Tag-Archiv | Warnemünde

Leben, lieben und lachen. Hier und Jetzt…


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Man sollte meinen, dass wir angesichts Trumpscher und Erdoganscher Weltsanschauung, sowie der latenten Terrorgefahr überall unseren Fokus auf die zunehmend besorgniserregende Entwicklung in unserer Welt richten würden. Doch weit gefehlt. Nachdem die Frage: „Wo kann frau eigentlich noch unbeschwert Urlaub machen?“ ungelöst zu den XY Akten gelegt worden ist, kommen wir sozusagen ohne Umwege bei dem Thema an, was nicht die Welt, aber unsere Gemüter immer wieder aufs Neue bewegt:

Warum, weshalb, weswegen…

…tun wir uns in Herzensdingen auch mit zunehmender Reife so schwer, als hätten wir nicht nur ein, sondern mindestens drei Leben.

Bei einem Gläschen Chardonnay wurde erst neulich das Pro und Kontra der Partnersuche im Allgemeinen und im Besonderen via www. unter uns Mädels hitzig diskutiert: Während Blondi darauf schwört, dass die Suche nach Mr. Perfect nirgends so erfolgversprechend wie im www. ist, würde Lisa niemals anhand von möglicherweise gefakten Mannsbildern ihren Singlestatus aufgeben. Sie will ihren Prinzen in spe live agieren sehen, bevor sie von ihm gesehen werden möchte. Blondis Methode ist effektiv und wirkungsvoll. Schließlich gibt es Wunsch- und Ausschlusskriterien: Was denn, der Typ ist unter 1,90 groß oder hat gar Glatze? „Der Nächste bitte…!“

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir uns der Tatsache stellen, dass es eine Sache ist, einen Kontakt zu knüpfen, auf welchem Weg auch immer. Ein ganz anderes Ding ist es aber, das zögerliche Flämmchen des Interesses am Leben zu halten. Zu groß scheint die Kluft zwischen Anspruch und Angebot.

So erkannte ein Kerl, der Kiki bereits Herzchen via whatsapp sendete unmittelbar vor dem anstehenden Date, dass seine Altlasten ihm die persönliche Bekanntschaft mit Kiki unmöglich machten. Und das, obwohl er Kiki für eine Wahnsinnsfrau hielt. Aber seine Therapeutin sagte…

…Weniger vornehme Frauen als wir würden angesichts derart männlicher Unaufrichtigkeit im Strahl kotzen.

Mich sortierte mal ein Prinzenfrosch aus, weil er meine Oberweite für grenzwertig erachtete. Ich wollte gar nicht wissen, ich welche Richtung diese denn zu korrigieren sei, damit ich so wäre, wie er mich haben wollte, sondern verpasste dem Schuft umgehend einen Tritt ins knochige Hinterteil. Mein Ego hatte dennoch einen Riss. Was wäre, wenn bemängelter Busen…

…ich verbiss mir jeden Gedanken an plastische Chirurgie und beschloss, mich so zu lieben, wie ich nun mal bin. Nebenbei sei erwähnt, dass Liebeling meine Körbchengröße für ein anbetungswürdiges Merkmal meiner nicht ganz makellosen Persönlichkeit hält. Dennoch kam ich angesichts derartiger Verhaltensmuster ansonsten vernünftiger Menschen nicht um die Frage herum, wieso wir so pedantisch nach haarsträubenden  Inhaltsstoffen in der von uns bestellten Suppe fahnden, obwohl wir alle uns nichts sehnlicher wünschen als endlich den einen Deckel, der zu all den neurotischen Beulen an unserem Topf passt?

Es scheint klar zu sein, dass die Basis einer Begegnung unerheblich ist. Was zählt, ist die Wirkung, die zwei Menschen aufeinander haben. Jeder weiß, dass ein erstes Treffen Erwartungen nicht erfüllen kann. Aber hin und wieder endet es dennoch mit einem Grinsen im Gesicht der Beteiligten, das irgendwo zwischen Wahnsinn und Irrsinn liegt.

Allerdings geht das Dilemma dann erst los. Denn es ist nun mal so, dass jeder Mensch Gefühle anders lebt und Partnerschaft eine Frage der Definition ist. Anspruchsverhalten prallt auf Realitäten.

Manche von uns fitzen in Herzensangelegenheiten gern mal alle Augen zu, wenn es um die Mängelliste des Angebeteten geht. Ein ganz blöder Fehler, denn irgendwann wacht man dann neben einem Menschen auf, dessen Bedürfnisse viel zu lange höher gehandelt wurden, als die eigenen.

Andere wiederum sortieren so sorglos, als wäre Liebe eine Ware, von der es zwei zum Preis von einer gibt. Po zu dick? Konto zu klein? Der Nächste bitte…!

Angesichts der vielen Einzelkämpfer auf dem Kriegsschauplatz Partnersuche komme ich nicht drum herum mich zu fragen, ob die mitunter lächerlich überspitzten Anforderungen an den potentiellen Partner nicht viel eher ein Ausdruck eigener Unsicherheiten und Zeichen uneingestandener Ängste sind? Es ist doch so: Der andere kann ein Juwel im Wüstensand sein, das Wunder, von dem wir immer geträumt haben. Und doch wird der an diesem Edelstein Einschlüsse finden, dem die Angst vor der Liebe, mit dem dieser Diamant nahe am Herzen zu tragen wäre, die Luft zum Atmen nimmt.

Wenn das verängstigte Kind in uns auf den Wunsch nach Leichtigkeit und Liebe prallt, wird die Leichtigkeit vermutlich das Nachsehen haben. Welcher Erwachsene lässt schon das Kind in sich zu Wort kommen? Würde dies doch bedeuten, sich mit den Wunden zu befassen, die uns vor langer Zeit zugefügt worden sind und die unter ihrer vernarbten Oberfläche auch heute noch sehr weh tun, sobald sie jemand berührt. Da erscheint es doch viel einfacher, Gründe zu finden, warum etwas nicht passt, auch wenn es noch so funkt.

Es ist keine Seltenheit, dass ansonsten stark erscheinende Menschen in Sachen Liebe eher Hasenfüße sind und vorzugsweise Beziehungen eingehen, die sozusagen auf Sparflämmchen köcheln. Sie kommen dem verletzten inneren Kind mit all seinen Narben nicht zu nah und wir setzen uns nicht der Gefahr neuer Schmerzen aus.

Die lauwarme Partnerschaft hat durchaus noch andere Vorzüge, wurde sie doch aus rein intellektuellen Gründen eingegangen. Was ihr an Tiefgang fehlt, hat sie möglicherweise in der Geldbörse. Schickes Auto, tolle Reisen. Kein Problem. Für die Umwelt ein perfektes Paar, das sich alles leisten kann und vielleicht schon den Lebensabend in der Südsee plant.

Vielen von uns ist die eigene Außenwirkung so wichtig, dass sie es schaffen, die innere Stimme zu ignorieren, die leise fragt, was aus den anderen Träumen geworden ist: Lachen, Leichtigkeit und Liebe? „Schatz, weißt du noch damals?“

In einem Lied von Sarah Connor heißt es: „Ich will küssen im Regen und weinen vor Glück. Mich besaufen am Leben, sag mal kennst du das nicht…“

Kann es sein, dass jeder von uns genau so glücklich ist, wie er es zulässt?

Irgendwann habe ich für mich begriffen, dass es unwichtig ist, wo ich bin. Es zählt nur, mit wem.

Küssen im Regen. Weinen vor Glück.

Der schönste Platz auf der Welt ist für mich die Westmole in Warnemünde. Jedes Jahr muss ich mindestens einmal dort sein, den Blick in die Ferne gerichtet, den Wind im Gesicht und die Sonne auf der Haut fühlen. Und immer war da eine unbestimmte Einsamkeit…

…Bis ich neulich mitten in der Nacht wieder dort gewesen bin. Die See lag ruhig und unglaublich friedlich vor mir, beschienen vom Mond und erhellt vom Licht des alten Leuchtturms. Aber der Frieden, das Glück, die Leichtigkeit kamen von der Hand, die meine gehalten hat.

Ich weiß, dass ich niemals mit einem Longdrink in der Südseesonne herumlungern werde, niemals asiatische Lebenskunst zu meiner machen kann. Aber mir ist bewusst, dass mir der Mensch, mit dem ich im Hier und Jetzt leben, lieben und lachen kann, nicht an jeder Ecke begegnet.

Wenn ich hier und heute mit Liebeling auf der Terrasse sitze, ein Glas Chardonnay in der Hand habe und dieses Lachen in seinen Augen sehe, fühle wie leicht das Leben sein kann, dann bin ich glücklich und sehr dankbar, dass ich den Menschen gefunden habe, der mir Licht und Leichtigkeit zurückgebracht hat. Hier und jetzt.

Nur ganz leise und fern wie aus der Südsee höre ich manchmal die Stimme aus meiner Vergangenheit, die mich fragt: „Schatz, weißt du noch… Damals?“ Ja, ich weiß noch. Aber ich lebe hier und jetzt.

Alles Liebe, Pauline

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Liebe, Tod und Jahrestage


Der Juni ist für mich der Monat mit den meisten Jahrestagen. Den schönsten und traurigsten Momenten. Jeder davon ist wertvoll, macht er mich doch zu dem Menschen, der ich heute bin.

Wann immer ich an der alten Mole in Warnemünde stehe, denke ich an den Menschen, der mein größtes Vorbild war. Wo du auch bist, mögest du in Frieden ruhen. Und ich denke an eine andere Liebe, die an diesem Ort begonnen und geendet hat.

Es heißt ja ganz allgemein, dass in unserer Kindheit die Weichen dafür gestellt werden, welche Erwachsenen wir einmal werden. Unser Umgang mit starken Gefühlen wie Liebe, Sehnsucht, Vertrauen, Angst und Schmerz entwickelt sich aus den Erfahrungen, die unser inneres Kind abgespeichert hat.

Meine innere kleine Prinzessin hat ganz viel Liebe und Licht gebunkert. Ein Umstand, der es mir nicht eben leicht macht, den grellen Tatsachen des Lebens ohne rosaroten Filter ins Angesicht zu schauen.

Der erste Mensch, den ich mit jeder Faser meines kindlichen Herzens geliebt habe, war mein fröhlich polternder Vater. Er ist für mich da gewesen an jedem Tag, hat mir die Bedeutung der Buchstaben erklärt und wieso man Kommas erfunden hat. Er hat mich gelehrt, dass die Welt groß und schön und bunt ist, aber auch schlimm und ungerecht. Er hat mir beigebracht, was richtig und falsch ist. Meine Sicht auf die Dinge hat viel mit den Gesprächen zu tun, die wir geführt haben. Was ich heute bin, verdanke ich nicht zuletzt ihm. Auch mein Anspruch an Mr. Right wurde vom Umgang meiner Eltern miteinander, der voller Liebe und Wertschätzung war, geprägt. So und nicht anders wollte auch ich lieben und geliebt werden, wenn ich groß wäre….

Dass Liebe auch furchtbar wehtun kann, erkannte  ich, als dieser wunderbare Mensch unter schrecklichen Qualen sterben musste. An einem heißen Junitag vor vielen Jahren war ich bei ihm und habe das Einzige getan, was mir möglich war. Ich hab seine Hand gehalten und gehofft, dass er in seiner morphinumnebelten Welt gespürt hat, dass ich mit all meiner Liebe bei ihm war.

Vielleicht habe ich in diesen dunklen Stunden begriffen, dass Liebe ganz einfach ist. Trotz allem. Oder gerade weil.

Liebe. Dieses größte aller Gefühle, dass nicht fragt. Das einfach da ist. Dass wunderbar ist und manchmal schmerzhaft. Ein Gefühl, dass unglaublich stark macht, wenn man sich drauf einlässt. Mit ganzem Herzen.

Trotz aller schlechten Erfahrungen, die wir machen mussten. Oder gerade deshalb.

Manche Menschen lassen Liebe im Kopf beginnen und leben sie mit dem Verstand. Dem Herzen droht in diesem Fall keine Gefahr, denn es bleibt unberührt. Loslassen ist keine bahnbrechende Hürde, denn wer nichts wirklich festhält, der kann leicht loslassen.

Ich habe die Sicherheitsvariante selber ausprobiert. Obwohl ziemlich komfortabel, ist diese Art von Liebe nichts für mich. Denn ich kam nie um das fade Gefühl herum, dass irgendetwas fehlt. Es war wie mein Lieblingsgericht, leider lauwarm serviert. Ich konnte mich nicht verbrennen, aber mir war auch niemals wirklich warm.

Mich haben schon immer diese Begegnungen fasziniert, in deren Folge es dem Kopf die Sprache verschlagen und allein die Stimme des Herzens von Bedeutung war. Diese Momente, in denen Zeit keine Rolle spielt. Wo zwei Menschen in einem überfüllten Raum ganz alleine sind. Ob der Prinz irgendeinem Brunnen entsteigt, neben mir auf einer Schaukel lacht, oder mich beim Samstagseinkauf anspricht, spielt keine Violine. Nur das Gefühl, dass mich umhaut ist noch wichtig und der Mensch, der dies in mir auszulösen imstande ist.

Was uns so unverhofft ganz tief drinnen erreichen kann, kann unglaublich glücklich machen. Und ebenso ängstlich. Zu lieben bedeutet auch, die Kontrolle über das eigene Herz dem geliebten Menschen anzuvertrauen. Plötzlich sind wir verletzbar. Wir finden uns unversehens an einem Abgrund wieder. Ungesichert. Manchmal unfähig, auf die Liebe zu bauen und einfach weiterzugehen. Es erscheint uns einfacher, den Rückwärtsgang einzulegen und erneut mit der Sicherheitsvariante zu kuscheln. Gesichert. Lauwarm. Und doch wünscht sich ein Teil von uns frierend und voller Angst eine neue Begegnung voller Magie.

Einst liebte ich einen Frosch, der schön wie ein Gott auf seinem Stein hockte, gewärmt von einem großen Gefühl räkelte er sich wohlig und forderte von mir immer neue emotionale Höchstleistungen. Er beteuerte, wie sehr er mich liebte, denn ich war in seinen Augen etwas ganz besonderes. Er gab zu, selbst nicht einfach zu sein, aber er fand, er sei jede Anstrengung wert.

Nein. War er nicht. Denn er bewegte sich kein Stück von seinem Stein weg. Jedenfalls nicht in meine Richtung. Faselte irgendwann von seiner Sicherheitsvariante, mit der das Leben so viel einfacher war. Es hat es ein Weilchen gedauert, bis ich begriffen habe, dass es einen großen Unterschied gibt zwischen wollen und tun. Machen ist Anstrengung. Erfordert Mut. Schweiß. Tränen. Bei allen Beteiligten. Ist es aber wert. Nur so wird es was mit dem Alltag.

Herr Frosch zog es vor, sein Herz aus allen Angelegenheiten rauszuhalten. Er fühlte sich sicher auf seinem Stein im Tümpel und hockt vielleicht noch immer dort.

Geblieben ist die Erinnerung an ein Sommermärchen. Wunderschön, aber eben ein Märchen. Ich habe lange mit dem Universum gehadert, weil wir diese Liebe nicht in den Alltag retten konnten.

Das Schöne an der Liebe ist aber, dass frau sie wiederfinden kann. Wenn sie die Erinnerung nicht wie eine Last, sondern in dem Wissen tragen kann, dass Liebe ein Geschenk ist, dass fast jeden Kampf wert ist, solange Nehmen und Geben sich die Waage halten. Dann kann ein neues Märchen beginnen. Vielleicht sogar mit weißem Pferd und Sonnenuntergang.

Bis die Tage,

Pauline

 

PROVINZGESCHNATTER online (60): Balzplatz Warnowtreppen


Manchmal muss frau das Land verlassen. Einfach so und nur für sich. Weg vom Alltag mit all seinen manchmal unüberwindbar erscheinenden Anforderungen.

Idealerweise hat sie eine Freundin, die Fluchthelferin und Begleiterin in einer Person ist. Ich habe eine solche Freundin und wir packten kurzerhand die Koffer, und machten uns Richtung Ostsee aus dem Staub.

Im Gepäck hatten wir neben Badesachen und Sonnenbrille auch eine großzügige Portion Sonnenschein. Und freuten uns auf unbeschwerte Tage ganz unter uns Mädels, ohne Arbeitssorgen und Feierabendaffären.

Es war Balsam für meine Seele, an Warnemündes „Alten Strom“ entlangzulaufen und einfach nur den Wind im Gesicht zu spüren und auslaufenden Schiffen nachzuschauen. Es war, als nähmen sie einen Teil meiner Sorgen mit sich mit.

Völlig entspannt und hungrig ließen wir uns vom Duft frischgeräucherten Fisches anlocken, der einem dieser In-Restaurants entströmte, die man entlang der Küste neuerdings findet.

Natürlich war diese moderne Fischkneipe völlig überfüllt. Wir wollten schon den Rückzug antreten, als an einem der Tische die Kerle zusammenrückten und Platz für uns machten. Ein Angebot, dass wir Mädels nicht ausschlagen mochten. Zu gut duftete es aus der Fischküche und zu nett wirkten die Jungs am Tisch.

Es wurde ein fröhlicher Abend, der in dem Moment begann, als mein Tischnachbar sich vorstellte, denn leider sagte er seinen Namen nicht mir, sondern meinem Busen. Blondi lachte schallend, während der Nachbar meinem Dekolletè laut und deutlich sagte: „Bist du schön!“ Weiterlesen