloß die Leute denken? Also richtet Frau Prinzessin verschnupft das zerkratzte Krönchen, verschließt den Bauch vor den albernen Sehnsüchten ihres inneren Kindes und wenn sie schon mal dabei ist, verschließt sie ihr geschundenes Herzchen gleich mit. Nach außen ist die Welt damit wieder in Ordnung, Frau Prinzessin geht den üblichen königlichen Pflichten nach und die Umwelt ist zufrieden.

Es dauert ein Weilchen bis sie merkt dass ihr Leben traurig geworden ist. Leer.

Ihm fehlt das warme Gefühl der Hand, die ihre hält und ein Lächeln, dass sie tief im Inneren wärmt. Doch um ihr Herz wärmen zu können, müsste sie wirkliche Nähe erlauben. Sich der Angst stellen, dass Liebe auch Schmerz sein kann. Mit der Erinnerung an die flüchtige Liebe ihres Lebens im Gepäck erscheint es leichter, wenn Frau Prinzessin jedem noch so qualifizierten Bewerber auf den Platz in ihrem Herzen eine Ablehnung erteilt. Denn wenn sie ehrlich zu sich selber ist, kommt sie nicht umhin zuzugeben, dass in besagtem Herzchen noch immer die Vergangenheit hockt.

Bis ihr eines Tages auf geht, dass ihr Leben ein Buch ist. Und dass sie allein dieses Buch schreibt. Sie hat es in der Hand, ihrem Bauch zu vertrauen und auf ihr Herz zu hören. Trotz allem. Und gerade weil! Sie darf im Film ihres Lebens die Hauptrolle spielen und in ihrer Hand liegt es, mit wem die großen Rollen in ihrem Drehbuch besetzt werden!

Weil sie einmal dabei war, ihre Einstellung zu sich selber zu überdenken, überlegte Frau Prinzessin, dass es gar nicht so doof sein konnte, dem Universum mal wieder einen Wunsch zu schicken. Vielleicht hatten die da oben ja gar keinen Fehler gemacht! Woher sollten die vom Universum denn wissen, wie der perfekte Mann für sie sein sollte? Sie hatte sich die große Liebe zu ihrem Traummann gewünscht. Ein Gefühl voller Magie. Mehr nicht.

Zack. Wunsch erfüllt.

Aber sie musste schmerzhaft lernen, dass keine noch so magische Anziehung aus zwei Menschen Partner, Freunde und Vertraute macht, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen.

Sie begann darüber nachzudenken, wie er denn sein sollte, der Richtige… Sie nahm sich viel Zeit und formulierte ihre Bestellung ans Universum so präzise wie möglich. Und war wegen der Länge des Wunschzettels kurz ein bisschen beschämt. War sie zu anspruchsvoll? Diesen Gedanken schob Frau Prinzessin gar königlich zur Seite. Schließlich kann frau nicht anspruchsvoll genug sein, wenn es um die Neubesetzung der männlichen Hauptrolle im Buch ihres Lebens geht! Sie lächelte spitzbübisch, als sie ihren Wunschzettel um ein weiteres „must have“ verlängerte: Sie würde ihn an seinen blitzend blauen Augen erkennen. „Mal sehen, ob die vom Universum das hinkriegen.“, dachte sie und schickte ihren Wunsch höflich mit „Bitte!“ und „Danke!“ ab.

Lange Zeit passierte: Nichts. Also gar nichts. Die Prinzessin sah einige moderige Lurche, die den Kuss nicht wert waren und schmiss alle samt zurück in den Tümpel, aus dem sie

 

gekrochen waren. Früher hätte sie das Universum vermutlich ungeduldig gemahnt, dass sie nicht ewig Zeit habe und die mögen doch endlich mal ihren Wunsch erhören…

Die Hauptdarstellerin ihres eigenen Buches jedoch liebte und lebte jeden einzelnen Tag, als wäre er er letzte. Sie fand Kontakt zu dem Kind in ihr und lernte, ihm zu vertrauen. Und begriff ganz allmählich, dass niemand einfach so weiterlebt, ohne ab und zu zurückzuschauen. Vielleicht bedeutet Loslassen nicht vergessen. Sondern vergeben. Auch sich selber.

An einem grauen Frühlingstag packte sie die greifbaren Reste ihrer Vergangenheit zusammen mit den ausgeträumten Träumen in eine Kiste und brachte sie an einen besonderen Ort. Sie stand im plötzlichen Sonnenschein auf dem Mauerrand und fühlte in Sekundenbruchteilen ein letztes Mal all die Gefühle, die ein anderer Mensch in ihr zu wecken in der Lage gewesen war. Dann ließ sie los. text2

Die Kiste glitt aus ihren Händen, schaukelte kurz an der Oberfläche, bevor sie vom Wasser umschlossen wurde.

Sie war frei. Endlich. Die Sonne spiegelte sich auf der Wasseroberfläche und wärmte das Herz der Prinzessin.

Und dann saß sie ihm gegenüber. Ausgerechnet bei einem Vorstellungsgespräch sah sie in die blitzenden blauen Augen eines Mannes, der das was er tat, mit Leidenschaft machte. Noch während er sie durch den Betrieb führte, wusste sie, dass sie diesen Job niemals annehmen konnte. Sie bewarb sich umgehend um den Platz in seinem Leben, denn ihr Herz war weit offen. Sie bekam den Job. Das Gehalt überstieg ihre Träume. Sie bekam so viel mehr, als sie forderte von einem Mann, der den Unterschied zwischen wollen und machen sehr genau kannte. Jeden Tag schenkte er ihr das Gefühl, sie dort abzuholen, wo ein anderer sie stehen gelassen hatte.

Die Erinnerung an damals ist noch da. Das darf sie auch, denn sie hat die Frau geformt, die die Prinzessin heute ist. Aber die Zukunft gehört dem einen Menschen, der ihre Hand auch dann nicht loslässt, wenn der Alltag mal die Leichtigkeit bedrängt. Dem Mann, der ihr Herz erobert hat, als er ihr von dem Jungen erzählt hat, der auf einer Eisenbahnbrücke stand und den Dampf der Lokomotive unter ihm einfangen wollte. Diesen Jungen kann sie sehen, wann immer sie in sein lachendes Gesicht schaut. Und wenn sie heute im Rückspiegel ihres Flitzers den Motorradfahrer auf seiner vollgepackten Boxer sieht, denkt sie glücklich: „Meiner!“ und weiß, dass sie zusammen nach Hause fahren.

In Liebe Pauline